The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Sommertasting 2011 von Munich Spirits

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Es ergibt durchaus Sinn, im Juli ein Sommertasting mit Whiskies abzuhalten, die auf der Terrasse bei 30°C auch noch Spaß machen und nicht nur vor einem Kaminfeuer an einem Winterabend. Nur ist auf den Sommer bei uns mal wieder gar kein Verlass, weswegen wohl auch Whiskies der zweiten Kategorie recht gut funktioniert hätten. Aber so muss man eben an einen schottischen Sommer denken und schon ist es nicht mehr ganz so schlimm.

Auf dem Programm standen diesmal aber nicht nur leichte Whiskies, sondern auch Cocktails mit Single Malts drin. Das ist jetzt nicht so ganz meine Baustelle, zumindest nicht solche auf Whiskybasis. Bei Cocktails bin ich eher für Gin und Wodka zu haben, aber man soll ja nicht voreingenommen sein.

Kommen wir also gleich zu Kandidat Nummer Eins, mit dem vielversprechenden Namen Islay Banana. Der zwölfjährige Bunnahabhaindarf hier in Orangensaft, Blue Curacao und Bananenlikör planschen, wofür er mir schon ein wenig leid tut – gehört er doch zu meinen persönlichen Lieblingswhiskies. Rein farblich erinnert das ein wenig an das Hafenbecken in Port Askaig, wie Marco völlig richtig anmerkt. Ein trübes Grün, aufgelockert durch Orangenscheibe und Cocktailkirsche. Im Geschmack dominiert die Banane, aber der Bunna kommt erwartungsgemäß nur in Ansätzen durch. Wenn man ihn lange genug im Mund behält, wird der Whisky dominant, aber so trinkt ja niemand einen Cocktail. Kann man sich schon geben, ist mir persönlich aber einen Tick zu süß, um den Abend damit zu verbringen. Das wird jedenfalls kein Favorit werden und den Bunna nehm ich beim nächsten Mal gern wieder pur. Auch bei hohen Temperaturen.

Aber was den Zuckergehalt angeht, war der Islay Banana noch vergleichsweise harmlos. Die nächste Runde ist ein Sanna Bay, eine knallrote Mischung aus Tobermory, Erdbeerlikör und Amaretto. Ich muss zugeben – der Geschmack war durchaus interessant und für einen Cocktail auch recht vielschichtig. Der Whisky kämpft tapfer gegen die süße Erdbeere und der Amaretto gibt dem ganzen einen recht eigenwilligen Unterbau. Die treffende Beschreibung an unserem Tisch war „wie flüssiges Marzipan, nur süßer.“ Ehrlich gesagt hat mir ein (recht kleines) Glas dann doch völlig gereicht. Freunde werden wir nicht werden, interessanter Geschmack hin oder her.

Der Abschluss war der Versuch, schottischen und irischen Whisky in einem Cocktail unterzubringen. In Cameron’s Kick treffen Ben Nevis und Tullamore Dew aufeinander, begleitet von reichlich Zitrone. Das gibt dem Geruch einen leichten Hauch von Klostein und überdeckt den Alkohol im Geschmack komplett. Insgesamt nicht übel, aber auch sehr gefährlich, weil er sich trinkt wie Limonade. Ich bleibe dann auch hier besser bei einem Glas, denn langsam spüre ich den Alkohol schon recht deutlich.

Sehr passend, dass es jetzt eine Pause gibt und das Buffet eröffnet wird. Anitpasti vernichten jede Restsüße im Mund konsequent; Brot, Schinken und Salami gleichen den Alkohol aus und geben Kraft für die zweite Hälfte des Abends, auf die ich mich doch mehr freue als auf die erste. Die Cocktails waren zwar alle in Ordnung, aber ich mag meinen Whisky doch lieber alleine im Glas. Zum Verpanschen gibt es andere Spirituosen.

Die Eröffnung des zweiten Teils findet mit einer Besonderheit statt. Käfer hat als Malt Ambassador von Campari Zugriff auf Whiskies, die im Handel noch nicht erhältlich sind. Der Glen Grant 16 y.o. ist einer davon, denn auf dem deutschen Markt wird der erst in der zweiten Jahreshälfte zu finden sein. Der Geruch ist schon mal richtig toll. Angenehm rund, sehr fruchtig. Ich könnte einen halben Abend mit Riechen verbringen. Der Geschmack kann erst mal nicht ganz mithalten, weil er einen Tick zu alkoholisch ist. Das liegt aber einfach daran, dass es der erste nach dem Essen ist, denn als wir später nochmal ein Glas trinken, ist diese Wahrnehmung weg. Dafür gibt es reichlich Anis-Noten in der Nase, die uns erst mal gar nicht aufgefallen sind. Der fruchtige Geschmack weicht einem sehr schönen Abgang mit leichter Süße und einem sehr angenehmen Nachgeschmack, der minutenlang anhält. Feiner Tropfen, der kommt auf alle Fälle auf die Merkliste.

Nummer zwei ist der Tomintoul, OA, “The gentle Dram“, 27 Jahre, 40 %, den Käfer aus Österreich mitgebracht hat. Der Geruch bringt reichlich überreife Frucht, wobei wir lange und ergebnislos darüber debattieren, welche. Die einen sind bei Rosinen, die anderen bei Quitten, wieder andere riechen Aprikosen heraus. Ich bin unentschlossen, aber auf alle Fälle ist eine überreife Frucht mit schwerer und fetter Süße. Daneben gibt es Honignoten, die im Geschmack noch deutlicher rauskommen. Auch Holz kann man schmecken und im Abgang Zartbitterschokolade mit einem angenehmen bitteren Zungenrand. Eigentlich ein richtig toller Whisky, der nur ein Problem hat: Mit 40% ist er einfach etwas zu schwachbrüstig. Ich verstehe auch nicht, warum man den so runterverdünnen musste. Wasser nachfüllen geht immer, aber man bekommt halt keines wieder raus. Mit normaler Trink- (oder vielleicht sogar Fassstärke) wäre das wohl der klare Gewinner geworden. So ist er „ nur“ gut.

Weiter geht es mit einem Glenkinchie, Originalabfüllung, “available only at the Distillery”, 59.3 %, der – wie der Name schon sagt – ebenfalls auf dem deutschen Markt nicht erhältlich ist. Die Standardabfüllung von Glenkinchie finde ich persönlich reichlich unspannend. Da der hier aber mit ordentlich Prozenten aufwarten kann, ist er zumindest mal interessant. Wie sich die Kombination von leichtem Whisky und hohem Alkoholgehalt auswirkt, ist die spannende Frage.
Der Geruch ist schon mal völlig anders als bei den Vorgängern. Tiefgründig, erdig, Gras und Kräuter und dazu eine Frische wie bei Menthol oder Kampfer (aber ohne deren Geruch). Der Geschmack ist erst mal geprägt vom Alkohol.- sehr scharf. Aber wenn die Schärfe verpufft, macht sich eine sehr schöne buttrige Süße im Mund breit. Wer mal Butterkeks im Mund langsam zu einem Brei gekaut hat, der weiß, was ich meine. Die Zugabe von Wasser hat erstaunlich wenig Einfluss auf den Geschmack und nimmt auch wenig von der Schärfe. Insgesamt gefällt mir der überraschend gut. Würde ich auch auf meine Liste setzen, gäbe es ihn hier zu kaufen.

Den Abschluss macht ein weiterer Whisky, den es nicht im Handel gibt. Bzw. nur noch eine sehr sehr kleine Anzahl von Flaschen. Bowmore for Tullifield, octave sherry finish, 98#10, 12 Jahre, 54.9 %. Der Geruch enttarnt ihn sofort als Islaywhisky – Schwarzgeräuchertes steht im Vordergrund, aber nicht aufdringlich. Dafür gibt es recht deutliche Zitrone, die mich eher auf einen Caol Ila als auf einen Bowmore hätte tippen lassen. Im Geschmack gibt es zum Torf aber recht deutlich Brombeeren, die einen Hinweis auf den Bowmore geben. Alles in allem nicht übel, aber für mich klar der schwächste Kandidat heute. Das wäre auch der einzige, den ich mir nicht ins Regal stellen würde.

Dafür aber den Glen Grant, von dem wir wie gesagt noch mal ein Gläschen trinken und der ja auch den großen Vorteil hat, bald in den Läden zu finden zu sein.

Dass es obendrein einmal mehr ein sehr netter und geselliger Abend war, sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt, auch wenn es sich bei den Veranstaltungen von Munich Spirits ja eh von selber versteht. Genau wie die Tatsache, dass ich auch beim nächsten Mal unbedingt wieder dabei sein will.

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