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Skeptizismus, Whisky und Politik

Whisky ’n‘ More Bochum 2011

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Vor lauter Meldungen über Japan und Libyen bin ich gar nicht dazu gekommen, einen Bericht über die Whisky ’n‘ More in Bochum zu schreiben. Das hole ich hiermit nach und bitte die Verzögerung zu verzeihen.

Als regelmäßige Besucher der Finest Spirits in München waren wir gespannt, wie sich die Alternativveranstaltung in Bochum so anlässt – und wurden in jeder Hinsicht positiv überrascht. Die Whisky ’n‘ More präsentierte sich in einem sehr angenehm kleinen und familiären Rahmen. Ungefähr 10 Aussteller, auf zwei Stockwerke in einem alten Haus verteilt, das an die Gründerzeit erinnerte und mit knarzenden Holzböden und großen Terrassen genau den richtigen Charme für so eine Veranstaltung vermittelt hat. Im Gegensatz zu München waren nicht nur sehr viel weniger Besucher da, sondern vor allem wirklich Interessierte und kein Eventpublikum, das nur eine weitere Location abklappert. Keine großen Anbieter mit Massenabfertigung, sondern nur kleine Abfüller und Händler, die eher auf Qualität denn auf Quantität setzen. An jedem Stand blieb Zeit für Unterhaltungen, teilweise auch sehr ausgiebig, (unter anderem mit Andy McNeill von The Coopers Choice, der nicht nur mit interessanten Whiskies, sondern auch mit interessanten Themen und einer Menge Charme glänzen konnte). Das ganze obendrein zu ausgesprochen fairen Preisen, vom Eintritt bis hin zu den Samples, die an den Ständen ausgeschenkt wurden. Was dann auch dazu geführt hat, dass wir diesmal die meisten Whiskies, die wir probiert haben, auch gleich als Flaschen gekauft hätten, wären die Bestände zu Hause nicht noch so reichlich.

Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung, auf der wir uns extrem wohl gefühlt haben.

Zu den Whiskies:

Zur Eröffnung hatten wir uns den Stand von Charivari ausgesucht und konnten dort auf Empfehlung gleich mit einem kleinen Highlight starten. Bei mir war das der Caperdonich 1972/2010, Gordon & McPhail, Connoisseurs Choice, 46%. Als Einstieg wollte ich etwas schönes, nicht zu krasses, was die Geschmacksnerven in Stimmung bringt. Das konnte dieser Tropfen perfekt. Sehr schmelzig mit einer massiven und fast dumpfen Sherrysüße. Eine Whisky, den man längere Zeit im Mund hin und her rollen lassen kann. Richtig feiner Tropfen, mit dem man sich gut akklimatisieren konnte.

Weiter zum nächsten Stand, bei dem mir recht schnell ein Caol Ila 1990, Gordon & McPhail Private Collection Port Wood Finish, 40% ins Auge gesprungen ist. Port Wood Finish klang interessant und das war es auch. Der Geruch war erst mal recht typisch, frisch und leicht zitronig und natürlich mit einer klare Rauchnote. Der Rauch war auch im Geschmack dominant, aber im Abgang kam dann der Port zu Tage. Sehr interessant, weil er dem Caol Ila eine ganz eigene Wendung gibt. Süßlich, aber eben nicht der typische Sherrygeschmack, sondern ganz eigen. Hat mir sehr gut gefallen, das ist mal eine richtige Alternative.

Wechsel in den ersten Stock, wo uns gleich ein Stand auffällt, an dem etliche Flaschen Kilchoman stehen. Die Farm Distillery haben wir auf Islay besucht und dort auch den New Make probiert, der sehr vielversprechend war. Also gleich mal schauen, wie der sich inzwischen weiter entwickelt hat. Für mich war es der Kilchoman 4 y.o. Bourbon Cask und der zeigt, dass die Entwicklung prächtig verläuft. Für einen derart jungen Whisky kann der schon einiges und präsentiert sich überraschend mild und vielschichtig. Feine Vanillenoten durch das Bourbon Faß, deutlicher aber nicht zu extremer Rauch, Frucht und Frische und doch schon andere Noten im Hintergrund. Das wird ein richtig großer Tropfen werden, den die dort herstellen.
Meine Frau hatte übrigens den vierjähringen aus dem Sherryfaß und auch der konnte überzeugen.

Kleine Pause mit Schnitzel auf der Terrasse (sehr gut, aber nicht gerade reichlich) und Short Bread als Abschluss, damit der Magen nicht schlapp macht.

Seit längerem bin ich Fan des fünfzehnjährigen Longmorn, den es ja leider nicht mehr gibt. Von dem her schau ich immer nach Alternativen, denn unter den Sherrybomben war der mir doch einer der liebsten. Der Longmorn 2010, The Coopers Choice, 18 y.o., 46% ist keine solche, denn er geht in eine völlig andere Richtung. Krautig, trocken, leichte Bitterkeit; der Speichel verschwindet sofort aus dem Mund. Das erinnert mich stark an den Cragganmore und ist auch durchaus interessant, wenn auch nicht das, was ich erwartet oder gesucht habe. Nichtsdestotrotz keine Enttäuschung, eher eine Überraschung.

Am Messestand der Whisky ’n‘ More steht recht prominent ein Faß mit einem großen Bunnahabhain-Schild drauf. Da schauen wir doch mal interessiert hin, denn den Bunna schätze ich an sich sehr. Für mich ist er der Gentleman unter den Islay-Whiskies, der sich nicht durch wilde Kraft, sondern durch Eleganz auszeichnet. In diesem Fass ist ein Bunnahabhain Whisky’n’More, 8 y.o., 3 Monate in French Oak nachgelagert, 60%. Alter und Alkoholgehalt machen diesen Whisky zu einem sehr kräftigen Gesellen, der einzige heute, der Wasser benötigt. Dafür belohnt er einen mit deutlichen Früchten, Komplexität und eben jener Eleganz, die ich schon erwähnte. Feiner Tropfen, der noch ein bisschen braucht, dann aber richtig gut werden wird.

Mit diesem Tropfen im Glas bleib ich am Coopers Choice Stand nebendran hängen und quatsche mich mit Andy McNeill fest. Dabei lässt er mich den OA, 5 y.o. probieren, den er als Besonderheit dabei hat. Nicht schlecht, auch hier geht für einen fünfjährigen schon einiges, aber gegen den Kilchoman, den ich vorher getrunken habe, verliert er dann doch. Mehr Schärfe und auch ein wenig eindimensionaler. Trotzdem kann man auch hier gespannt sein, was mal draus werden wird.
Richtig überzeugen kann mich hingegen der Caol Ila 1979, The Coopers Choice, 30 y.o., Hogshead. Großer Tropfen zum fairen Preis. Neben der typischen Frische, die er auch nach 30 Jahren noch nicht verloren hat, haben diese eine Tiefgründigkeit hinzugefügt, die man bei Caol Ila nicht immer findet. Große Klasse, neben dem Caperdonich ganz am Anfang mein klarer Tagessieger.

Auch wenn die Räumlichkeiten eher überschaubar sind, haben wir es bislang noch nicht um die Ecke im ersten Stock geschafft. Das holen wir zum Abschluss noch nach und finden auch hier wieder lohnenswertes. Ich versuche mich nochmal an einem Longmorn, diesmal 19 y.o., The Single Malts of Scotland, 46%, Hogshead. Der erste Schluck ist eine Enttäuschung, er wirkt überraschend scharf. Aber dann kommt er auf einmal und präsentiert sich zwar eher dezent, aber doch recht interessant und stimmig. Vermutlich tut dieser Whisky sich auf einer Messe (und vor allem als letzter) etwas schwer, aber zu Hause könnte ich mir auch den hier sehr gut vorstellen.

Das reicht dann aber auch für heute, nun geht es zum Spanier und einigen Tapas, bevor der Abend in netter Runde ausklingt (aber die Gesellschaft damit nicht endet, sondern bis zum Morgengrauen in der Küche fortgesetzt wird).

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