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77. Tasting von Munich Spirits – Sherry und Islay

Wenn man ein hervorragendes Line Up für eine etablierte Reihe an Whisky Tastings aufstellt, dann sollte alles andere eigentlich ein Selbstläufer sein. Eigentlich, aber nicht, wenn die zentrale Frage nicht das Line Up an sich ist, sondern die, wie gut es zu asiatischem Essen passen wird. Der Pächter der inzwischen ebenso etablierten Location hat nämlich schon wieder gewechselt und nun ist es kein Italiener, sondern ein Asia-Imbiss. Das muss nun grundsätzlich nicht verkehrt sein, aber das Gefeixe von wegen Glutamat-Tasting überlagert im Vorfeld trotzdem das eigentliche Thema Sherry und Islay.

Bevor es losgeht, verschaffen wir uns erst mal eine kulinarische Grundlage, die auch als Vortest fungiert. Das Ergebnis lässt die leichte Anspannung abfallen. Zwar kommen hier die typischen kräftigen Gewürze zum Einsatz, aber weder diese noch die Schärfe an sich sind so dominant, als dass die Whiskys sich dagegen nicht durchsetzen könnten. Alles im grünen Bereich also.

Der erste Teil des Abends steht im Namen des Sherry. Das ist erst mal nicht verkehrt, da gibt es feine Sachen. Allerdings auch einiges, was in die Kategorie „viel hilft viel“ fällt, wo die süße Wucht des Sherrys alles überlagert, was der Whisky an sich mitbringt. Wenn man nicht mehr sagen kann, welche Distille man denn nun im Glas hat, dann ist mir das gern mal zu viel.

GlenrothesDer Einsteiger – Glenrothes, Adelphi, 1st-fill Sherry Hogshead #2413, 2000, 6 Jahre, 56.5% – geht gleich mal in diese Richtung und macht schon in der Nase keinen Hehl daraus, in welchen Fässern er gereift ist. Sherry massiv, aber durchaus schön mit Rosinen und einer Note, die an alten Balsamico erinnert. Wenn man ihm Zeit gibt, kommt Frucht dazu und auch eine leichte Fehlnote, die ich nicht identifizieren kann. Auch im Mund ist der Sherry massiv, allerdings nicht mit aufdringlicher Süße, sondern mit sehr trockenen, beinahe bitteren Noten. Früchtebrot ist auch dabei. Trocken bleibt dann auch der Abgang, mit einer dezenten Süße dabei. Das alles gefällt mir überraschend gut, auch wenn der Sherry hier dominant ist. Vor allem durch den trockenen Charakter ist er aber nicht zu dominant. Ein schöner Abendwhisky.

MiltonduffAuch bei Nummer zwei springt einen das Fass sofort an. Miltonduff, Wildlife Collection, 1st-fill Oloroso, 65.5%. Ein Rosinenbomber mit leichtem Schwefel und ein wenig Zitrus. Im Mund sehr kräftig – was bei dem Alkoholgehalt nicht weiter verwundert – mit viel Frucht und viel Volumen, zumindest wenn man einen richtigen Schluck nimmt und nicht nur am Glas nippt. Es folgt ein süßer, wärmender und langer Abgang. Die Fassstärke legt ein paar Tropfen Wasser nahe, mit denen der Whisky deutlich herber wird, aber leider auch ein wenig seiner Klasse verliert. Insgesamt hat er mir ein bisschen zu viel Attacke, aber nichtsdestotrotz ist das schon ein feiner Tropfen.

LinkwoodWir bleiben bei Abfüllungen, die nicht nur einen Hauch Sherry mitbringen aber es bleibt auch dabei, dass ich das überhaupt nicht als unangenehm empfinde. Linkwood, The Single Malts of Scotland, Sherry Hogshead, 16 Jahre, 58.7%. Wieder viel Sherry in der Nase, aber auch wieder sehr anders als bei den Vorgängern. Hier sieht man eher das alte, schwere Ledersofa vor sich, das im Kaminzimmer bei Regenwetter auf einen wartet. Der Geschmack ist passend dazu herb und kräftig, mit Nüssen und Schokolade, bevor es in einen leicht bitteren Abgang übergeht. Nach dem ersten Schluck hat man Soft Cake in der Nase, diese mit Orangencreme gefüllten Schokoladenkekse. Dieser Whisky ist nicht so süffig wie die beiden davor, dafür aber deutlich komplexer und anspruchsvoller. Fein.

BenRiachDer letzte aus der Sherry-Reihe legt dann nochmal einen drauf. BenRiach, OB, Pedro Ximinez 1st-fill, 1992-2013, 21 Jahre, 53.3%. Orange und dunkle Schokolade finden sich hier genau so wie das englische Herrenzimmer mit altem Leder. Dazu findet sich hier aber eine schwere Süße im Abgang, sobald die herben Noten in den Hintergrund treten. Auch wenn hier weiterhin der Sherry im Vordergrund steht, kann ich nicht anders, als „großes Kino“ als Fazit zu nehmen. Hier hatten wir nun wirklich bei jedem Whisky eine Steigerung zum Vorgänger im Glas.

So, Pause. Diesmal mit Frühlingsrollen, Chicken Wings und Krabbenbrot statt Antipasti. Das ist jetzt kein kulinarischer Hochgenuss, für den Whisky stellt das aber aus meiner Sicht klar die geringere Herausforderung dar als sauer angemachtes Gemüse. Passt also.

Caol IlaWeiter mit dem zweitem Teil. Drei Abfüllungen von Islay, bei zweien davon Themenwechsel von Sherry zu Rauch, beim letzten die Verbindung von beiden. Die Eröffnung macht ein Caol Ila, Malts of Scotland, Bourbon Hogshead #12374, 1998-2008, 9 Jahre, 60.7%. Schweres Geschütz, kalter Rauch und viel davon, dazu Weingummi und Zitrus. Nicht ungewöhnlich, finde ich. Der Geschmack ist wuchtig, mit Zitrusnoten darüber und wieder Rauch. Der bleibt auch im Abgang erhalten, der ebenso massiv ist wie alles davor. Solider Whisky, keine Frage. Die Ausrichtung ist nicht mehr so meins, aber der ist schon gut gemacht.

LaphroaigDie zweite Abfüllung macht den Unterschied zwischen Rauch und Torf klar. Laphroaig, OB, Cask Strength Batch #010, 10 Jahre, 58.0%. Den Zehner in Fassstärke gibt es inzwischen nur noch vor Ort zu kaufen – leider. Hier zeigt sich Laphroaig genau so, wie er sein sollte – phenolisch und medizinisch. In der Nase dazu Banane. Im Mund kommt erst die Torfwand, dann fruchtige Noten, der Torf bleibt aber präsent. Der lange Abgang bleibt würzig und medizinisch, bringt aber eine hintergründige Süße und auch ein bisschen Salz mit. Das alles muss man mögen, aber wenn, dann ist der schon richtig groß.

Port CharlotteZum Abschluss dann Torf und Sherry in einem – eine Kombination, die oftmals richtig gut funktioniert. Die Süße des Sherry nimmt dem Torf den Biss, im Gegenzug kann der eine Tiefe mit reinbringen, die das Sherryfass alleine nicht schafft. Hier versucht das ein Port Charlotte, Malts of Scotland, Sherry Cask #833, 2001-2010, 8 Jahre, 61.6%. Bei Port Charlotte gibt es Abfüllungen, die mir deutlich zu extrem sind. Andererseits hatte ich aber schon welche, die ich sehr gelungen fand. Dieser hier riecht schon mal nicht extrem, im Gegenteil. Der Sherry kann ich mit schwerer Süße riechen, den Torf erst mal nicht. Den bekomme ich erst nach dem ersten Schluck in die Nase, aber auch dann nicht besonders dominant. Im Mund gibt es neben viel Kraft und trockenem Sherry Trockenfrüchte, im Abgang eine cremige Bitterkeit und dahinter wieder Rauch. Das passt alles zusammen und ergibt eine komplexe Komposition, bei der keine Note allein im Vordergrund steht.

Fazit: Kein Glutamat, dafür ausnahmslos trinkenswerte Tropfen im Glas. Experiment geglückt, würde ich sagen.

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