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Skeptizismus, Whisky und Politik

Uisge Beatha Club Tasting with Tim Stewart

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Über Munich Spirits habe ich kürzlich eine Einladung zu einem Tasting des Uisge Beatha Clubs weitergeleitet bekommen. Ein etwas ungewöhnlicher Event, denn es handelte sich hierbei nicht um ein gewöhnliches Tasting, sondern um ein „technical tasting“, bei dem es in erster Linie darum gehen sollte, Whisky mit Augen, Nase und Zunge richtig zu analysieren. Präsentiert sollte das ganze von Tim Stewart werden, einem Mitglied der Scotch Malt Whisky Society mit langjähriger Erfahrung sowohl beim Trinken, Verkosten, Vermarkten und Schulen wie auch in der Herstellung. Denn Tim Stewart ist obendrein Besitzer und Betreiber der „kleinsten Destillerie Schottlands“, die in sein Auto passt und mit der er inzwischen unterwegs ist. Das alles klang interessant genug für eine umgehende Anmeldung.

Mit dem Europäischen Patentamt war der Veranstaltungsort eher ungewöhnlich. Das Gebäude ist modern und auch ihnen eher kühl und sachlich. 30 Whiskyliebhaber und Neulinge in einem komplett leeren Raum, in dem nicht nur der Empfang, sondern auch das Buffet vor dem Tasting stattfinden sollte, das war eine sehr eigenwillige Stimmung. Einige der Teilnehmer waren auch nicht über Uisge Beatha an die Veranstaltung gekommen, sondern Mitarbeiter des Patentamts. Was zumindest gute Englischkenntnisse bedingt – nicht die schlechteste Voraussetzung für den Abend. Besser zumindest als das Buffet, das mit Käse und Rohkost zwar recht gesund war, aber doch eine insgesamt eher dünne Grundlage für Alkohol.

Vor allem, wenn selbiger reichlich zur Verfügung steht. Es waren zwar nicht alle Plätze belegt, wohl aber eingedeckt, so dass an ein paar Tischen einige Gläser übrig waren, die aber trotzdem getrunken werden wollten. In der Hinsicht waren mein Kumpel und ich wohl die Gewinner, da wir zu zweit an einem Tisch für fünf saßen. Es standen also nicht nur unsere fünf Proben für das Tasting vor uns, sondern auch noch 15 unbesetzte, die Tim Stewart keinesfalls wegschütten wollte. Aus unserer Sicht völlig verständlich und wir wollten ihn natürlich nicht verärgern.

Besagte Proben waren heute mal nicht mit Namen versehen, sondern sollten blind verköstigt werden. Dabei sollte jede eine Besonderheit von Whisky zeigen und zeigen, wie man welche Charakteristik von Whisky erkennen und zuordnen kann. Dazwischen gab es nicht nur reichlich Information, sondern auch eine Menge unterhaltsamer Anekdoten aus dem bewegten (Whisky)Leben von Stewart. Während er – stilecht im Kilt und mit dem Glas in der Hand – gemäßigten Schrittes seine mitten im Raum aufgebaut Mini-Destillerie umkreiste, gelang Stewart dabei das Kunststück, sowohl Neulinge wie auch Profis bei Laune und Interesse zu halten. Ich hätte ihm durchaus noch lange zuhören können, auch wenn sein scottish accent im Laufe des Abends durchaus zu-, meine Konzentration hingegen eher abnahm. Es gab einiges zu lernen und nicht weniger zu lachen.

Der erste Whisky war ein zehnjähriger Speyside-Whisky aus dem Bourbonfass. Dieser sollte als Referenz für Bourbon-Fässer dienen und verdeutlichen, was das typische an dieser Ausprägung ist. Neben der hellen Farbe vor allem Vanille- und Zitrusnoten und als Geschmacksbereiche im Mund Zungespitze, – seiten und Rachen. Das Ritual der Verköstigung war hierbei immer dasselbe. Farbe betrachten, Riechen (mit offenem Mund, sehr wichtig und mir bislang auch unbekannt), ein Tropfen Wasser, erneut riechen, probieren und im Mund halten, noch ein wenig Wasser, erneut riechen und schließlich trinken. Dazu genaue Beschreibung seitens Tim Stewart, die treffend waren, aber viel vorgegeben haben. An dieser Stelle hätte ich es für sinnvoller gehalten, die Leute erst mal selber beschreiben zu lassen, bevor man die Eindrücke auflöst, aber das sei hierbei nur eine kleine Kritik am Vorgehen.

Ach ja, erkannt habe ich den Whisky nicht. Ich fand ihn zwar durchaus typisch, aber auch ohne deutliche Eigenheiten (was hierbei ja auch Sinn der Sache war). Die Auflösung: die Standardabfüllung von Glenmorangie. Muss man nicht haben, macht aber als Referenz durchaus Sinn.

Nummer zwei fand ich dann schon deutlich ungewöhnlicher. Diesmal ging es um Sherryfass, und zwar nicht um ein Finishing in selbigem, sondern um eine komplette zehnjährige Reifung im Olorosofass. Das hat man relativ selten und geht wohl auch nur mit Fässern, die nach dem Sherry schon mal zur Whiskyreifung verwendet wurden, da der Geschmack des Sherry sonst viel zu dominant werden würde. Neben der dunklen Farbe, die erste Hinweise gibt (aber aus meiner Sicht keine eindeutigen, denn ich halte Tims Aussage, dass nur bei Blends mit Zuckercoleur nachgefärbt wird aber nicht bei Single Malts, schlicht für falsch), unterscheidet sich der Whisky vor allem im Geruch (Frucht, Rosinen und Schwefel statt Vanille) und natürlich auch im Geschmack (die schwere Süße des Sherry), der im Gegensatz zu Nummer 1 ganz zentral auf der Zungenmitte lag und auch deutlich „fetter“ und weniger „flach im Mund“ stattfand.

Auch dieser sollte ein Referenzwhisky sein, diesmal für Sherryfass. Erkannen konnte ich ihn nicht, was auch nicht weiter verwundert,da er in Deutschland nur schwer erhältlich ist. Es geht um den zehnjährigen Macallan, den es hier nur in der Variante „Fine Oak“ im Handel gibt, was nichts anderes bedeutet als aus dem billigen Bourbon- statt dem teureren Sherryfass. Da täuscht der Name gewaltig, denn diese Ausgabe schlägt die hier erhältliche um Längen.

Nummer drei war dann die Kombination der ersten beiden. Auf die Reifung im Bourbonfass folgt das Finish im Sherryfass. Hier waren die Unterschiede zu Nummer eins deutlich und zu Nummer zwei schon schwieriger herauszukitzeln. Ich kann sie leider auch gar nicht mehr so genau wiedergeben, von diesem Whisky weiß ich vor allem noch, dass er in Faßstärke (~58%) und schweinelecker war. Gemeinerweise aber auch kein Standard, sondern eine sehr ausgefallene und irre seltene Clubabfüllung, von der es außerhalb des englischen Königshauses keine Flaschen mehr geben dürfte. Ich bin mir nicht mal mehr beim Namen sicher, meine aber, dass es sich um einen relativ jungen Craigellachie gehandelt hat.

Mit Nummer vier ging es dann völlig offensichtlich nach Islay. Zehn Jahre im Bourbonfass lassen den eh schon massiven Torf noch gewaltiger erscheinen. Nach den beiden Sherry-Whiskies aber auch frischer und zitrischer als ich es in Erinnerung hatte. Damit ging mein Tipp auf einen Caol Ila auch daneben, es war der mir eigentlich gut bekannte Ardbeg Ten. Da hätte ich dagegen gewettet und verloren. Hinter dem Torf ist hier tatsächlich auch das Bourbonfass zu erkennen, wenn man darauf achtet und „hinter den Torf“ schmecken und riechen kann. Deutlicher Hinweis ist aber auch, dass der Torf vor dem Bourbon sehr deutlich zu Tage tritt. Interessant auch wieder die Verortung im Mund. Dieser Whisky steht beinahe vertikal zwischen Zunge und Rachen.

Schon waren wir auch am Ende angekommen. Beim letzten war mein Tipp (ein Whisky aus der Port Charlotte Reihe von Bruichladdich) zwar falsch, aber zumindest nah genug dran, denn auch Tim Stewart meinte, dass das durchaus hätte sein können. Tatsächlich war es ein achtjähringer Laphroaig, allerdings nicht der Standard, sondern ein an Aberlour getauschtes Fass, dass dort in Sherryfass umgefüllt wurde und dort reifen durfte. Vor dem Sherry kommt der Torf in der Tat ganz anders zum Tragen und ist auch weniger dominant, obwohl sich die ppm kaum vom Ardbeg unterscheiden. Mit über 60% ist das ganze natürlich ordentlich kräftig und man darf schon gut Wasser dazugeben, um wirklich alle Nuancen rauszubekommen. Hier ist der Geschmack dann endgültig im kompletten Mundraum vorhanden, einen einzelnen Bereich kann man kaum mehr ausmachen. Dafür aber die typischen Charakteristika der Vorgänger, wenn man weiß, worauf man achten muss. Aber genau dafür waren wir ja da.

Zwischen drin ließ Tim Stewart auch noch Flaschen mit New Make in verschiedenen Stufen und Grain Whisky herumgehen, von denen wir aber (mangels einer Lizenz seinerseits) nicht trinken durften, sondern den Finger ablecken und die Flüssigkeit wieder auspucken („please do a Monika Lewinsky“), was wir alle selbstverständlich sehr gewissenhaft durchgeführt haben.

Nachdem wir uns über die Reste an Proben und dann noch des Buffets hergemacht hatten, ging es für die Willigen noch weiter zum Augustiner um die Ecke, um den Abend mit Bier ausklingen zu lassen. Da die angekündigten Gewitter ausgeblieben waren, sehr angenehm auf der Dachterrasse. Viel Bier ging bei mir zwar nicht mehr, aber muss ja auch nicht sein. Zu wenig Alkohol hab ich an dem Abend sicher nicht abbekommen. Aber was tut man nicht alles für die Bildung.

Danke an Uisge Beatha und Tim Stewart. Es war ein sehr interessanter und vergnüglicher Abend, der auch den alten Hasen durchaus noch neue Türen geöffnet hat!

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