The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Interwhisky 2007 München

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Nachdem sich die Veranstalter des Whisky-Festivals in München letztes Jahr überworfen haben, hat einer der beiden nun zusammen mit der Interwhisky eine Nachfolgemesse auf die Beine gestellt. Das haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen.

Von der Praterinsel ist man in die Tagungsräume des Arabella Sheraton Grand Hotel umgezogen. Das ist zwar einerseits nicht mehr ganz so kultig wie die Kellergewölbe, bietet andererseits aber deutlich mehr Platz, was die ganze Veranstaltung etwas entspannter macht. Dazu trägt auch das Rauchverbot bei, das mit Ausnahme der beiden Zigarren-Lounges überall gilt. Was uns weniger gefällt ist das Catering. Statt deftigem Essen auf Bierbänken gibt es vor allem trendige Wraps und Baguettes, die weder stilistisch so recht passen, noch eine vernünftige Grundlage im Magen schaffen. Dafür wird man diesmal im Hauptraum mit dezenter Livemusik unterhalten, was wiederum ganz schön ist.

Wir hatten auch ein wenig den Eindruck, dass der Wechsel zur Interwhisky ein wenig auf die Kosten der kleinen und ausgefallenen Aussteller gegangen ist. Das ist natürlich schade, denn gerade wegen denen ist man ja da. Glenfiddich bekommt man auch in jeder Bar. Es gab aber immer noch ein paar Sachen zu entdecken und vielleicht ändert sich das ja auch wieder, wenn die Messe sich mal in München etabliert hat.

Statt mit Bargeld zahlt man diesmal übrigens alles mit Wertmarken, die man zum Stückpreis von 1 € eintauschen kann. Da das in beide Richtungen geht und man auch einzelne tauschen kann, ist das keine schlechte Regelung, die den Ablauf an den den Ständen schon merklich vereinfacht.

Nun also zum Whisky:

Wir verschaffen uns erst mal ein wenig Überblick und suchen dann nach einem einfachen Whisky um die Geschmacksnerven einzustimmen. Die Wahl fällt auf einen zehnjährigen Aberlour, der zu diesem Zweck genau richtig ist. Das findet auch der Mann aus der Distille, der unser Anliegen mit einem „You won’t find a better start than this one in this whole area.“ kommentiert. Schöner, einfacher Whisky ohne Ecken und Kanten.

Ich bin eigentlich mit dem Vorsatz auf die Messe gegangen, mich diesmal mit dem Thema Grain Whisky auseinanderzusetzen, aber der ist diesmal gar nicht vertreten. Immerhin gibt es einen Stand mit Bourbon und die haben mit dem Wild Turkey Rye 8 years immerhin einen Bourbon mit einem 56% Roggenanteil im Sortiment. Also versuch ich es damit. Allerdings finde ich damit auch schon die klare Enttäuschung des Festivals (glücklicherweise die einzige). Guter Bourbon ist meiner Meinung nach schon eine nette Alternative zu Scotch, vor allem, wenn es heiß ist. Aber der hier schmeckt einfach nur ordinär. Vielleicht mit Cola, aber so brauch ich den nicht.

An dem Punkt teilen wir uns erst mal auf und versuchen verschiedene Sachen. Petra und ich gehen zum Connemara-Stand. Generell hab ich es ja nicht so mit den Iren, aber Connemara ist der einzige Irische Whiskey, der getorft ist und damit mal nicht ganz uninteressant. Und tatsächlich weiß schon der Standard peatet single malt durchaus mal zu gefallen. Sehr frisch und spritzig, mit einer angenehm leichten Schärfe und einem überraschend langen Abgang. Sehr gute Wahl, der kommt mal sicher auf die Einkaufsliste. Wir probieren noch den Zwölfjährigen und den cask strenght (ohne dafür zahlen zu müssen) und fachsimpeln dann noch einige Zeit mit der Frau hinterm Tresen.

Bald sollen noch ein paar Bekannte zu uns stoßen und so gönnen wir uns ein kleines Päuschen und werfen uns auf dem Balkon einen kleinen Snack ein, während wir auf die Verstärkung warten.

Auf dem Weg zurück in die Halle kommen wir als erstes am Hart Brothers Stand vorbei, einem der kleineren unabhängigen Abfüller. Die bieten unter anderem den offiziellen Messewhisky (einen Bowmore) und andere in mehreren Tastings gewählte Sorten an. Schließlich entscheiden wir uns für eine elfjähringe Clynelish-Abfüllung und sind ziemlich begeistert. Für einen recht jungen Whisky hat der erstaunlich viel Charakter. Wie wir erfahren, hat diese Abfüllung in Faßstärke sowohl die Experten- wie auch die Laienabstimmungen mit einem irre hohen Wert gewonnen. Da können wir uns nur anschließen. Einer der absoluten Höhepunkte des Tages.

Ich mach mich dann auf zum Talisker-Stand, um nach der Distiller’s Edition zu fragen, über die ich im Vorfeld schon gelesen hatte. Die gibt es dann auch und auch die weiß – wie eigentlich schon erwartet – durchaus zu überzeugen. Sehr kräftig und intensiv, aber ohne den starken Rauch- und Torfgehalt der anderen Insel-Whiskies. Aus dem längeren Gespräch mit dem Vertriebler bekomme ich auch noch zum Vergleich eine neue Caol Ila Abfüllun. Der Distillery-Master von Caol Ila hat vor 2 Jahren aus einer Idee heraus einen achtjähringen ungetorften Caol Ila ausprobiert. Der war so erfolgreich, dass es im Nachfolgejahr noch eine zweite Auflage gab (den hatte ich) und da auch die schon fast wieder weg ist, wird er nun fest ins Programm aufgenommen. Sehr interessanter Whisky. Nicht nur extrem untypisch für einen Islay (da er ja nicht getorft ist), sondern auch ziemlich untypisch für einen so jungen Whisky, da sehr sanft und trotzdem ziemlich intensiv im Geschmack. Die erste große Überraschung der Messe.

Von einem jungen komme ich dann zum nächsten. Ein paar Meter weiter ist ein Stand von Munich Spirits, die zur Slowdrink-Gemeinschaft gehören. Die wiederum hängen mit Slowfood zusammen, für die ich ja bekanntermaßen einige Sympathien hege. Dort treffe ich dann auch ein paar Leute wieder, die ich am Connemara-Stand kennengelernt habe, und die drücken mir gleich eine der Besonderheiten des Stands aufs Auge. Ein fünfjährige Tomatin-Abfüllung. Jetzt bin ich wirklich baff. Was ich hier trinke, widerspricht allen Erwartungen, die ich an einen dermaßen jungen Whisky habe. Unglaublich mild, rund und weich. Alle am Stand sind der gleichen Meinung – hier hat man wirklich etwas sehr sehr besonderes gefunden. Aus der folgenden Fachsimpelei ergibt sich dann unter anderem noch eine Verköstigung von Whisky-Balsamico, um zum Thema seltsam noch einen draufzusetzen.

Angeheizt durch die Debatten suche ich weiter nach ausgefallenen Sorten. Ich gehe zum ALC HEM YST-Stand (ein weiterer unabhängiger Abfüller) und begutachte dessen Auswahl. Die Entscheidung fällt auf Springbank’s Hazelburn, der mich dann allerdings zugegebenerweise ziemlich überfordert. Ich kann gar nicht genau beschreiben, wonach der genau geschmeckt hat (die allgemeine Meinung in unserer Gruppe ging zu gesalzenem Kandiszucker), aber das war irgendwie nicht mehr meins. Schon durchaus interessant und alles andere als langweilig. Aber andererseits auch einfach zu krass. Vielleicht sollte man den an einem anderen Tag (oder mit frischeren Geschmacksnerven) nochmal versuchen.

Inzwischen sind wir auch alle schon reichlich angeheitert. Meine Experimentierfreudigkeit ist auch nach dem letzten Erlebnis wieder etwas gedämpft und deswegen entscheide ich mich als nächstes mal wieder für einen einfachen Standard. Glenmorangie Burgundy Finish, 12 years. Kein Überflieger, aber ein schöner, runder Whisky. Genau das richtige im Moment.

Wir diskutieren die bisherigen Erlebnisse und tauschen Tipps aus. Ich versuche es nochmal bei ALC HEM YST und versuche deren Bruichladdich-Abfüllung. An sich gehört der Laddie zu meinen absoluten Lieblingswhiskies, aber der hier überzeugt mich nicht so richtig. Nicht übel, aber einfach nichts besonderes. Möglicherweise bin aber wirklich schon zu übersättigt.

Auf den Tipp eines Kollegen teste ich noch den 91er Balvenie Port Wood Finish, der mir dann wieder ganz gut rein geht. Zwar auch keine Geschmacksexplosion, aber ähnlich wie der Glenmorangie ein guter, ehrlicher Whisky mit einem sehr stimmigen Abgang.

Abgang wird dann langsam auch bei uns das Thema. Die Aufnahmefähigkeit ist inzwischen klar an der Grenze. Also auf zur letzten Runde und dann ab in die nächste Wirtschaft, richtig fettes Essen einfahren. Zum Abschluss braucht es natürlich noch mal was krasses. Also rüber zu Ardbeg und mal nachgefragt, ob es neue Torfgranaten gibt. Gibt es. Ich probiere den Still Young, Petra den Airigh Nam Beist von 1990. Der erste entspricht den Erwartungen (Torf- und Rauchattacke, alle Rohre feuer frei), der zweite erweist sich (ähnlich wie der Uigeadail, den Ardbeg letztes Jahr heraus gebracht hat) als sehr sehr komplexer Zeitgenosse. Natürlich auch extrem, aber nicht ganz so bissig und wild wie der Still Young, dafür mit langem und facettenreichen Abgang. Damit ist dann auch definitiv der Schlußpunkt gekommen, nach dem hätte sich kein anderer mehr durchsetzen können.

Fazit: Schön wars. Die Interwhisky ist ein würdiger Nachfolger für das Whisky Festival und ist damit auch nächstes Jahr wieder Pflichttermin.

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