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101. Tasting von Munich Spirits – Bald ist Weihnachten… sehr bald

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Weihnachtstasting

Ob wohl am 23. Dezember jemand Zeit für ein Tasting hat? Die Frage hat Marco von Munich Spirits sich gestellt und sie wurde in Rekordzeit mit „Auf alle Fälle!“ beantwortet. Was macht man im Jahr 2 n.C. auch sonst so, außer zu Hause in einem Zoom-Call zu sitzen? Das macht mit Whisky jedenfalls mehr Spaß als ohne. Vor allem, wenn es wieder mal eine feine Auswahl für ein gemeinsames Tasting gibt.

Glenfarclas, OB, Christmas Edition Oloroso Sherry Casks, 24 Jahre, 46.0%
Der Einstieg ist gleich der älteste Whisky des Abends. Da er aber mit einer angenehmen Trinkstärke von 46% auch gleichzeitig den niedrigsten Alkoholgehalt hat, würde er später wahrscheinlich untergehen, was ausgesprochen schade wäre. Die Christmas-Malt-Abfüllungen von Glenfarclas haben einen durchaus guten Ruf. Obendrein bin ich bekennender Fan dieser Destillerie, die als eine der wenigen noch in Familienbesitz ist und nicht zu einem der großen Konzerne gehört. Im Glas hatte ich allerdings noch keine der Christmas Malts, ich war also freundlich gespannt. Die Nase bringt neben den typischen Sherrynoten noch Trockenfrüchte und Gewürze, was das Ganze nicht nur sehr angenehm, sondern in der Tat auch durchaus weihnachtlich macht. Im Mund ist er nicht übermäßig voluminös, glänzt aber mit einem gut eingebauten Sherry, der eher dezent süß daherkommt und gegen diese feine Süße ein paar herbe Noten setzt. Auch im Abgang bleibt er eher herb als süß, spät kommen dann die Trockenfrüchte durch, die man anfangs schon in der Nase hatte. Das alles ist sehr angenehm zu trinken und gefällt mir ausgesprochen gut.

Glenallachie, OB, Napa Valley Wine Barrel Cask 4437, 9 Jahre, 61.2%
Nummer zwei wartet dann direkt mit enormem Kontrast auf. Trotz mächtigen Prozenten riecht man keinen Alkohol, aber enorm viel Frucht, massive Vanille und süße Cremigkeit. Dieser Whisky war im Weinfass und darin muss zuvor eine ziemlich fette Schnecke von Weißwein gewesen sein. Der erste Schluck bringt dann den Alkohol doch deutlich hervor, der Glenallachie bleibt aber trotzdem auch ohne Zugabe von Wasser gut trinkbar. Die Cremigkeit setzt sich auch hier weiter fort, dazu kommen leicht würziger Honig und auch Toffee. Werther’s Original kommen mir in den Sinn. Der Abgang ist bei dem Alter wie erwartet nicht übermäßig lang, auch hier bleiben die süßen Noten dominant.
Ich probiere mal ein paar Tropfen Wasser dazu. Das nimmt ihm zwar die alkoholische Kante, macht ihn aber auch umgehend flacher. Besser ist er für mich ohne, wobei andere in unserer Session durchaus die Variante mit Wasser bevorzugen. Jedenfalls eine sehr gelungene Geschichte, vor allem angesichts des doch ziemlich jungen Alters.

Glengoyne, Cask Owner, Sherry Butt, 9 Jahre, 60.0%
Wir bleiben in einem ähnlichem Bereich. Ebenfalls 9 Jahre im Fass (wobei er die 10 nur um 2 Wochen verfehlt hat) und ein vergleichbarer Alkoholgehalt. Den hier gibt es allerdings nicht im Handel, sondern nur für diejenigen, die bei Glengyone ein Fass gekauft haben. Einer aus der Runde ist Mitbesitzer eines solchen und hat damit Zugriff auf diese Angebote.
In der Nase hat man hier ganz deutlichen Sherry mit leichtem Schwefel und viel Ledersofa. Der Geschmack bringt schwere Süße mit massig Volumen. Im Wechselspiel von süßen und herben Noten passiert einiges. Langsam kriecht er durch den Mund in den Rachen und zieht sich nur langsam zurück. Ganz spät bleibt dann auch hier eine cremige Süße zurück. Der Abgang ist sehr lang und verhältnismäßig komplex. Im Gegensatz zum Vorgänger hätte ich den hier niemals so jung geschätzt. Absolut genialer Whisky, das Fass muss aber auch ein enormer Glücksgriff gewesen sein. Schade, dass es davon nur ungefähr 600 Flaschen gibt und keine davon im Handel.

Glendronach, OB, PX Singe Cask, 18 Jahre, 55.7%
Auch hier ist der Geruch von Sherry deutlich. Aber diesmal nun wirklich nah an der Perfektion. Eher herb als süß und völlig ohne Fehlnoten. Das ist einer von den Whiskys, an die ich den ganzen Abend hinriechen könnte. Auch im Mund ist er deutlich herber als der Glengoyne, aber sehr ausgewogen. Der Alkohol steht weiter im Hintergrund. Ximenez-Fässer führen oft zu recht wuchtigem Sherry, aber hier ist das Ergebnis unerwartet elegant und ohne eine Süße, die alle anderen Noten unter sich erdrückt. Der Abgang ist trotz des beinahe doppelten Alters überraschenderweise nicht ganz so lang wie beim Vorgänger. Dunkle Schokolade kommt recht deutlich raus, ganz spät gibt es dann unerwartet ein paar frische Noten.
Wenn man die beiden weiter vergleichen will, so ist der hier insgesamt runder und eleganter, aber auch nicht ganz so spektakulär. Der eine hatte den Glücksgriff beim Fass, der hier dürfte eher das Ergebnis von Handwerkskunst und solidem Fassmanagement sein.

Worthy Park, OB, Habitation Velier 2006, 11 Jahre, 57.5%
Nach einer kurzen Pause gehen wir einen weiten Schwenk von Schottland nach Jamaika. Da gibt es natürlich keinen Whisky, sondern Rum. In diesem Fall einen aus der Potstill, was bei Rum eher die Ausnahme ist und deswegen auch für einen eigenen Charakter sorgt. Ein großer Rumfan bin ich grundsätzlich nicht, aber tatsächlich hab ich einen Worthy Park von Rum Nation im Regal stehen, den ich mal auf der Finest Spirits probiert hab. Während ich also nicht ganz so überrascht von diesem hier war, war die Mehrheit doch hörbar irritiert. Schon in der Nase tanzt eine dicke Rosine einen Mento auf und dreht dabei mal alle Regler nach rechts. Im Mund ist er nicht dezenter, bringt aber einen sehr eigenwilligen Geschmack mit, den ich schwer beschreiben kann. Die meisten klagen über Lösungsmittel, was ich schon nachvollziehen kann. Erstens ist es aber nicht dieser typische Klebergeschmack, den man manchmal im Whisky findet und zweitens empfinde ich den auch bei weitem nicht so unangenehm wie die meisten anderen. Diese Noten verschwinden auch nach etwas Zeit aus dem Glas, der Geschmack bleibt aber weiterhin eigen, auch im Abgang. Das ist selbstredend eine ganz andere Richtung als Whisky, aber ähnlich wie der meine zumindest in meiner Wahrnehmung auch kein typischer Rum. Verkehrt finde ich den durchaus nicht, aber zugegeben muss man da schon wirklich Lust drauf haben.

Glenlossie, Malts of Scotland, Sherry Hogshead Cask 21025, 09-21, 57.3%
Zurück zum Whisky. Von Malts of Scotland hatte ich schon öfter mal recht gute im Glas, aber bislang hat es noch nie einer in mein Regal geschafft. Dieser hier riecht ähnlich dunkel wie er aussieht, dazu gibt es aber ganz sherryuntypisch Kräuter und eine leichte Schärfe dahinter. Da ist Würze dabei, aber nicht Leder, sondern eben eher Kräuter- und Blütennoten. Später kommt dann Weingummi dazu. Auch der Geschmack ist ausgefallen und kommt mit einer krautigen Würze im Gegenspiel mit süßen Noten, die ich nicht ganz festmachen kann. Bittermandel ist jedenfalls dabei, vieles bleibt mir aber unklar. Die offizielle Beschreibung listet einige auf (Rosinen, Honigwein, Paranüsse, Nougat, getrocknete Pflaumen, Toffee, Espresso, Schokolade, gebrannte Mandeln, Chiliflocken, Orangenmarmelade, Gewürze, getrocknete Datteln), die ich aber alle nicht so ganz nachvollziehen kann. Im langen Abgang kommt die Süße immer deutlicher raus. So unklar ich das finde, so sehr begeistert es mich allerdings auch! Und da ich bislang wirklich gar nichts im Regal habe, was dem hier auch nur ähnlich wäre, schicke ich direkt parallel zum Tasting eine Bestellung ab. Damit werden dann noch einige Gelegenheiten kommen, den weiter zu erkunden.

Vital Spark, Sherry matured, Christmas Batch, 12 Jahre, 51.5%
Nach hinten raus wird es wieder mal torfig und zwar richtig. Ein Loch Lomond von einem unabhängigen Abfüller mit einem mir unbekanntem, aber doch klangvollem Namen. Schinken aus der Räucherkammer zieht schon in die Nase, wenn das Glas nur am Tisch steht. Viele sagen bei der ersten Nase Kuhfladen (was nicht abwertend klingen soll, auch wenn das für die meisten schwer vorstellbar klingen mag). Diese Note scheint aber schnell zu verfliegen und da meiner schon ein paar Minuten offen steht, hab ich sie wohl verpasst. Unter der Rauchwolke liegen Noten vom Sherry, ansonsten findet sich noch Karamell. Die Kombination von Sherry und Rauch funktioniert oftmals sehr gut und ergänzt sich auch hier einwandfrei. Aprikose und auch Anklänge von Teig tauchen auf, im Nachgang kommt dann Marmelade dazu. Der Rauch bleibt dabei zu jeder Zeit im Vordergrund. Spannend wird es mit ein paar Tropfen Wasser. Das bringt den Rauch in der Nase so umgehend wie komplett zum Verschwinden und ersetzt ihn durch viel Frucht. Das setzt sich im Mund fort, auch hier tritt der Rauch weit in den Hintergrund. So extrem hab ich das bislang selten erlebt, da wird ein ganz anderer Whisky draus. Der weiß aber durchaus zu gefallen. Nicht übermäßig komplex, aber gerade in der Variante mit etwas Wasser läuft der schon sehr fein runter.

Isle of Islay, The Whisky Agency, Ex-Sherry-Butt, 11 Jahre, 53.6%
Rätselraten zum Abschluss. Ein Unbekannter von der Heimatinsel der Torfbomben, der sich aber gar nicht so muskelbepackt zeigt. Der Rauch ist deutlich weiter im Hintergrund als beim Loch Lomond, dafür gibt es dunkle Beeren und später leichte Zitrusnoten. Im Mund ebenfalls kein volles Rohr, sondern auch ohne Zugabe von Wasser eine sehr elegante Kombination aus Rauch und Sherry mit einer leichten Süße im Hintergrund, die im Abgang dann stärker herauskommt. Meine erste Assoziation war Bowmore, aber wirklich zuordnen können wir ihn nicht. Die typischen Charakteristika jeder Destille auf der Insel lassen sich nicht finden. Damit tippen wir nach statistischer Wahrscheinlichkeit auf Lagavulin, weil davon zusammen mit Caol Ila die meisten Fässer verfügbar sind. Wie auch immer, ich bin sehr angetan, eben weil er nicht so voll auf die 12 ist wie viele andere von Islay. Eher feiner Rauch als volles Rohr, was meistens eher meinen Geschmack trifft.

Insgesamt ein sehr gutes Line Up, das zumindest für mich auch keinen Ausfall beinhaltet hat. Vielen Dank für die Auswahl. Damit kann das Jahr ausklingen!

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