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Sri Lanka VI – Trip durchs Hinterland

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Die letzen 2 Tage waren wir im Hinterland unterwegs. War irre anstrengend, aber hat sich mehr als gelohnt. Die Fahrerei war Killer. Ein paar hundert Kilometer komprimierter Wahnsinn. Unser Fahrer war zwar ziemlich gut, aber ich hatte trotzdem nach dem zweiten Tag Muskelkater in den Füßen (vom Einspreitzen in die Sitzbank).
Der Reiseführer war ziemlich fähig und hat uns ordentlich mit Infos und Anekdoten versorgt. Ein kleines Manko waren die anderen 8 Teilnehmer unseres Trips, die mehr oder weniger alle in die Kategorie „deutsche Touristen, die man zu Recht im Ausland meidet“ gefallen sind. 4 waren noch im Rahmen, die anderen 4 waren ordentlich Knallköpfe, hin und wieder hatte ich dann doch so ein nervöses Zucken im rechten Arm (und mehr als einmal ein böse Antwort auf den Lippen), aber letztlich hat dann doch die Ansicht gesiegt, dass ich zum Erholen im Urlaub bin und nicht zum Aufregen. Und es gab ja wahrlich genug Programm zum Ablenken.
Unser erstes Ziel war das Elefantenwaisenhaus in Pimawela. Dort werden verwaiste Elefanten auf- und zu Arbeitselefanten erzogen. Mann kann sich hier inzwischen eine recht stattliche Herde mehr oder weniger aus der Nähe ansehen (3-4 Meter Sicherheitsabstand, da auch wilde Elefanten dabei sind) und auch einigen bei der Arbeit zusehen. „Höhepunkt“ des ganzen ist die Fütterung der Babyelefanten mit Milchflaschen. Für meinen Geschmack etwas zu touristisch, aber die Herde war trotzdem ganz imposant.
Und es ging gleich mit Elefanten weiter. Nebenan ins Elephant Village, einer Ausbildungsstätte für Arbeitselefanten. Dort hat uns dann ein Mahud, ein Elefantenführer demonstriert, wie man mit einem Elefanten arbeitet. Selbigen Elefanten (eine 30 Jahre alte Elefantenkuh), durften wir dann auch reiten. Ganz cooles Erlebnis und an sich auch nicht die schlechteste Art, sich fortzubewegen. Allerdings bleibt der Respekt vor dem Elefanten doch recht hoch. Es bleibt einem doch recht klar bewußt, dass man ziemlich vom good will der 4 Tonnen Muskeln unter einem abhängig ist.
Im Anschluß daran ging es weiter zu einer Ayurveda-Farm. Auch da gab es reichlich Informationen über Pflanzen und deren Anwendung. Vor allem aber gab es praktische Beispiele in Form einer Gesichts-, Rücken- und Kopfmassage vom Fachmann. Zwar leider nur 10 Minuten, aber trotzdem eine wahre Wohltat. Und dann gab es natürlich auch noch alle möglichen Öle und Substanzen zu kaufen. Wir haben auch zugeschlagen, nachdem wir mit einigen schon ein paar gute Erfahrungen gemacht haben. Und hier direkt vom Erzeuger war’s halt auch relativ preiswert (ganz davon abgesehen bekommt man einige Sachen bei uns nur schwer). So kam eine Flasche zur anderen und bevor wir uns recht versahen, war die Türe dann doch recht groß. Das war dann alles zwar immer noch preiswert, aber „billig“ im eigentlichen Wortsinn war es allerdings nicht mehr so ganz (hüstel).
Weiter nach Kandy, der alten Königsstadt. Unser erstes Ziel hier war der Botanische Garten. Der hat dann auch gleich wieder die Frage aufgeworfen, die wir uns hier schon ein paar Mal gestellt haben. Was wächst auf dieser Insel eigentlich nicht? Unter anderem sieht man hier einen Ficus Benjamin mit 2000 m² Blattfläche, King Coconut – Palmen mit 20 kg schweren Kokosnüssen, 400 Arten Orchideen, usw., usw. Das alles in einer wunderschönen Parkanlage mit Palmenalleen und lauter verschiedenen Gartenanlagen.
Nach dem Botanischen Garten hatten wir dann eine Stunde Mittagspause im Hotel Topas, in dem wir auch die Nacht verbringen sollten. Das Hotel war ganz OK, nur halt voller Weihnachstdeko (lebensgroße Weihnachtsmänner, blinkende Plastikchristbäume, Kunstschnee, etc.), was uns aber nicht weiter überrascht hat, da wir das inzwischen fast überall mitbekommen hatten (Gottseidank nicht in unserem Hotel, eine erfreuliche Ausnahme). Hier war dann auch eventuell Umziehen angesagt, denn später stand der Zahntempel auf dem Programm, und in Buddhistischen Tempeln sind lange Hosen und bedeckte Schultern Pflicht. Meine Hoffnung, ein paar der Mitglieder unserer Gruppe würden diese Gelegenheit dazu nutzen, und sich nicht mehr so völlig geschmacksfern zu kleiden wie bisher, wurde selbstredend nicht erfüllt. Auf deutsche Touristen ist eben verlaß. Es leben die Badeschlappen.
Vor dem Tempel besuchten wir noch eine Edelsteinschleiferei. Hier kann man sich in lebensgroßen Modellen den Abbau und dann live die Weiterverarbeitung aller möglichen Edelsteine ansehen. Sri Lanka hat 12 verschiedene Edelsteinsorten. Auch sehr interessant, vor allem die Schleiferei. Auch hier gab es natürlich einen Shop, und da wir ja noch nicht genügend Geld ausgegeben hatten (und ja außerdem Weihnachten sehr offensichtlich vor der Tür stand), haben wir auch hier noch mal eingekauft (die Tüte war aber deutlich kleiner). Bei der Gelegenheit konnte ich dann auch feststellen, dass ich den Magnetstreifen meiner Kreditkarte geschrottet hatte.
Nach dann doch noch erfolgreichem Shopping (mir graut schon vor dem nächsten Kontoauszug) kamen wir dann zum Zahntempel. Dieser Tempel ist die wichtigste Buddhistische Anlage auf Sri Lanka und enthält angeblich einen Original-Eckzahn von Buddha. Es gibt eine Fülle von Legenden und Geschichten um den Zahn, angefangen von seiner abenteuerlichen Reise auf die Insel, über wundersam vereitelte Zerstörungsversuche, usw. Den Zahn selber sieht man natürlich nicht. Spätestens seit Tamilische Terroristen vor dem Tempel eine 200 kg Bombe gezündet haben (die Tamilen sind Hindus), sind die Sicherheitsvorkehrungen ziemlich straff. Leibesvisitation am Eingang, um den Tempel herum überall schwerbewaffnete Soldaten hinter Sandsäcken.
Der Tempel an sich gehört wohl nicht zu den spektakulärsten seiner Art, muss sich aber mit seinen Schnitzereien, Intarsien und Bildern auch nicht verstecken.
Allerdings fühlte ich mich bei diesem Teil der Führung nicht wirklich wohl. Ich bin zwar überzeugter Atheist, versuche aber trotzdem, den Glauben anderer zu respektieren. Ich versuche deshalb, mich in für andere heiligen Stätten möglichst dezent zu verhalten um die Gläubigen nicht zu stören. Auch Fotografieren (vor allem mit Blitzlicht) halte ich für äußerst unangemessen. Inmitten einer kameraschwenkenden Reisegruppe hinter einem laut erzählenden Guide durch betenden Buddhisten zu trampeln, erfüllt diese Kriterien nicht so ganz.
Dann ging es zum Essen ins Hotel. Der Rest der Gruppe setzte sein Gelage an der Bar fort, wir gingen schlafen.
Am nächsten Morgen ging es ziemlich früh los ins Hochland. Wir waren schnell überwältigt von der Landschaft und der Vegetation. Herrliche Aussicht in den bewaldeten Bergen. Dann geht es mit den Plantagen los und man fährt durch schier endlose Teefelder. Eine der Teefabriken fuhren wir dann auch zwecks Besichtigung an. Nachdem wir den kompletten Fertigungsprozeß angesehen hatten, gab es eine Teeprobe und natürlich auch Verkauf. Hier haben wir uns dann aber zurückgehalten. Der Tee war zwar gut, aber ich ziehe Darjeeling jederzeit auch gutem Ceylon-Tee vor.
Weiter durchs Hochland, das hier auch Little England genannt wird (nicht nur wegen des Tees). Viele Häuser hier sind im englischen Stil erbaut. Besonders deutlich wird das in Nuwara Elya, einer alten Plantagenstadt. Die Stadt ist DAS Ferienziel für die Srilanker, die sich Urlaub leisten können. Die Reichen fliegen auch schon mal mit dem Hubschrauber für einen Nachmittag zum Golfen her. Interessant auch das Klima. Die Temperaturen liegen bei 11°-17° C, für die Srilanker schon reichlich kalt. Während wir mit kurzem Hemd hier recht sommerlich unterwegs waren, trugen die meisten Einheimischen Pullover, Mützen und Jacken.
Unser letzter Besichtigungspunkt war ein 110 Jahre altes Hotel im englischen Kolonialstil. Ganz nett, aber für meinen Geschmack zu sehr wie Thomas Mann, muffig, düster und depressiv.
Schließlich ging es dann mehrere Stunden über gewohnt lausige Straßen zurück zum Hotel. Alles in allem ein sehr sehr lohnender Trip, mit viel mehr Eindrücken, als ich hier beschreiben könnte.

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