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103. Tasting von Munich Spirits – Ullis Privatbestände

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2022 und wir treffen uns immer noch online für die Tastings. Diesmal kommt die gesamte Range aus den privaten Beständen von Ulli, der sonst als Gast dabei ist. So viel sei vorweggenommen, er hat einiges gefunden, was sich nicht nur sehen, sondern auch schmecken lassen kann.

 

Glen GariochGlen Garioch, 34yo 1984/2019 – Hand selected for Brühler Whiskyhaus, 44,0%

Wir starten mit einem Whisky aus einer Zeit, in der einige Destillen noch nicht so professionell gearbeitet haben wie es heute Standard ist. Es kam durchaus vor, dass Reste von Seifenlauge nach dem Reinigen der Anlagen im Whisky gelandet sind. Oder die Seifenlaugebewusst zugesetzt wurde, wenn die Maische zu stark geschäumt hat. Hin wie her, den Abfüllungen von Glen Garioch aus dieser Zeit wird nachgesagt, seifige Noten aufzuweisen. Auch bei diesem hier, bei dem die Bewertungen aus der Whiskybase über eine beachtliche Spanne von 50 bis 93 Punkten gehen. In der Tastingrunde sind die Meinungen eher verhalten, die meisten schätzen zwar den Geruch, weniger aber den Geschmack. Mir geht es tatsächlich eher andersherum. Trotz längerer Zeit im Glas finde ich den nicht so richtig spannend. Wenn man die Nase tief ins Glas hält (wozu die meine durchaus gut geeignet ist), hat man vor allem stechende Schärfe. Ansonsten kann man die Eichennoten vom Fass riechen, dahinter Getreide und undefinierte Fruchtnoten.

Im Mund schmeckt er heller und frischer als erwartet. Herbe Noten stehen im Vordergrund, die sich bis zum mittellangen Abgang in getreidige, malzige Süße verwandeln. Seife finde ich weder im Mund noch in der Nase. Kein Highlight, aber schon ein gefälliger Tropfen.

 

AuchentoshanAuchentoshan 24yo Rare Cask by Blackadder, 55,8%

Der zweite geht direkt in eine völlig andere Richtung. Das erste was auffällt, sind die vielen deutlich sichtbaren Sedimente aus dem Fass, die in der Flasche und dann auch im Glas schwimmen. Der Whisky wurde ungefiltert direkt aus dem Fass gezogen, da kommt eben alles mit, was sich so gelöst hat. Allerdings bleiben bei diesem Verfahren auch Aromen erhalten, die einer Filterung normalerweise zum Opfer fallen. Die bringen hier einen extrem eigenständigen Whisky ins Glas. Der erste Riecher bringt viel Lösungsmittel, das aber schnell verfliegt. Mächtige und ganz eigene süße Noten nach Bittermandel, Honig und Lakritz kommen danach. Auch geschmacklich hab ich noch nichts getrunken, was ähnlich wäre. Eine ganz eigenwillige Süße, die ich nicht so richtig kategorisieren kann. Im Abgang erinnert das sehr an Met und Waldhonig. Viele sind sehr angetan, ich finde ihn eher interessant als begeisternd.

 

GlenmorangieGlenmorangie Signet, OB, 46,0%

Glenmorangie hat bei den Freaks keinen besonders guten Ruf, weil sie mit ihren Whiskys, die prinzipiell in Trinkstärke abgefüllt sind, eher den Massenmarkt bedienen. Für mich haben sie diesen Ruf aber zu unrecht. Auch wenn das mit dem Mainstream stimmt, ist die Qualität aus meiner Sicht durchgehend hoch. Der zehnjährige ist die geschmackliche Referenz, auf deren Basis allen anderen Abfüllungen über die Fässer eigene und andere Noten dazu gegeben werden. Das Fassmanagement ist auf einem durchgehend hohen Niveau, ich hab da noch keinen Ausfall wahrgenommen. Keiner der Whiskys in ihrer Range ist dabei sensationell, aber alle sind durch die Bank absolut ordentlich.

Beim Signet wird das Malz sehr stark geröstet, um ihm kräftige Kaffee- und Schokoladennoten zu geben. Über das Alter schweigt Glenmorangie sich aus, vermutlich variiert das auch von Abfüllung zu Abfüllung, da der Fokus auf einem bestimmten Geschmack liegt, den man immer wieder neu aus den verschiedenen Chargen zusammenbauen muss, um ihn konstant zu halten. Es dürften sich aber schon einige ältere Jahrgänge darin finden. Das Ergebnis ist vor allem sehr sehr rund und gefällig. Absolut keine Fehlnoten, weder in der Nase noch im Mund. Schokolade und Kaffee kommen deutlich raus, der Signet ist wärmend und mild und trotz 46% voluminös und mundfüllend. Wäre der Preis nicht so sportlich, wäre das ein Whisky, der oft bei mir im Glas landen würde. Wirklich falsch wäre der bei keiner Gelegenheit.

 

GlengoyneGlengoyne 17yo 2002/2020 – Duncan’s Dram, 57,3%

Das Fass, das zu Ehren des stellvertretenden Brennereimanagers Duncan McNicoll abgefüllt wurde, der im Januar 2020 in den Ruhestand ging, war ganz offensichtlich ein Sherryfass. Die Nase sitzt direkt auf einem alten Ledersofa. Es gibt ein kleines bisschen Schwefel, aber genau so viel, um den Geruch spannend zu machen und nicht zu stören. Auch im Mund hat er gerade das richtige Maß an Ecken und Kanten, um ihn insgesamt rund und gefällig zu halten, aber eben auch vor Langeweile zu bewahren. Die Sherrynoten überdecken den Whisky nicht, sondern haben genau das richtige Maß. Bis zum Abgang gibt es ein Spiel zwischen herben und süßen Noten. Richtig toll! Genau so müssen Sherryabfüllungen sein.

 

GlentauchersGlentauchers 10yo 2008/2019 by Scotch Single Malt Circle, 63,2%

Maggie Miller wählt für den Scotch Single Malt Circle immer wertige Whiskys aus. Da macht dieser keine Ausnahme. Insgesamt geht er in eine ähnliche Richtung wie der Glengoyne zuvor. Insgesamt ist er etwas herber und aufgrund des Alkoholanteils auch deutlich wuchtiger. Allerdings ist er trotzdem auch ohne Wasser sehr gut trinkbar, was ich immer sehr faszinierend finde. Ich könnte mich nur sehr schwer zwischen den beiden entscheiden, das Niveau ist hier wirklich sehr hoch.

 

ArdmoreArdmore 25yo, OB, 51,4%

Nach einer kurzen Pause gehen wir jetzt zu den rauchigen über. Erstmal dezent, Ardmore ist eben nicht auf Islay. Auffällig sind neben dem Rauch, der eher an kalte Asche erinnert als an Torfinferno, die deutlichen Kirschnoten. Im Mund ist die Frucht dann eher Zitrus. Insgesamt erinnert mich der Charakter sehr an Caol Ila, wobei die meistens die Regler deutlich weiter aufdrehen. Das hier ist vor allem sehr süffig und elegant und weiß damit durchaus zu gefallen.

 

Caol IlaCaol Ila 17yo 1990/2008 Mission Gold by Murray McDavid, 52,5%

Da haben wir ihn ja schon, den Caol Ila. Die Fässer für diesen hier wurden von Jim McEwan ausgesucht, was durchaus auf ein gelungenes Ergebnis tippen lässt. Der Charakter ist tatsächlich ähnlich wie beim Ardmore, aber sehr massiver. Quasi wie Ardmore-Konzentrat. Diese Wucht verebbt allerdings auch sehr schnell. Hier macht sich das geringere Alter bemerkbar. 17 Jahre sind jetzt nicht gerade jung, aber der Abgang fällt im Vergleich zum Vorgänger eben doch überraschend und auch etwas enttäuschend kurz aus. Kein schlechter Tropfen, aber ich würde dem Ardmore doch recht klar den Vorzug geben.

 

 BowmoreBowmore The Devil’s Casks – Limited Release III, OB, 56,7%
Den Abschluss macht die völlig zu Recht beliebte Kombination aus Torf und Sherry. Die erste Nase bringt Möbelpolitur, aber das verfliegt schnell. Hier wird das dicke Ledersofa mit dem offenen Kamin kombiniert. Dahinter stehen süßliche Noten. Ob es die Veilchen in der Vase sind, die Bowmore gern nachgesagt werden? Geschmacklich wird hier jetzt auch aus allen Rohren gefeuert. Wuchtig und massiv, erst mit schweren Noten von Kaffee und dunkler Schokolade, dann im langen Abgang eine nicht weniger schwere Süße von reifen Datteln. Es bleibt bis zum Schluss massiv und voluminös. Von dem her der perfekte Whisky auf dieser Position, denn danach kann kaum noch was kommen.

 

Platz 1 auf dem Treppchen teilen sich bei mir Glengoyne und Glentauchers. Der Rest war aber auch nicht ohne. Vielen Dank, Ulli! Hat Spaß gemacht. Irgendwann vielleicht auch mal wieder live.

 

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