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Sri Lanka I – Anreise

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Geschafft! Nach einigen Wirren endlich im Flieger nach Colombo.
Die letzen Wochen waren reichlich stressig. Viel zu tun in der Arbeit, dazu Band und ein weiteres Bandprojekt in der Arbeit, Urlaubsvorbereitungen, Arzttermine, etc. Und dann kam vor 1 1/2 Wochen noch der Hammer, als uns die Geschäftsleitung eröffnete, dass es trotz guter Auslastung mal wieder ziemlich schlecht aussieht. Wir mussten dieses Jahr auf die Marktsituation reagieren und unsere Tagessätze deutlich nach unten korrigieren. Fazit: ohne ein paar weitere Entlassungen und einer allgemeinen Gehaltskürzung schaffen wir’s nicht.
Wir hatten vor dem Boom vor 2 Jahren schon einige Entlassungen, aber diesmal fand ich es besonders übel. Einerseits hatten wir alle das Gefühl, es würde an sich gut laufen. Andererseits hat es diesmal unter anderem jemanden, den ich sowohl als Kollegen wir auch persönlich sehr geschätzt habe. Und den ich außerdem als einen der Leistungsträger in der Firma wahrgenommen habe (was natürlich den Eindruck vermittelt, dass es wirklich jeden treffen kann).
Dazu kam noch Projektstreß, ich wollte wenigstens meinen Teil vor dem Urlaub abschließen, damit ich das sauber übergeben kann. Aber das hat trotz Extraschichten nicht geklappt, ich musste also einem Kollegen eine halbfertige Sache aufs Auge drücken. Alles also nicht optimal. Nun aber liegt das alles ein paar tausend Kilometer weg und das ist auch gut so.
Die erste Hälfte des gestrigen Tages ging mit Packen und letzten Besorgungen drauf. Um 16:00 Uhr dann ab in Richtung Flughafen. Vor dem Schalter gleich mal die ewige Schlange. Nach einer halben Stunden (oder räumlich gesprochen 3 Metern) kamen wir dann in Sichtweite der Monitore – und sahen damit mit mittelmäßiger Begeisterung, dass unser Flug auf aktuell 4 Stunden Verspätung stand. Das ging ja gut los.
Dann gab es vor uns in der Schlange noch ordentliches Chaos, verursacht durch eine schwäbische Reisegruppe (Petra meinte „Familie“, was ich aber nicht hoffen will). Die waren nicht nur völlig desorganisiert und ohne Ãœberblick, nein, sie hatten auch noch 2 Frauen in Rollstühlen dabei, was die Situation noch weiter komplizierte. Aber wir hatten ja Zeit. Und am Schalter entschuldigte sich die LTU dann mit 2 Essensgutscheinen über je 12,50 EUR. So konnten wir uns wenigstens in der Wartezeit noch im Flughafen-Brauhaus ordentlich den Wanst vollschlagen.
Gegen 22:30 Uhr war dann endlich Boarding. Wir teilten uns den Airbus mit reichlich seltsamem Volk. Geschmacklos gekleidete Touristen (wenig überraschend), alte Leute mit diversen medizinischen Problemen (rechts vor uns die Gallenentzündung, die eigentlich gar nicht fliegen sollte; hinter uns die erste ältere Dame, die direkt nach dem Start zu den Toiletten rennt und sich dabei die Tüte vors Gesicht hält), dazu mehrere srilankische Großfamilien, die das komplette an Bord befindliche Kleinkind-Equipment in Anspruch nehmen und die Stewardessen auf Trab halten. Das sind also unsere Nachbarn für die nächsten 9 1/2 Stunden.
Später schaffen wir es trotz der reichlich beengten Platzverhältnisse, ein wenig zu schlafen. Den restlichen Flug verbringe ich mit meinem Buch, dem Jazzkanal des Fliegers und den lausigen Mahlzeiten. Die Filme sind völlig uninteressant. Und irgendwann sind wir dann endlich in Colombo.
Beim Aussteigen laufen wir trotz bedecktem Himmel in eine Wand von soliden 30° C. Die Luftfeuchtigkeit sorgt spontan für entsprechende Zustände der Kleidung (die sich ja noch ein wenig nach den in München herrschenden -8° C gerichtet hatte). Das nächste, das auffällt ist die hohe Militärpräsenz. Überall Soldaten, auch auf dem Flugfeld. Zwar gab es vor kurzem nach 23 Jahren Bürgerkrieg endlich ein Abkommen zwischen Regierung und den Tamil Tigers, aber man merkt die Anspannung trotzdem deutlich. Auch wenn der Frieden jetzt von Dauer sein sollte (was man dem Land nur wünschen kann), bis zu einer Normalisierung wird es wohl noch einige Zeit dauern.
Am Flughafen werde ich auch gleich mit der ersten Nepperei begrüßt. Der Kofferträger (der sich des Gepäcks bemächtigt hatte, bevor wir auch nur 1x geblinzelt hatten) möchte nun nachdem er uns zum Bus gebracht hat einen völlig indiskutablen Preis dafür. Natürlich behauptet er, nicht rausgeben zu können, als wir ihm weniger anbieten. Also zahle ich ihn in Euro, die ich in meiner Phase der Übermüdung natürlich spontan falsch umrechne. Und somit bekommt er knapp das doppelte von dem, was er ursprünglich haben wollte. Guten Morgen.
Dann also im Bus zum Hotel. Der Bus ist für unsere Verhältnisse alt, eng und klapprig, für Sri Lanka neu, bequem und gut erhalten. Unser Hotel ist das letzte, das angefahren wird und so bekommen wir ein paar Eindrücke vom Land.
Alles wirkt sehr betriebsam, ärmlich und fremd. Der Verkehr ist völliger Wahnsinn. Sri Lanka hat Linksverkehr (danke, England) und theoretisch auch weitere Verkehrsregeln. Aber halt nur theoretische. Die Straßen werden von einem wildem Gemisch aus Bussen, Lkws, Autos, Dreirädern („Tuk Tuks“), Fahrrädern, Karren, Fußgängern und diversen Tieren bevölkert. Und alle bewegen sich irgendwie in irgendeine Richtung, in der gerade Platz ist. Dabei wird ständig gehupt (signalisiert wahlweise „Danke“, „Bitte“, „Mach Platz“, „Ich fahre jetzt“, „Ich überhole jetzt“, „Ich überhole jetzt in der Kurve (obwohl ich nichts sehe)“, „Ich überhole jetzt den, der gerade überholt“ oder „Idiot“) und überall gefahren, wo man gerade durch passt („Das war nicht knapp, das waren noch mindestens 3 cm“). Straßenmarkierungen und -schilder dienen rein dekorativen Zwecken). Wäre ich nicht so fertig, ich müsste ständig schreien.
Die Gegend (sofern man sich traut, die Augen zu öffnen) ist bunt und abwechslungsreich. Prächtige Häuser neben halbverfallenen Bruchbuden. Menschen im Anzug neben Arbeitern und Bettlern, überall Stände an der Straße. Alles ist ziemlich grün und eingewachsen. Der erste Eindruck ist ziemlich sympathisch.
Die anderen Hotels machen keinen wirklich guten Eindruck, sieht alles nach den typischen billigen Touristenburgen aus. Urg. Unser Hotel präsentiert sich gottlob etwas anders. Das Ranweli Holiday Village ist ein Öko-Hotel auf einer kleinen Landzunge, die man per Hotelfloß erreicht. Ein weitläufige Anlage, 50 Bungalows und Wohnungen verteilen sich über eine Fläche von 9 Hektar ziemlich naturbelassenen Gartens. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen eine Flußlandschaft. Alles sehr malerisch, reichlich Natur. Neben 160 Vogel- und 60 Schmetterlingsarten gibt es noch alles möglich andere Getier.
Es gibt eigentlich nur 2 Dinge, die den ersten Eindruck trüben sollten. Das Meer hier an der Westküste hat eine ziemlich starke Brandung, die Baden oft nicht zuläßt. Und Petra hatte wohl die Klimaanlage im Flugzeug nicht gut vertragen. Jedenfalls begann sie den Urlaub mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden.

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