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Skeptizismus, Whisky und Politik

Zweites Whiskytasting von Munich Spirits in München

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Die Jungs von Munich Spirits haben wir auf dem letzten Whiskyfestival in München kennen gelernt und uns in deren Newsletter eingetragen. Darüber haben wir von den beiden Tastings erfahren, die seit dem Festival veranstaltet wurden und die beide ein ziemlich interessantes Programm hatten. Am ersten konnten wir aus Termingründen leider nicht teilnehmen, aber beim zweiten mit dem Thema „Great drams from different places“ hat es jetzt geklappt. Um es gleich vorweg zu nehmen, es war ein sehr gelungener Abend mit interessanten Whiskies und Gesprächen, netten Leuten und einer insgesamt sehr angenehmen Atmosphäre. Es wurde viel gelacht, fachgesimpelt und natürlich auch getrunken und ich denke mal, dass keiner der 18 Beteiligten unzufrieden nach Hause gegangen ist.

Der einzigste kleine Kritikpunkt war vielleicht der Veranstaltungsort, denn das Siemens Sportheim am Ostbahnhof hat jetzt nicht unbedingt das stimmungsvollste Ambiente, wird aber wohl auch nicht die endgültige Lösung für die Tastings sein.

Nun aber zu den Whiskies:

1. Oban, OB Distillers Edition 1992-2006, finished in Montilla Fino Sherry, 43%

Zum Anfang was einfaches zum Einsteigen. Wir haben ja noch einiges vor uns. Mit dem normalen Oban kann ich nicht besonders viel anfangen, weil der für mich sehr einfach, schnapsig und unspektakulär schmeckt. Dieser hier profitiert aber deutlich vom Sherry Fass und weiß dadurch auf alle Fälle mehr zu überzeugen als sein einfacher Bruder. Ein sehr schöner, ehrlicher, einfacher Whisky mit einer deutlichen Honignote. Andere hatten noch die Assoziation von weißen Traubenschalen, bei der ich mir aber nicht so sicher war, ob ich sie wirklich geschmeckt oder nur unterstellt habe.

Mit den folgenden Whiskies konnte der Oban natürlich nicht mithalten, dafür war er zu unspektukär. Aber man tut ihm auch ein bisschen unrecht, ihn mit den anderen zu vergleichen, weil er einfach in eine ganz andere Kategorie fällt (natürlich auch preislich). Aus meiner Sicht ein schöner Einstieg.

2. Argyll Malt, for The Vintage House by Douglas Laing, July 1997 – April 2006, Cask 2533 (Bourbon), 296 Fl,. 58,8%

Hinter dem Argyll verbirgt sich eigentlich ein Hazelburn, der aber aus rechtlichen Gründen nicht so heißen darf. Erfahrungsgemäß nicht so ganz mein Ding und auch dieser hier macht da keine Ausnahme. Sowohl im Geruch wie auch im Geschmack steht hier eine Salznote im Vordergrund, die mich einfach nicht so anspricht. Kein schlechter Whisky, aber einfach nicht meine Welt. Dazu kommt in dem Fall noch sein junges Alter, das einfach an Tiefe vermissen lässt und der Salznote noch eine Schärfe hinzufügt (die sich übrigens mit ein paar Tropfen Wasser noch mal deutlich verstärkt). Nicht meins, für mich persönlich der schwächste Vertreter des Abends.

3. Aberfeldy, „The Cross Hill“, 1975-2006, Bourbon Cask, 146 Fl., 56,2%

Eine ganz andere Kategorie dann der nächste Whisky des Abends. 31 Jahre alt, sanft und komplex, mit einer deutlichen Beerennote – größer kann der Kontrast eigentlich kaum sein. Für die meisten Anwesenden war hier auch schon der Gewinner des Abends am Tisch. Mich hat er allerdings nicht ganz so überzeugt. Ich war zwar hin und weg vom Geruch, der Geschmack hat mich aber nicht ganz so gefesselt. Schon gut, aber halt kein Überflieger. Ein Fehler vielleicht auch, dass ich ihn dann noch mit ein wenig Wasser probiert hab, denn damit hat er einiges an Geschmack verloren und dafür eine Schärfe bekommen, die er pur trotz seiner Stärke nicht hatte.

4. Lagavulin, Moon Import „Horae Solaris“, 1988-1998, 1300 Fl., 50%

Als großer Lagavulin-Fan war ich auf den sehr gespannt, vor allem weil er als komplett anders angekündigt war als die anderen Whiskies aus dieser Distillery. Unter anderem hat die Beschreibung „an Autan-Mückenspray erinnernd“ im Vorfeld schon für einige Belustigung gesorgt. Anders war er dann auch tatsächlich, vor allem ungewöhnlich leicht, allerdings trotzdem als Lagavulin erkennbar (auch wenn er mich ziemlich an jungen Laphraoig erinnert hat – eine Einschätzung, mit der ich aber eher allein dastand). Pit hat es ganz schön beschrieben, die typische Note in einem Lagavulin erinnert an Schwarztee, den man zu lange ziehen gelassen hat. Das war auch in diesem hier zu finden, aber zusammen mit einer sehr frischen und zitrusähnlichen Schärfe. Autan hab ich nicht herausgerochen – zuerst. Nachdem ich allerdings mein Glas mit Wasser ausgespült hatte und dann noch mal daran gerochen hab, konnte ich die Assoziation schon nachvollziehen.

Sicher nicht der beste Lagavulin, den ich getrunken hab, aber in der Tat nicht uninteressant.

Jetzt war Pause und Zeit für einen kleinen Imbiss in Form von Wurst- und Käseplatten, bevor es an die schweren Geschütze ging.

5. Old Kentucky, Amber Bourbon, 10 y.o., 45%

Die Eröffnung nach dem Essen ist keine leichte Aufgabe und der Whisky hat es besonders schwer. Vor allem, wenn es sich um einen Boubon handelt, der damit generell schon mal völlig aus der Reihe fällt. Demzufolge hatte der Old Kentucky dann auch ein ähnliches (aber größeres) Problem wie der Oban. Unter Seinesgleichen wäre er wohl recht weit oben gekommen, aber in diesem Feld konnte er nur verlieren, was er in der Abschlusswertung dann auch sehr deutlich tat. Zu Unrecht meiner Meinung nach, da er für einen Bourbon schon recht außergewöhnlich war. Natürlich standen auch hier Vanille und Lakritz klar im Vordergrund und durch die (für einen Bourbon ziemlich langen) 10 Jahre kam auch das Holz sehr deutlich raus. Insgesamt aber trotzdem relativ vielschichtig. Kann man an einem heißen Sommerabend schon gut trinken.

6. Caperdonich, Douglas Laing Platinum Selection, 1973-2006, Rum Finish, 49,2%

Zurück zum Malt. Und was für einer. Intensiver, wuchtiger Geruch nach in Rum eingelegten Früchten. Der erste Schluck ziemlich frisch, wandelt sich dann aber im Mund komplett zu einem warmen, fruchtigen Abgang. Ziemlich komplex, was man bei dem Alter ja auch erwarten darf. Auch wenn die meisten das anders gesehen haben, lag der Caperdonich für mich klar vor dem Aberfeldy. Wunderbare Entwicklung, schön vielschichtig, auch wärmer tiefer. Bis zu dem Zeitpunkt mein klarer Höhepunkt. Aber es sollten ja noch 2 Whiskies kommen. Und was für welche.

7. Port Ellen, „The Whisky Fair“, Douglas Laing Platinum Shape, 1983-2007, 150 Fl. 56,7%

Um es gleich vorwegzunehmen: der Wahnsinn! Alles, was wir an diesem Abend getrunken haben, war mindestens gut. Aber dieser Port Ellen ist genau das, was die Faszination am Single Malt für mich ausmacht. Unheimlich komplex und vielschichtig. Diesen Whisky kann man jahrelang trinken und entdeckt jedes mal noch was neues darin. Natürlich ein typischer Islay-Whisky mit viel Torf, etwas Süße darunter, und einem wuchtigen, schweren Geschmack. Aber eben mit unheimlich vielen Facetten vom Geruch über den ersten Geschmack auf der Zunge bis zum Abgang und Nachgeschmack, den man noch nach Minuten im Mund hat. Interessant auch, dass man trotz 56% Alkohol nie auf die Idee kommt, dass man da Wasser zugeben müsste (oder nur sollte). Schon pur absolut perfekt.

Insgesamt kam er erst auf dem dritten Platz, für mich war das die klare und unumstrittene Nummer 1. Großartig.

8. Ardbeg, Douglas Laing OMC, 1975-2002, Sherry Cask, 342 Fl., 50%

Zum Schluss dann noch was ganz besonderes, was es in der Form kaum mehr gibt (und was sich dann auch in einem Flaschenpreis von knapp 500€ niederschlägt): ein alter Ardbeg aus dem Sherry-Fass. Schon die extrem dunkle Farbe kündigt einiges an. Der Geschmack ist mit seiner wuchtigen, öligen, torfigen Schwere ein typischer Ardbeg, der einem voll in die Magengrube treten würde, wenn da nicht diese schokoladenähnliche Süße mit drin wäre, die ihn zu etwas ganz besonderem macht. Sehr genialer Malt für besondere Stunden (in denen man sich schon Zeit für ihn nehmen sollte), der sich bei mir locker auf den ersten Platz gehievt hätte, wäre da nicht schon der Port Ellen gewesen, der hier die Nase doch vorne hatte. Auf alle Fälle ein würdiger Abschluss.

Danach gab es noch gemütliches Beisammensein, in dessen Zuge noch die eine oder andere mitgebrachte Flasche angetestet wurde (und bei dem mir deutlich klar wurde, dass mein bescheidener Bestand den Namen „Sammlung“ nicht ansatzweise verdient).

Fazit: Ein sehr gelungener Abend mit großen Whiskies. Als Wermutstropfen bleibt, dass beinahe alle verköstigten Abfüllungen entweder gar nicht mehr oder nur schwer und zu hohen Preisen erhältlich sind. Schön, sie trotzdem mal getrunken zu haben.

Ich freu mich schon aufs nächste Mal!

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