The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Whisky & Bar Festival München 2009

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Ist schon wieder ein Jahr her? Nicht ganz, das letzte Festival war im März und da war es schon deutlich wärmer als an diesem Sonntag. Wir warten draußen auf einen Freund und trotz der Sonne bläst uns der Wind empfindlich um die Ohren. Gut, dass es bald was zum Aufwärmen gibt.

Dieses Jahr ist etwas mehr los aber die Hallen sind immer noch ein gutes Stück von überfüllt entfernt, was natürlich sehr angenehm ist. Meist bleibt es bei einem kurzem Anstehen an den Ständen der Aussteller und es findet sich eigentlich immer die Zeit für Fachsimpelei und Schwätzchen. Ansonsten hat sich zum letzten Mal nur wenig geändert. Der Bereich mit den anderen Spirituosen wie Grappa, Rum, Tequila oder Obstbrand wurde ein wenig erweitert, aber hauptsächlich geht es natürlich um Whisky. Im Gegensatz zur Interwhisky, bei der sich in 2 Wochen die großen Firmen und Importeure im Hotel Kempinsky präsentieren, bleibt der Schwerpunkt des Whisky Festivals bei den kleinen unabhängigen Anbietern und ist damit für uns auch deutlich interessanter, da man die Standards ja inzwischen zur Genüge kennt. Das hat natürlich andererseits auch wieder den Nachteil, dass der Spaß auch immer teurer wird. Man sucht eben eher die Raritäten, aber die haben trotz meist sehr günstiger Messekonditionen nun doch ihren Preis. Aber den waren sie dann meist auch wert, von dem her will ich mich nicht beklagen.

Auch in Punkto Atmosphäre dürfte das Whisky Festival die Interwhisky wieder locker schlagen. Uns war es im Sheraton schon zu steif, das dürfte im Kempinsky Vier Jahreszeiten nicht anders werden. Dann doch lieber ein lockeres Zusammensein mit deftigem Essen draußen im Zelt und vielen spannenden kleinen Ständen statt Lachshäppchen im Prunksaal und aufwändig präsentierter Standards. Eigentlich würde ich es ja begrüßen, wenn die beiden Veranstaltungen wieder wie früher unter einem Namen zusammen stattfinden würden. Aber wenn ich mich entscheiden muss, dann fällt meine Wahl ganz klar auf das Festival.

Nun aber zum Flüssigen.

Diesmal gibt es 2 Gutscheine mit der Eintrittskarte. Früher konnte man dafür verschiedene Sachen holen oder diese auch auf ausgefallenere Sachen „upgraden“. Das geht inzwischen leider nicht mehr und man ist an feste Getränke gebunden. Das eine davon ist ein Talisker 12y, den es an einem speziell dafür aufgebauten Stand der Classic Malts Of Scottland gibt. Das Talisker ist schon einer der besseren Standards und einen einfach Whisky um die Geschmacksknospen anlaufen zu lassen ist ja auch nicht verkehrt. Also schlendern wir erst mal durch die Räume, verschaffen uns einen Überblick und trinken dazu unseren Talisker.

Der erste Stand, an dem wir hängenbleiben, ist der mit den Whiskyraritäten von Lothar Langer. Hier haben wir letztes Mal schon einige wirklich ausgefallene Tropfen gefunden und auch diesmal geht es gleich in die vollen. Nach kurzer Vorstellung seines Sortiments entscheide ich mich für einen Macallan 18y von 1967. Ich will endlich wissen, ob die alten Macallans dem Ruf gerecht werden, den der Name hat. Die aktuellen fand ich bislang alle sehr enttäuschend. Dieser hier kann aber wirklich was. Weicher Geschmack, der sich lang im Mundraum entwickelt (aber nicht im Rachen) und bei dem zum Schluss deutliche Sherrynoten hervortreten, ohne allerdings so süß zu schmecken, wie das die meisten in Sherryfässern gelagerten Whiskies tun. Sehr guter Tropfen.

Petra nimmt einen Port Ellen 20y „Missing“, der mit einem „den müssen sie lutschen“ angepriesen wird. Der ist auch wirklich unheimlich schmelzig und malzig. Quasi ein Single Malt Bonbon. Dazu kommen deutliche Einschläge von Jod, aber nur wenig Torf. Lecker.

Nach so einem edlen Einstieg brauche ich erst mal Kontrasprogramm. Der zweite Gutschein ist nicht für Whisky, sondern für die Obstbrände der Firma Gansloser, die zum ersten Mal auf der Messe vertreten ist. Das Team berät sehr engagiert über sein Sortiment, das in wunderschönen Flaschen angeboten wird – das macht schon mal einen sehr guten Eindruck. Ich entscheide mich für einen Walnussgeist, von dem ich im Vorfeld schon Gutes gelesen hatte. Als erstes fällt der intensive Geruch auf (den wir später auch noch bei anderen Bränden von Gansloser bemerken). Der Geruch ist aber nicht nur intensiv, sondern auch sehr angenehm und natürlich. Ebenso angenehm ist der Geschmack. Der Alkohol steht sehr im Hintergrund und lässt Raum für den Nussgeschmack. Sehr schön. Später probieren wir noch den Waldhimbeergeist und der kann ähnlich viel. Ich denke, da werden wir wohl mal einkaufen müssen.

Danach schauen wir zum Stand von Munich Spirits, an dem Pit mal wieder eine umfangreiche Auswahl an ausgefallenen und besonderen Whiskies aufgestellt hat. Eigentlich könnte man alleine hier schon den ganzen Tag verbringen. Dem Port Ellen will er gleich einen eigenen dagegen stellen und schenkt Petra einen Port Ellen DL OMC, 1982-2001, 18y, Sherry Cask, 777 Fl., 50% ein. Auch das ist ein ausgezeichneter Tropfen, allerdings nicht ganz so eigen wie der von Langer. Damit muss er sich knapp geschlagen geben, allerdings auf verdammt hohem Niveau.

Bei mir ist es ein Linkwood-Glenlivet, Cadenhead (old green version), 1979-94, Sherry Cask, 58,4%. Ich bin ja generell Fan von Glenlivet, aber dieser hier ist wirklich was besonderes. Ein wenig mehr Wucht und mehr Feuer als der Macallan gerade eben, dabei wunderbar komplex und auch etwas schwerer. Trifft ziemlich genau meinen Geschmack.

Wir bleiben weiter am Stand und debattieren mit Pit über verschiedene Sorten. Pit geht in die Vollen und wir reden über die richtig guten Tropfen. Davor machen wir aber noch eine kurze Pause und setzen am Imbisstand unsere Geschmacksknospen mit Apfelschorle und Wasser zurück.

Dann geht es los. Petra bekommt als nächstes einen Bowmore OB ‚1968 Destillation‘, 32y, 45,5%. Sehr ausgefallen. Schon der Geruch wird von Maracuja dominiert und auch der Geschmack ist Frucht pur. Meins ist das jetzt nicht unbedingt, aber Petra kann man damit gut fangen.

Bevor ich mich hingegen dem Überflieger am Stand widme, serviert mir Pit noch einen Tipp mit den Worten „Wenn dir der nicht schmecken sollte, musst du ihn nicht bezahlen“. Das Problem ist nur, dass er mich zu gut kennt, weswegen ich hier nicht darum rumkomme, den Geldbeutel zu zücken. Es geht um einen Rosebank OB 20y for Zenith/Bonfanti, 57%. Eigentlich sind die Lowlander ja eher unspektakulär, aber der hier verblüfft auf Anhieb. Ordentlich Torf, dabei aber ziemlich weich, darüber Kräuternoten und ein laaaanger Abgang. Wow! Eine der Überraschungen des Tages und mit Sicherheit der beste Lowlander, den ich je getrunken habe.

Dann aber geht es in richtig in die Vollen. Ein Ardbeg OB ‚Provenance‘ 1974, 55,6% ist mir schon in der Liste aufgefallen, die Pit vorab verschickt hat. Laut Pit der beste Arbeg überhaupt und auch unter allen Whiskies, die er bislang getrunken hat, unter den Top Ten (und es waren insgesamt knapp 4000). Das setzt die Latte sehr hoch aber der Whisky hält, was Pit verspricht. Der Wahn! Ich kann gar nicht beschreiben, was da an Geruch und Geschmack alles passiert. Es wundert nicht, dass die Flasche an diesem Tag komplett leer wird, obwohl ein Glas davon beinahe so viel kostet wie von anderen Whiskies eine ganze Flasche (und das ist noch ein Freundschaftspreis für das Festival, der unter den vierstelligen Beträgen liegt, für die dieser Ardbeg inzwischen bei Ebay gehandelt wird…). Irre!

Jetzt kann erst mal nichts mehr kommen, also entschließen wir uns zu einer Essenspause. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich den immer noch am Gaumen klebenden Geschmack des Arbeg mit sowas profanem wie Essen vertreiben will, aber letztlich siegt dann doch der Hunger. Nach dem Eintopf rieche ich aber immer noch alle paar Minuten an meinem Glas, das noch nicht gespült ist …

Nach der Pause holt sich Petra den schon erwähnten Waldhimbeergeist von Gansloser und auch der macht gute Werbung für die Brennerei. Irre intensiver Geruch, auch wenn man nur neben demjenigen steht, der das Glas in der Hand hält. Auch wenn Himbeergeist nicht so ganz meins ist, muss ich auch hier beim Geschmack hohe Qualität bescheinigen. Die noch junge Brennerei sollte man auf alle Fälle im Auge behalten!

Ich trinke derweil einen Cragganmore, den ich leider nicht mehr genauer spezifizieren kann bei einem kleinen Abfüller. Gut und ähnlich krautig wie die normale Abfüllung, aber kein Überflieger.

Der nächste Stopp ist am Stand von Douglas Laing. Wo wir schon gerade dabei sind, probieren wir auch hier zwei Port Ellen aus der The Old Malt Cask Serie, beide 26 Jahre alt, einer von beiden aus dem Sherryfass (den nehme ich, den anderen Petra). Auch hier bestätigt sich unsere Erfahrung, dass aus dieser leider stillgelegten Destillerie nichts schlechtes gekommen ist. Beides tolle Whiskies, wobei mir die Sherryvariante etwas mehr zusagt, weil sie komplexer ist als die andere. Aber beide sind sehr trinkenswert und wir überlegen einige Zeit, ob wir hier eine Flasche mitnehmen sollen. Jedenfalls zieht der Vertreter alle Register um seine Flaschen an den Mann zu bringen. Aber letztlich siegt die Vernunft, die Bestände zu Hause sind deutlich höher als mein Kontostand und so belassen wir es beim Probetrinken. Außerdem bekomme ich nachher eh noch die schon von einiger Zeit bestellte Clubabfüllung von Munich Spirits, wir gehen also nicht mit leeren Händen heim.

Während Freunde von uns sich durch den Bruichladdich-Stand trinken, komme ich mit dem Vertreter von Glenfarclas nebenan ins Gespräch. Wir einigen uns auf den Quarter Cask 1988, den ich als bessere Version meines 15y hier im Regal beschreiben würde. Wie bei diesem steht auch hier der Sherry klar im Vordergrund, allerdings kommt mir der Quarter Cask runder und weicher vor. Das kleine Fass verstärkt eben doch den Reifeprozess spür-, will sagen, schmeckbar. Zahlen muss ich hier nichts, was den Eindruck nicht schlechter macht.

Zum Abschluss gehen wir nochmal an den Stand von Munich Spirits. Für die Schlussrunde wählt Petra diesmal einen Ardbeg OB Single Cask 1972 – 2004 Manager’s Choice 32y.o., Bourbon Hogshead 861, 45,3%. Ich hab ihn nicht probiert, aber ihrer Aussage nach ebenfalls ein sehr toller, komplexer alter Ardbeg, nicht ganz so rauchig wie die neuen, was dem Geschmack aber nur gut tut.

Bei mir versucht Pit, mich mit einem Springbank OB (cream label), 25 y.o. (from 1960ies), 75cl, 46% mit der Destillerie zu versöhnen, denn Springbank ist quasi der einzige Scotch, den ich nicht mag. Der hier kann auf alle Fälle was, aber trotzdem würde ich ihn im Zweifelsfall wohl nicht kaufen. Auch wenn der Geschmack hier sehr schön komplex und intensiv ist, irgendwas daran stört mich einfach. Vermutlich das Salz, dass immer im Hintergrund dabei ist.

Was Pit aber nicht gelingt, schafft Karl dagegen beinahe. Er hat sich ein Fass bei Springbank gekauft (das auch inzwischen leer neben dem Stand steht) und eine Flasche daraus dabei. Die ist extra für ihn mit seinem Namen etikettiert (mit einem B statt einem ß, weil es das zweite in England ja nicht gibt) und dieser Springbank schmeckt mir tatsächlich ziemlich gut. Die Abweichungen bei den einzelnen Fässern sind eben doch ziemlich hoch und wenn man ein Einzelfass bekommt (statt einer normalen Abfüllung, die ja quasi immer aus mehreren Fässern gemischt wird), dann kann man eben Überraschungen erleben.

Außerdem probieren wir noch einen Wallner Single Malt Likör am Nachbarstand und auch der weiß zu begeistern, obwohl ich eigentlich mit Likör nicht so viel anfangen kann. Aber dieser hier ist nicht nur interessant vom Geschmack (eine Mischung aus Whisky und Nüssen), sondern vor allem auch nicht so pappsüß wie Liköre sonst ganz gern mal. Durchaus lecker.

Damit ist es dann aber auch genug. Jetzt geht es zum Mexikaner und zu Burger und Fajitas gibt es jetzt nur noch Saftschorlen.

Alles in allem war das ein richtig guter Tag auf dem Festival mit vielen sehr sehr guten Tropfen und keinem richtigen Ausfall. Was will man mehr?

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