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Skeptizismus, Whisky und Politik

48. Tasting von Munich Spirits – Sommertasting

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Zu Hause ist der Sommer immer ein Lotteriespiel. Wenn man Pech hat, sitzt man wochenlang im Regen und grübelt, ob man die Heizung wieder einschalten soll. Diese Problematik hat man dieses Jahr nicht. Vielmehr stellt sich die Frage, was man bei diesen Temperaturen alles unterlässt. Arbeiten und schwere Whiskys zum Beispiel. Da trifft es sich, dass die Sommertastings von Munich Spirits immer in einem betont lockeren Rahmen ablaufen – drei Cocktails auf Whiskybasis, drei leichte Whiskys, wenig Moderation, viel geselliges Zusammensein. Just an diesem Tag klappt es vom Wetter her nicht ganz mit draußen sitzen. Das bedeutet dann aber auch, dass die Temperaturen im A Tavola schon bevor es in die erste Runde geht in mehr als hochsommerliche Bereiche klettern. Ein süffiger Einstieg wird also sehnlichst erwartet.

IMG_0015Der kommt auch umgehend in Form eines Mac Collins. Ein gespritzter Sour auf Basis eines Longmorn 16, nicht nur süffig, sondern gefährlich süffig. Der Longmorn kommt zwar durch, verliert aber hier endgültig jegliche Spur von Alkohol. Durch die zitronigen Noten des Sours geht der runter wie Limo. Nicht spekatakulär, aber sehr schön für den Sommer – wenn man dabei nicht vergisst, dass man hier Alkohol im Glas hat. Sonst endet der Abend böse, denn der Mac Collins ist genau so schnell nachgeschenkt wie ausgetrunken.

IMG_0016Nummer zwei, der Mandoline klingt nach fieser Zuckerattacke: Bourbon, Wodka, Amaretto, Apfel- und Kirschsaft, Zuckersirup, Grenadinesirup. Das sieht quietschbunt aus, ist aber tatsächlich gar nicht so extrem wie erwartet. Der Whiskey ist ein Maker’s Mark, der sich auch gegen den ganzen Zucker behaupten kann – zumindest phasenweise. Beim Schwenken im Mund dominieren Gummibärchen, beim Schlucken sagt der Maker’s Mark mit Holz- und Vanillenoten Hallo, im Nachklang bekommt man dann den erwarteten Zucker. Ist insgesamt schon was für Liebhaber von Süßkram; mir hingegen reicht einer völlig.

Der dritte Cocktail ist eine Besonderheit, da er der Namensgeber für den Whisky war und nicht umgekehrt. Der Sazerac ist dabei allein wegen der Alkoholmenge mit Vorsicht zu genießen. Allerdings ist er auch verdammt gut. Ich hab es zwar grundsätzlich nicht so sehr mit Rye Whiskey, da mir die meisten zu bitter und zu wurzelig sind. Hier in Kombination mit anderen Geschmäckern kommen die bitteren Noten aber sehr gut. Für einen Cocktail ist das durchaus interessant und vielschichtig. Absinth gibt den Gegenspieler und mit dem Verhältnis zwischen diesem und dem Rye kann man so lange spielen, bis man die Perfektion erreicht hat, woran wir uns mit einem weiteren Glas und beiden Flaschen zumindest annähern. Da aber wir aber von den Whiskys später auch noch was mitbekommen wollen, belassen wir es bei der Annäherung.

IMG_0008Zu denen kommen wir nach der Essenspause. Den Einstieg macht ein Auchentoshan, 19 y.o., Duthies by Cadenhead, 46%. In der Nase gibt es klare, recht typische Highlandnoten mit etwas Zitrus und grasigen Tönen obendrauf. Geschmacklich ist der überraschend dick und süß, allerdings ohne Frucht. Insgesamt gefällt mir das gut, nur der etwas kurze Abgang enttäuscht ein wenig. Wenn hier noch mehr kommen würde, wäre das ein Klasse Sommerwhisky.

IMG_0010Nummer zwei ist eher ungewöhlich. Bei Aberlour denkt man erst mal an schwere Sherryabfüllungen. Bei diesem hier, einer Abfüllung von 2009, 5 y.o., Cask 2 Exclusive Range, Creative Whisky Co., 50%, findet sich davon nichts. Stattdessen gibt es in der Nase viel Frucht, vor allem Aprikose. Im Mund viel schwere Süße reifer Früchte, Feige, Cookieteig, dann überreife Banane, die mit jedem Schluck dominanter wird. Das ist mir zu viel des Guten, hier überlasse ich ausnahmsweise das halbe Glas dem restlichen Tisch, der überwiegend begeistert ist, während mich dieser Whisky fast schon abstößt. Selten, aber auch so was kann eben passieren.

IMG_0012Der Ausgleich kommt umgehen. Ich hab ja schon öfter mal erwähnt, dass ich großer Fan der alten 15jährigen Originalabfüllung von Longmorn war, die einen ganz eigenen Schmelz hatte. Wie ein Malzbonbon, dass sich beim Lutschen über den ganzen Mundraum legt. Leider gibt es den nicht mehr und jede andere Abfüllung, die ich probiere, muss sich daran messen lassen. Beinahe alle scheitern. Aber diese hier kommt dem ausnahmsweise mal recht nah. Longmorn, 1996, 15 y.o., Cask 923335 Octave, Whisky Trader Edition, 53,7%. Leider eine winzige Serie, weswegen man wohl gar nicht erst versuchen muss, sie im Laden zu finden. Der Geruch bringt Fruchtcocktail, Weingummi und Malz, alles sehr rund und ausgewogen. Das setzt sich im Mund fort, eben mit diesem wunderschönen malzigen Schmelz, dazu verschiedene Fruchtnoten. Apfel und Erdbeere wie in der Beschreibung finde ich zwar nicht, Pfirsich und Mandel kann ich aber nachvollziehen. Feiner Stoff!

Damit sind wir schon wieder durch, aber da die Cocktails ja doch gut Alkohol enthalten, reicht das auch völlig aus. So schmeckt der Sommer.

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