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Skeptizismus, Whisky und Politik

Nach der Geburt getrennt – 1. Bier-Whisky-Tasting von Munich Spirits

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Dem Fachmann ist es klar, dem Laien nicht unbedingt – Bier und Whisky sind enge Verwandte. Die „wash“, aus der Whisky destilliert wird, ist Bier sehr ähnlich. Sie wird ebenfalls aus Gerstenmalz unter der Zuhilfenahme von Brauhefe gebraut und hat einen ähnlichen Alkoholgehalt; nur der Hopfen fehlt (wie es früher auch beim Ale war, was die Ähnlichkeit noch erhöht). Bier und Whisky passen also rein technisch gut zusammen. Inwieweit sie es auch geschmacklich tun, sollte an diesem Abend erörtert – oder besser probiert werden.

Sachkundige Unterstützung kam dabei von Prof. Dr.-Ing. Vladimir Ilberg von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, seines Zeichens nicht nur Bierspezialist, sondern auch Liebhaber desselben. Seine Beiträge waren nicht nur sehr interessant, sondern auch ausgesprochen unterhaltsam. Die Whiskys dazu kamen einmal mehr vom Käfer von Munich Spirits. Stattgefunden hat das Ganze wie immer im A Tavola in der Machtlfingerstraße.

bracklaDie Eröffnungskombi bestand aus einem Royal Brackla – The Highland Trail, 25 Jahre, 46%, Fino Sherry Butt und einem Früh Kölsch. Nun bin ich kein ausgewiesener Freund von Kölsch, muss aber in dem Fall zugeben, dass mir das eigentlich recht gut geschmeckt hat. Überraschend frisch und gar nicht lack, leicht herb, sehr süffig und angenehm. Ebenso kann der Whisky überzeugen, ja sogar mehr als das. Für mich war er der Gewinner des Abends. Viel Frucht in der Nase, Zitrus, grüne Banane, ganz leicht Rauch, etwas Honig, das alles sehr cremig und voll – da bin ich schon hin und weg. Das Cremige setzt sich im Mund fort, viele Aromen mit Frucht und ein paar Gewürznoten, ganz leichte Schärfe dazu und ein malziger Abgang. Der Sherry hält sich hierbei sehr im Hintergrund. Top! Was mich aber nun weniger begeistert ist die Kombination von Bier und Whisky. Der Royal Brackla bekommt durch das Kölsch zwar etwas mehr Schmelz und eine Toffeenote, aber letztlich überzeugt mich beides für sich wesentlich mehr als die Kombination.
Kleine Randnotiz: Bei diesem Whisky ist es super, mit Franken am Tisch zu sitzen, denn niemand anders kann Royal Brackla so schön aussprechen.

glencadamZweiter Versuch, Glencadam, 15 Jahre, 1996-2011, First Fill Bourbon Barrel, 57,9%, one of 36 bottles und Erdinger Urweiße. Das Weißbier ist schon mal überhaupt nicht meins, weil ich auf die bananigen Weißbiere nicht so kann. Das hier ist volle Bananenattacke und für mich hart an der Grenze des Trinkbaren. Angeblich entwickelt es sich mit der Zeit im Glas, besser wird es für mich aber nicht. Zumindest geruchlich ist auch der Glencadam anfangs eine Herausforderung. Ein Durchdringender, scharfer Geruch, der deutlich an Leim erinnert. Aber hier zeigt sich einiges an Entwicklung, der wird mit jeder Minute im Glas angenehmer und interessanter. Geschmacklich kommt ebenfalls der Alkohol recht deutlich raus, leichte Vanillenoten dahinter, bis das ganze sich zu einem dezent süßlichen und leicht schmelzigen Abgang wandelt. Mich überzeugt er nicht so sehr wie den Rest am Tisch, was aber zugegeben mit dem Chicquitaschorle im anderen Glas zu tun haben mag. Da reißt auch die Kombination nichts, sondern macht das Erdinger bestenfalls etwas erträglicher.

Besser weiter zur nächsten Runde: Auchentoshan Heartwood, 43% und Augustiner Dunkel. Am hellen August hab ich mich ja irgendwie inzwischen übertrunken aber das mir bislang unbekannte Dunkle kann dafür auf ganzer Linie überzeugen. Es riecht zwar ein klein wenig nach nassem Hund, aber der würzige und leicht malzig-süsse, volle Geschmack kann halt schon alles. Ich mag dunkles Bier generell gern, aber das hier gehört in der Tat zu den besseren. Da passt dann auch dieser Auchentoshan dazu, den es nur im Duty Free Shop gibt und der seine Reifezeit komplett im Sherryfass verbracht hat. Der Geruch ist ziemlich extrem, viel Holz, muffig, Sherry (aber komplett ohne Süße) und Schwefelnoten sind auch drin. Das setzt sich im Geschmack fort, herbe Noten von Kaffee und dunkler Schokolade, bittere Orange, sehr wenig Süße (und damit auch recht eigen). Die kommt dann aber durch das Augustiner heraus. Hier funktioniert die Kombination hervorragend. Was dem Whisky fehlt, bringt das Bier und beide fühlen sich zusammen pudelwohl.

Pause, Essen, heute mal dem Anlass angepasst eher bayerische Brotzeit als italienische Antipasti. Aber nicht weniger gelungen als sonst und in der Tat eine sehr solide Grundlage für die weiteren Getränke.

carnmorDie sind mir zumindest im nächsten Durchgang schon bekannt. Zur Finest Spirits 2011 wurde ein Experiment gewagt. Man flog mit zwei Fässern Ayinger Celebrator nach Schottland, lehrte diese dort bei Cragganmore und Glenglassaugh und füllte deren Destillate zum Reifen ins (eigens dafür gemachte) Holzfass. So richtig gelungen fand ich damals beides nicht, wobei der Cragganmore, The Cárn Mór Vintage Collection, 1997-2011, 46% noch besser funktioniert hat als der Glenglassaugh. Aber auch hier will sich keine rechte Harmonie herstellen. In der Nase kommt das Bier deutlich raus, zusammen mit einem starken Prickeln, das an Champagner erinnert. Im Mund findet man ebenfalls das Bier, aber neben dem Whisky, nicht verbunden mit ihm. Man merkt, dass das grundsätzlich funktionieren kann, aber dafür müsste man wohl ausgiebig probieren, bis man eine funktionierende Kombi hat. So bleibt es bei einem interessanten, aber nicht zwingenden Ergebnis. Überraschenderweise passt der Celebrator selber auch überhaupt nicht zum Whisky, sondern geht in eine völlig andere Richtung. Das Bier ist wuchtig und süßlicher als das Augustiner, mit leicht verbrannten Noten darin. Nach einem Glas davon kann man sich das Essen sparen, das kommt hier direkt mit. Mir ist das zu viel des Guten, das brauch ich beides weder einzeln noch zusammen.

bowmoreZum Abschluss geht es dann noch etwas weiter in Richtung Extreme. In der einen Ecke des Rings steht ein Bowmore Hidden Gem, 13 Jahre, 56,5%, Bourbon-Faß mit Finish in einem Weinfass von Markowitsch Rosenberg bereit, in der anderen das berühmt-berüchtigte Schlenkerla, Rauchbier aus Bamberg. Ich hatte das allerdings extremer in Erinnerung als es dann tatsächlich war. Das mag damit zu tun haben, dass wir nun schon einiges an Bier und Whisky getrunken hatten, aber jedenfalls hatte es nur eine eher leichte (aber trotzdem deutliche) Rauchnote. Muss man nicht haben, passt aber andererseits schon auf seine Art zum Bowmore. In den letzten Jahren hab ich ein paar Mal Whiskys mit Weinfinish probiert und die waren eigentlich immer mindestens interessant. Der hier ist sogar richtig gut, die Kombination funktioniert auf alle Fälle. Der Wein kommt raus, beißt sich aber nicht mit den kräftigen Schinkennoten des Bowmore, sondern harmoniert mit ihnen. Da geht man eben gemeinsam zu Törggelen und das funktioniert ja bekanntermaßen. Auch hier hab ich aber ohne das Bier durchaus mehr vom Whisky.

So bleibt dann auch mein Fazit, dass ich das Bier lieber vorher und den Whisky danach trinke (so aber immerhin gerne, auf Wein hab ich z.B. meist überhaupt keine Lust mehr auf Whisky). So verwandt sie auch sein mögen, direkt zusammen brauch ich sie eher nicht. Trotzdem war das (wie alle Kombinationen, die wir bislang so hatten) immerhin spannend und aufschlussreich. Das Thema Geschmack ist eben nie endgültig ausgereizt.

Vielen Dank an alle Beteiligten, hat Spaß gemacht!

Ein Kommentar

  1. Keine Ahnung was du mit dem Frankenkommentar meinst, aber ansonsten wie immer sehr schön zu lesen.

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