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Skeptizismus, Whisky und Politik

32. Whiskytasting von Munich Spirits – Best of the Best – Messe-Nachlese 2013

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Bereits vor zwei Wochen war das übliche Nachlese-Tasting zur Finest Spirits in München. Da ich diesmal bereits auf der Messe einige Tipps Empfehlungen mit den Mädels und Jungs von Munich Spirits ausgetauscht hatte, war mir die Hälfte dieses Line Ups bereits bekannt. Aber es schadet ja nichts, die Whiskys nochmal mit frischen Geschmacksnerven zu verkosten. Dass die bereits bekannten auch alle sehr gut waren, machte die Sache dann auch nicht weniger attraktiv.

tullibardineAls Eröffnung gab es einen recht ausgefallenen Whisky, den ich auf der Messe eher spät getrunken hatte. Ein Tullibardine 1993 – Februar 2013, 19 y, Chateau Lafitte cask, 48,3%, Cadenheads Wine Cask Series, 210 bottles. Der wurde nicht nur im Rotweinfass nachgelagert, sondern hat seine gesamte Reifezeit darin verbracht, was ihm nicht nur eine deutlich rotbraune und eher an Cognac erinnernde Farbe verpasst hat, sondern auch einen sehr eigenen Geschmack. Erbeerbowle ist die erste Assoziation, aber auch deutliche Weinnoten. Mir verschlossenen Augen hätte ich vom Geruch her wohl auf Portwein getippt, aber nicht auf Whisky. Auch beim Geschmack ist die Erdbeere deutlich, erst herb, dann mit Holznoten und eben schwerer, massiver Frucht, die schließlich in eine cremige Süße übergeht. Mit Wasser kommt der Wein recht deutlich raus. Insgesamt schon ein ziemlich toller und vor allem eigenständiger Whisky. Aber eben auch kein Tropfen für jeden Tag, auf den muss man schon Lust haben. Aus dem Grund werd ich den wohl auch eher nicht anschaffen, der ist mir letztlich doch zu speziell.

glenburgieDen Stargast des Abends hatten wir bereits auf der Messe kennen und schätzen gelernt. Lorenz Schreier von den Tasting Fellows, einer unserer klaren Gewinner der Finest Spirits. Für den heutigen Abend hatte er zwei seiner Abfüllungen dabei (von denen ich die eine bereits probiert hatte und die andere obendrein auch gekauft), die wir beide verkosten konnten. Die erste war einer der beiden Fettercairn-Zwillinge, die er direkt vor der Messe aus zwei verschiedenen Fässern abgefüllt hat: Fettercairn 3350, 15 y, 58,6%, 04.06.97 – Februar 2013, bourbon hogshead, 277 Flaschen. Meine Vorliebe für fruchtige Whiskys aus dem Bourbonfass hab ich ja schon öfter erwähnt und da alle Abfüllungen von Schreier in diese Richtung gehen, wird es nicht wundern, dass ich sie alle toll finde. Bei diesem hier kommt die Begeisterung vor allem aus der Nase. Man hat den Eindruck, in die Obstabteilung eines Supermarkts zu laufen. Viel grüne Früchte, dahinter eine Spur Klebstoff. Die Fruchtigkeit erinnert etwas an den Organic von Bruichladdich. Auch im Mund dominiert die Frucht, der Alkohol tritt deutlich hervor, alles ist sehr rein, klar und frisch. Der Abgang ist mittellang und wärmend.
Nummer zwei ist das Highlight aus seinem Sortiment, ein Glenburgie, 28. Mai 1992 – 27. Juli 2012, 20 y, 55,6%, bourbon barrel 4894, 179 Flaschen. Auch hier gibt es satt Frucht in Nase und am Gaumen, aber voller und reifer. Apfel steht im Vordergrund, Marmelade ist auch mit drin. Der Geschmack ist voll und ausgewogen, mit ganz feinen Holznoten und einem Hauch von Gewürzen. Topwhisky, den man zu dem Preis einfach haben muss!

stmagdaleneDer letzte vor der Pause ist nochmal von Cadenheads: St. Magdalene (Linlithgow, closed 1983), Distilled 1982, bottled October 2012, 30 y, 55,4%, 192 bottles fom a butt. Die erste Assoziation ist Lösungsmittel oder Leim, aber das ist schnell verflogen. Dann erinnert der Geruch an frisch aufgebrochenes Brot und Gräser. Insgesamt sehr mild, auch im Geschmack. Florale Noten dominieren, auch hier erinnert er etwas an Brot. Der Abgang ist lang, aber eher geradlinig und mit wenig Entwicklung. Bei den meisten kommt der sehr gut an, mich überzeugt er nicht ganz so. Der ist mir dann insgesamt doch etwas zu zurückhaltend.

An dieser Stelle gibt es die übliche Pause, in der man den Magen an den Platten voller Antipasti stärken kann, was wir auch reichlich tun.

bowmoreNach der Pause geht es kräftig weiter, mit einem Whisky, den ich auf der Finest Spirits schon probiert und dann auf der Whisky ’n More gekauft habe: Bowmore 1995, The Cooper’s Choice, bottled 2013, 17 y, hogshead, 46%. In München hatte ich mit Andy McNeill darüber gefachsimpelt, dass dieser Bowmore sehr interessant ist, da er zwar reichlich Torf, aber keinen Rauch hat. Beides kommt nicht gezwungenermaßen in Kombination und das wird hier sehr deutlich. Auch finden sich keine Beeren- oder Veilchennoten, die man bei den Bowmores gern mal hat, sondern auch wieder deutliche Frucht. In Kombination mit dem Torf finde ich das verdammt gut, auch wenn sich nicht alle im Raum dafür erwärmen können. Apropos erwärmen, das hier ist für mich der perfekte „Schietwetterwhisky“. Nach einem Strandspaziergang im Novemberregen bringt der alle Lebensgeister zurück. Ich werd ihn aber auch ohne Strand trinken.

kilchomanDer nächste Whisky ist eine Überraschung und zwar in mehrfacher Hinsicht: Kilchoman, 08.11.2007 – 12.10.2012, single sherry cask, 59,3%, belgische Abfüllung für The Nectar. Ich mag Kilchoman und ich vertraue normalerweise sowohl Munich Spirits wie auch den Leuten von Villa Konthor, von denen diese Flasche kommt. Aber dieser Whisky geht bei mir überhaupt nicht. Das ist einer der wenigen Momente, in denen ich einen Single Malt nicht nur nicht besonders gut, sondern tatsächlich als unangenehm empfinde. In der Nase gibt es diesmal Rauch und Sherry, die sich aber nicht vertragen, sondern eher um die Vorherrschaft im Glas streiten. Dahinter liegt eine stechende, durchdringende Note. Mit etwas Wasser wird diese deutlicher und erinnert an Zucker, der beim Karamellisieren anbrennt. Der Geschmack ist wuchtig, ziemlich bitter und mit Kaffeenoten. Die Süße des Sherry kommt erst sehr spät durch. Die Verbindung mit dem Rauch ergibt einen sehr eigenwilligen Geschmack, der für mich wie gesagt gar nicht funktioniert. Möchte ich nicht nochmal trinken.

glenlossieDer Versöhnung kommt dann aber umgehend mit dem letzten Whisky: Glenlossie, 04. Oktober 1984 – 24. Februar 2010, 25 y, sherry cask, 60%, Scotch Single Malt Circle (Maggie Miller), 563 bottles. Um einen der Abfüllungen des Scotch Single Malt Circles zu bekommen, muss man leider Mitglied sein, was ich nicht bin. So wird es wohl beim Probieren bleiben, aber das lohnt auf alle Fälle. Dieser Whisky muss mit mehr als den üblichen 63,5% ins Fass gegangen sein, damit er nach 25 Jahren noch auf 60% kommt. Die tun ihm aber sehr gut und treten überhaupt nicht unangenehm zu Tage, im Gegenteil. Wie die dunkle Farbe schon vermuten lässt, kommt in der Nase deutlich Sherry an, aber sehr schön eingebaut und nicht zu erdrückend. Dazu gibt es Pfeffer, Kirschen, Pflaumen und einen Hauch Schwefel. Der Geschmack ist wuchtig, aber sehr ausgewogen und erinnert stark an Schwarzwälder Kirschtorte. Sehr mächtig, mit langem Abgang. Zwar gibt es keine Entwicklung, aber hier ist alles so stimmig und rund, dass das nicht weiter stört. Groß!

Damit endet ein sehr schöner Abend. In dem Wissen, zwei der Gewinner bereits zu Hause im Regal stehen zu haben, kann man sich dann auch sehr beruhigt auf die Heimreise machen.

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