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Skeptizismus, Whisky und Politik

6. Whiskytasting von Munich Spirits, The Arc Pub München

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Nachdem wir beim letzten Mal leider nicht dabei sein konnten, war die Vorfreude diesmal noch ein klein wenig größer. Das Line Up war (wie immer) vielversprechend, die Location wieder mal der Arc Pub in der Schraudolphstraße in Schwabing, alles wie gewohnt also. Allerdings auch von der Teilnehmerzahl – was für uns zwar angenehm war, da überschaubar, für Pit und seine Kollegen von Munich Spirits aber natürlich weniger günstig, da auch dieses Tasting wieder nicht kostendeckend war. Zwar tummelt sich bei den Messen in München immer reichlich Volk (auch gerade am Stand von Munich Spirits), aber die Tastings bleiben spärlich besucht. Was meine Theorie, dass es sich in München unabhängig von der Veranstaltung eben immer hauptsächlich um eher oberflächliches Eventpublikum handelt, wieder mal bestätigt. Die Stadt ist und bleibt einfach mehr Schein als sein.Das einzige Manko des Abends liegt wie schon beim letzten Mal an der ziemlich langsamen Essensversorgung. Eigentlich war der Plan, wirklich rechtzeitig da zu sein, damit Burger und Whisky schön voneinander getrennt bleiben. Aber es hilft nichts, denn obwohl wir schon eine Stunde vor Beginn des Tastings da sind, warten wir diesmal knapp 1 1/2 Stunden auf die kulinarische Grundlage. Da ich seit dem Frühstück nichts gegessen habe, überlege ich schon, den Tisch anzuknabbern. Aber wenigstens verzögert sich nicht nur unser Essen, so dass das ganze Tasting nach hinten verlagert wird. Somit sind wir also zumindest fertig, als es an die erste Runde geht. Und die Burger waren wie immer super.

Davor bringt Besitzer Keith noch eine kleine Überraschung. Er hat eine der aktuell ziemlich hoch gehandelten Flaschen Ardbeg Blasda da und lässt uns probieren. Der Blasda ist ein schwach getorfter Ardbeg, der eben dadurch die fruchtigen Noten der Destillerie hervorbringen soll, aber letztlich doch eher enttäuscht. Keith bringt es perfekt auf den Punkt: „He’s trying to be both worlds but in the end he’s none of them.“ Schon in Ordnung, aber aus meiner Sicht keinesfalls sein Geld wert.

Nun aber zum eigentlichen Tasting, dessen Teilnehmer alle deutlich mehr können als der Blasda:

1. Clan Campbell Blended Scotch Whisky, 42 gradi, 75cl

Zur Eröffnung gibt es einen sehr alten Blend, dessen genaues Abfülldatum unbekannt ist, aber schon einige Jahrzehnte zurückliegen dürfte. Tatsächlich überraschend, denn er erinnert eher an einen Single Malt als an einen der modernen Blends. Zwar nicht hochklassig, aber schon deutlich weniger geradlinig und mit mehr eigenem Charakter. Der Geruch sagt mir nicht so zu. Bittermandel steht im Vordergrund, insgesamt wirkt er relativ penetrant und erinnert mich sehr stark an den Loch Lomond, den ich irgendwann mal aus dem Supermarkt mitgenommen habe und der nun sein Dasein in der Küche als Backwhisky fristet. Geschmacklich kann er auf alle Fälle mehr. Speyside-Whiskies machen deutlich den höchsten Anteil aus, wobei ich auch deutliche Vanille- und Bourbon-Anleihen zu schmecken glaube. Nicht übel, aber aufgrund des Geruchs werden wir wohl keine richtig guten Freunde werden.
Wir vergeben heute Abend mal Punkte im Bereich von 0-100 und da ordne ich ihn bei 65 ein.

2. Glen Garioch OB 10 y.o. (old version), Soffiantino Imp., 75cl, 43%

Ein zehnjähriger Single Malt aus den 70ern und gleich mal die erste große Überraschung, weil sehr eigenständig und auch mit überraschend viel Tiefe und Charakter ausgestattet, wenn man sein recht geringes Reifungsalter bedenkt. Die dunkle Farbe verspricht Sherryfass, dazu gibt es einen für einen Highlander recht ungewöhnlichen Torfanteil. Schon der Geruch verspricht einiges, sehr tief und kräftig, Beeren, vielleicht Leder und hinter allem eine leicht säuerliche Note, wie von gutem, reifen Balsamico. Was der Geruch schon ahnen lässt, bestätigt dann auch der Geschmack. Erstaunlich langanhaltend und wärmend, mit angenehm bitteren Noten, regt er die Speichelproduktion an und verbleibt vor allem unter der Zunge und im Rachen. Da sind etliche Noten drin, die ich nicht richtig zuordnen kann. Der Torf kommt heraus ohne aber alles zuzudecken. Letzten Endes ist das mein Favorit des Abends. Ich gebe 85 Punkt, würde aber im Nachhinein locker nochmal 6 oder 7 Punkte draufschlagen.

3. Rosebank Douglas Laing OMC, 21.y.o., April 1978 -. February 2000, 336 bottles, 50%

Der erste Whisky in Fassstärke an diesem Abend. Der Geruch ist wunderbar rund, mit einer leichten Würze und ein paar Kräuternoten, die mich an den jungen Cragganmore erinnern. Der Geschmack kommt sehr direkt, vor allem im Vergleich zum Vorgänger, der eher langsam den Rachen runtergerollt ist. Hier hat man den Geschmack sofort an der Zungenspitze. Wie auch im Geruch stehen Kräuternoten im Vordergrund, danach wird er leicht bitter (was aber sehr angenehm ist). Mich erinnert auch irgendwas an Zartbitterschokolade mit Orange, was von den anderen am Tisch aber nicht bestätigt wird. Generell sind da noch einige Nuancen drin, die ich nicht zuordnen kann.
80 Punkte von mir, weil er gegenüber dem Ben Garioch mit seiner direkten Art etwas abfällt, aber auch hier muss ich mindestens 5 Punkte nach oben korrigieren.

4. Laphroaig OA 12 y.o. Jug (distilled in 1970ies) Bonfanti Import, 43%, 75cl

Auf diesen Laphroaig bin ich sehr gespannt, werde dann aber auch sehr enttäuscht. Klar, die alten Laphies sind keine Torfmonster, das kam erst später. Müssen sie ja auch nicht sein, aber statt des Torfs sind nicht die anderen Charakteristika der Destillerie stärker zu finden, sondern genauso im Hintergrund wie bei den heutigen. Der Geruch ist schon relativ unspezifisch und erinnert mich daran, wenn man die Nase in eine Packung Tropifrutti hält. Künstliche Frucht angetrocknete Gummimasse. Im Geschmack kommt eigentlich nur Alkohol raus, obwohl er ja doch eher wenig Prozente hat (durch den Tonkrug dürften von den ursprünglichen 43% auch noch ein paar verloren gegangen sein). Stefan erwähnt beim Geschmack nassen Stein und das kann ich auch nachvollziehen. Schmeckt insgesamt nach wenig und das wenige überzeugt mich nicht.
Vermutlich mein Fehler, denn (der schockierte) Pit meint nach meiner 75 Punkte Wertung, dass dieser Whisky mit großen Schlucken getrunken werden muss, um seine Wirkung zu entfalten. Hab ich nicht und vielleicht lag es daran.

5. Bowmore Signatory Vintage, 23 y.o., 25.3.1974 – 12.9.1997, Cask 2104, V.E.L.I.E.R. Imp., 285 btl., 49%

Wir bleiben auf Islay und dieser alte Bowmore entschädigt mich dann auch gleich wieder für die Laphroaig-Enttäuschung. Zwar komme ich nicht auf die Waldboden-Assoziation von Pit, aber dafür finde ich im Geruch schöne Fruchtnoten mit Erdbeeren (die ich erst für Bananen halte), leichten Bourbon-Anklängen, Leder und einer unaufdringlichen, eleganten Süße dahinter. Lecker. Auch geschmacklich gibt es viele Beeren, dazu natürlich Rauch und torfige Würze. Dieser Malt hat Klasse, gar keine Frage. Klare 87 Punkte.

Zeit für eine Pause und was zu Essen. Eigentlich hab ich gar keinen Hunger, ich hatte ja vorhin erst einen großen Burger. Aber dafür Appetit und so lange ich bei den kalten Platten kräftiger zu als mir eigentlich gut tun würde und werde mit einem übervollen Magen belohnt. Gut, dass es gleich wieder Whisky gibt, der der Verdauung einen freundlichen Tritt verpasst.

Über den Beamer, über den uns Käfer bislang zu jedem Whisky mit einigen interessanten Infos über Destillierien und vor allem über Fässer versorgt hat, läuft inzwischen der Sportkanal, da das Notebook sich zum Verdauungsschläfchen niedergelegt hat. Dass sich dort Thaiboxer gegenseitig die Fresse verwemsen (Blut inbegriffen) macht meinen Magen nicht besser und ich bin ziemlich froh, als Keith diesen Quatsch wieder von der Leinwand verschwinden lässt.
Und damit geht es dann auch weiter im Programm:

6. Glenesk Duncan Taylor, 26 y.o., 02.1981 – 12.2007, 240 btl., 56,9%, Sherry Cask B933 for Germany

Der erste Whisky nach dem Essen hat es immer sehr sehr schwer. Um so überraschender, dass der Glenesk sich hier trotzdem behaupten kann. Und wie. Massiver, überwältigender Geruch schiesst einem aus dem Glas in die Nase, mit ein wenig Wasser kommen deutliche Ledernoten dazu. Der Geschmack ist ebenfalls sehr kräftig, hinter dem Alkohol rollt eine schwere, malzige Süße durch den Mund. Mit Wasser hat man die Assoziation von brennendem Holz (wie auch immer das schmecken mag), die die Sherrynoten in den Hintergrund schiebt. Ungewöhnlich.
Wuchtig, sehr eigen, aber auch sehr gut. 90 Punkte von mir, wobei ich den gern nochmal ohne Essen davon probieren würde.

7. Caol Ila Douglas Laing OMC, 19 y.o., February 1981 – June 2000, Sherry Cask matured, 793 btl., 50%

Caol Ila finde ich immer spannend, denn aus meiner Sicht gibt es bei keiner anderen Destillerie eine so große Bandbreite wie hier. Von völlig unerträglich bis absolut großartig hatte ich schon alles, genau wie von fieser Torfgranate bis hin zu sanfter Fruchtigkeit. Die Gemeinsamkeiten liegen eher in den Zitrusnoten, die sich auch hier finden lassen und die den Unterschied zum Vorgänger riesig machen. War der Glenesk richtig schwer und fett, so kommt dieser Caol Ila richtig spritzig und frisch, trotz Sherryfass. In der Nase sammeln sich neben den scharfen Zitrusnoten vor allem Wacholderbeeren (was wir auch im direkten Vergleich nachvollziehen können, denn Käfer hat seinen selbstangelegten Aromakoffer dabei, unter dessen gefüllten Einmachgläsern sich auch eins mit Wacholderbeeren befindet). Im Geschmack ist das noch stärker wiederzufinden. Das geht fast schon in Richtung Gin, nur kommt hier eben noch der Torf mit dazu. Das hat einiges an Feuer und ist ziemlich erfrischend. Mit allem Kontrast knapp hinter dem Vorgänger, 88 Punkte.

8. Bruichladdich OB, X4+1: Deliverance, quadruple-distilled on 25.03.2007, Bourbon Cask 069, 800 btl., 50cl, 65,4 %

Zum Schluss folgt ein Experiment. Jim McEwan hat sich hier mal wieder ausgetobt und etwas wiederholt, was vor 300 Jahren schon kräftig in die Hose ging: Einen vierfach destillierten Whisky, der damals mit seinen 92% tatsächlich Leute unter die Erde gebracht hat. Dieser hier ist freundlicherweise auf immer noch stolze 65 % runterverdünnt und aufgrund seines Alters auch eigentlich noch gar kein Whisky, sondern eben nur Spirit. Wir erwarten eine Spinnerei McEwans, die kaum trinkbar sein dürfte – und werden einmal mehr von ihm überrascht. Dieser Laddie ist nämlich durchaus trinkbar, und zwar auch ohne weiteres Wasser. Zwar schmeckt er nicht nach Whisky (was bei dem Alter auch nicht zu erwarten war), aber dafür wie ein Obstbrand. Und zwar ein sehr sehr guter Obstbrand. Vor allem mit etwas Wasser gibt es ganz intensive Marille, Aprikose und reife Birne und wir fragen uns unweigerlich, wie man das in einen Whisky bekommt. Wieder einmal erstaunliches aus der kleinen Destillerie auf Islay. Ich bin extrem gespannt, wie der mal schmecken wird, er seine Zeit im Fass abgesessen hat.
Eine Punktewertung macht hier natürlich keinen Sinn.

Das war es dann schon wieder. Durch die Verzögerung im Ablauf bleibt uns leider keine Zeit mehr für das gemütliche Beisammensein, denn unser Zug wartet nicht auf uns. Sehr schade, denn es hätte schon noch einiges zu bequatschen gegeben. Dann eben auf dem Whisky- und Barfestival Ende Januar.

Hoffen wir vor allem auch, dass sich dabei noch ein paar Leute finden werden, die solche Veranstaltungen besuchen. Es war einmal mehr ein sehr spannender und unterhaltsamer Abend. Wäre schade, wenn das aus Mangel an Interesse irgendwann eingestellt werden müsste.

Danke an Pit, Käfer und alle anderen Beteiligten!

Ein Kommentar

  1. hammer, was da abgeht, vor allem das mit dem Whisky, ist ja nicht gerade ungefährlich

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