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Skeptizismus, Whisky und Politik

11. Whiskytasting von Munich-Spirits

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Beim letzten Mal konnten wir nicht dabei sein, aber diesmal wollten wir uns das Tasting nicht entgehen lassen. Auf dem Programm standen mal nicht richtig ausgefallene Tropfen, sondern bezahlbare Whiskies mit dem Schwerpunkt auf Sherry und ein wenig Rauch. Passend zur Weihnachtszeit eben.Da das Arc Pub inzwischen leider geschlossen hat, finden die Tastings inzwischen im Bistro A Tavola in der Machtlfingerstrasse statt. Das ist zwar nicht ganz so kultig, aber die recht nah beieinander stehenden Bistrotische erleichtern die Kommunikation und bieten so einen recht angenehmen Abend. Rein vom Essen her ist ein Italiener ja eh nicht verkehrt.

Nun aber zu den Whiskies

0. Bowmore Tempest, 10 y.o., First Fill Bourbon Fass, Originalabfüllung, 55.3%

Der erste Whisky läuft außer Konkurrenz und gehört noch gar nicht zum Line-Up. Ein Vertreter von Schlumberger hat heute mal vorbeigeschaut und uns diese neue Abfüllung mitgebracht. Während er Whisky und Hintergründe vorstellt, dürfen wir uns mit dem Bowmore mal warm trinken. Und dafür ist er genau richtig. Typischer Bowmore-Rauch, durch die Fassstärke auch recht kräftig. Der Whisky hat 10 Jahre im First Fill Bourbon Fass verbracht und dadurch eine leicht süßliche Vanille-Note bekommen, die ihm ganz gut zu Gesicht steht. Kein Überflieger, aber durchaus ein schöner Standard-Whisky für den Winter.

1. Isle of Arran, 1998 – 2009, Sherryfass, Originalabfüllung, 51.3%

Die eigentliche Eröffnung ist ein Arran und der hat es jetzt ein wenig leichter, weil er eben nicht mehr der erste sein muss. Trotzdem schreckt der Geruch erst mal ab, denn sobald der erste am Tisch die Assoziation „riecht wie eine Tube Uhu“ bringt, haben wir das alle in der Nase. Allerdings ist der Geschmack sehr anders und auch etwas ungewöhnlich, denn hier kommt als erstes eine schwere Sherry-Süße, die sich dann langsam im Rachen zu einer Schärfe wandelt. Normalerweise ist das umgekehrt, aber der hier geht vom Likörigen zum Alkohol. Nicht uninteressant, aber so richtig überzeugt er mich nicht.

2. Bunnahabhain, 16 Jahre, Manzanilla Sherry Finish, Originalabfüllung, 53.2%

Auch wenn Bunnahabhain ein Schattendasein auf Islay führt, schätze ich die ungetorften Whiskies dieser Distillery ungemein. Das Schlagwort ist hier für mich Eleganz und mit der glänzen sie für mich alle. Da macht dieser hier keine Ausnahme. Wunderbar runde und vielschichtige Geschmacksentwicklung, ohne Brüche und Kanten. Das beginnt oben im Mund und wandert langsam bis nach hinten in den Rachen, wo eine schöne, schmelzige Sherrysüße bleibt. Richtig geiler Tropfen. Leider jenseits der 100 €, was mir dann trotzdem etwas zu viel ist.

3. Glenglassaugh, 25 Jahre, Sherryfass, Malts of Scotland, 54.7%

Die dunkle Farbe des ungefärbten und unfiltrierten Glenglassaugh gibt schon deutliche Hinweise auf das Sherryfass. Der Geruch erinnert allerdings eher an Rum und lässt schon einiges an Schwere vermuten. So ist dann auch der erste Geschmackseindruck ziemlich wuchtig. Auf eine kurze Schärfe folgt ein langer Abgang mit viel Tiefe und schwerer Süße. Statt der wohlausgewogenen Eleganz des Bunna lässt der hier die Muskeln spielen. Die gerade herumgereichten selbstgemachten Lebkuchen passen da perfekt dazu. Schöner Whisky für die Weihnachtszeit, da kann man nicht meckern.

Hier folgt nun eine kleine Essenspause mit Antipasti, Salami, Schinken und Brot. Da es mir zum Abendessen nicht mehr gereicht hat und ich auch den Alkohol schon kräftig spüre, nehme ich mir zwei Teller und versuche so, das Fundament auszubessern.

4. Springnavulin, 6 ½ Jahre, Uncollectable Collection, 57%

Der erste Whisky nach dem Essen ist eine Besonderheit. Der Whisky-Kanzler (kein Unbekannter in der deutschen Whisky-Szene) ist unter anderem bekannt dafür, Whiskies kreativ nachzulagern. So auch dieser hier, ein Lagavulin, der im Springbank-Fass gereift ist. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht an der üblichen Erster-Whisky-nach-dem-Essen-Problematik, vielleicht am Sprinbank-Fass (bekanntermaßen die einzige schottische Distillery, mit der ich geschmacklich so meine Probleme habe), aber dieser Jungspund kann mich nicht so recht überzeugen. Auch wenn ich ausgewiesener Laga-Fan bin, hier ist mir zu viel Salz vom Springbank drin und ansonsten auch zu viel Sprittiges. Kurzes alkoholisches Aufbäumen, dem leider nur wenig des typischen Lagavulin-Geschmacks folgt. Mit ein paar Tropfen Wasser wird er sogar noch schärfer, aber auch nicht spannender. Für mich die Enttäuschung des Abends.

5. Ardbeg Corryvreckan, Originalabfüllung, 57.1%

Den kenne ich schon, denn als Mitglied des Arbeg Committee haben wir uns den schon in den Schrank gestellt. Dem ganzen Gemecker im Internet zum Trotz kann Ardbeg nämlich nicht nur Marketing, sondern auch nach wie vor richtig gute Whiskies rausbringen. Auch wenn er nicht ganz an den Uigeadail heranreicht, falsch macht man mit dem Corryvreckan wenig. Kräftiger Auftritt mit viel Rauch und Power, langer Abgang, bei dem auch der Schinken und der Torf dominant bleiben, aber eben doch noch Raum für andere Noten lassen. Spätestens jetzt ist einem so richtig warm geworden.

6. Glendronach, 16 Jahre, Whisky Tales, 61.5%

Zum Abschluss gibt es nochmal eine richtige Sherry-Bombe. Dunkle Farbe, viel Süße im Geruch. Aber der Geschmack verblüfft. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber der hat bei aller Kraft eine gewisse Luftigkeit, die allen anderen heute Abend abgeht. Er schmeckt „oben“ im Rachen, nicht „unten“. Eher Strohfeuer als Schwelbrand. Aber trotzdem ist das keine kurze Verpuffung, sondern ein komplexer Sherry-Malt mit einer recht ausgewogenen Mischung aus Schärfe und Süße. Gefällt mir gut.

7. Laphroaig 12 y.o.

Und ganz vorbei ist es auch noch nicht, denn Tommy hat Geburtstag und lässt zu diesem Anlass eine Flasche Laphroaig von einem unabhängigen Abfüller springen. Und der kann mal richtig was. Ich find die Laphies ja generell gut, aber der hier überzeugt uns alle mal richtig. Typischer Geschmack, aber für sein Alter schon erstaunlich rund und stimmig. Sehr sehr geil!

Danach noch ein bisschen gemütliches Beisammensein und Quatschen, die Runde ist einmal mehr sehr sehr angenehm.

So soll ein Tasting sein und da macht auch dieses keine Ausnahme. Jedenfalls ist das nächste quasi schon gebucht …

Danke an die Jungs von Munich Spirits!

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