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Skeptizismus, Whisky und Politik

Zweites Whiskyfestival in München

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Es war wieder soweit – das zweite Münchner Whiskyfestival. Letztes Jahr war das richtig gut und so waren wir voller Vorfreude. Unsere Befürchtungen, dass es dieses Jahr noch voller werden würde, schienen sich am Eingang gleich mal zu bestätigen. Eine gute halbe Stunde brauchten wir für die Schlange am Kasse und Garderobe (beides aber wenigstens im Innenbereich). Unsere Laune ist aber trotzdem gut, die Vorfreude überwiegt deutlich. Das Team bestand dieses Mal wie im Vorjahr aus Jan (einem Kollegen von mir), meiner Freundin Petra und mir. Später kam dann noch Flo, ein Freund von mir nach.
Dann sind wir endlich drin und bis auf zwei drei Nadelöhre geht es eigentlich auch von der Enge her. Es gerade noch gemütlich und noch nicht zu voll. Also los.

Runde 1: Glenlivet-Stand
Wir beschliessen, was einfaches zum Einstieg zu nehmen und gehen erst mal zu Glenlivet direkt neben der Garderobe. Ich hab den 12jährigen zu Hause und mag den ziemlich gern. Ein einfacher aber solider Scotch, guter Every-Day-Whisky. Wir probieren den 15jährigen, der bei Petra und mir recht viel Anklang findet, Jan ist er allerdings zu ölig. Nach der Zugabe von etwas Wasser ist aber auch Jan überzeugt. Guter Einstieg.

Runde 2: SCOMA-Stand
Wir wollen uns erst mal einen Ãœberblick verschaffen, da die Messe diesmal nicht im Erdgeschoss der Räume stattfindet, sondern im Keller. Dabei entdecken wir den SCOMA-Stand, der Versand, bei dem ich immer bestelle. Der Besitzer Dr. Settler ist absoluter Liebhaber und selber anwesend. Zur Verköstigung stellt er eine ganze Reihe an besonderen Whiskies zur Verfügung. Nicht unbedingt billig, aber eben was besonderes. Das lassen wir uns nicht entgehen und trinken einen 30jährigen Highland Park. Settler erklärt uns, dass einige wenige Whiskies eine lange Reifung im Fass gut überstehen und an Geschmack gewinnen statt „hölzern“ zu werden. Neben Macallan ist das eben Highland Park. Und dieser 30jährige ist wirklich verdammt gut. Geschmacklich klar das Highlight des Abends. Mit 100 Euro ist die Flasche auch gerade noch so bezahlbar. Mal sehen, vielleicht gönn ich mir den mal für besondere Gelegenheiten.

Später muss ich allerdings feststellen, dass der Listenpreis bei gut 480 Euro liegt. Hat er sich wohl verschaut, der gute Herr Settler. Vielleicht hätten wir gleich eine Flasche kaufen sollen 😉

Runde 3: Jack Daniels-Stand
Nach dieser Geschmacksexplosion können andere Single-Malts nur verlieren, also muss ein Kontrast her. Also geben wir mal den besseren Amerikanern eine Chance. Von Jack Daniels gibt es neben dem Standard-Produkt aus dem Supermarkt die besseren Versionen Single Barrel, Gentleman Jack und Silver Edition, die wir uns alle erklären lassen und dann auch probieren. Gar nicht mal übel. Kommt natürlich nicht an Scotch ran, aber vor allem der Gentleman Jack weiss mit seinem fruchtigen Geschmack durchaus zu gefallen. Kann man also durchaus mal als Alternative in Erwägung ziehen.

Pause
Petra und ich haben heute noch nichts richtiges gegessen und wir wollen auch nicht zu viel „Vorsprung“ gewinnen, bevor Flo dann zu uns stösst. Also rüber ins Zelt, wo es Essen und Musik gibt. Da spielen inzwischen die Cellarfolks aus Starnberg irische Klassiker. Wir genehmigen uns eine sehr ordentliche Portion Roastbeef mit Folienkartoffel und hören noch ein wenig die Band an. Dann meldet sich Flo vom Eingang per Handy und wir gehen zurück in die Messeräume.

Runde 4: Macallan-Stand
Nun zu viert gehen wir zu Macallan. Über den hab ich oft gelesen und bin ziemlich gespannt. Wir entscheiden uns für den 15jährigen. Allerdings dann auch ziemlich enttäuscht. Geschmacklich ziemlich unspektakulär, vergleichsweise kurz und scharf, erinnert ziemlich an Glenfiddich oder auch Glenmorangie. Dafür, dass Macallan mit Abstand zu den teuersten Single Malts gehört, ist das klar zu wenig.

Runde 5: nochmal Macallan-Stand
Alledings gibt es hier auch Highland Park und wir wollen zum Vergleich mit dem 30jährigen hier noch den 18jährigen trinken. Der entschädigt dann auch wieder für den Macallan. Natürlich kann mit seinem älteren Bruder nicht mithalten, aber ich mag den trotzdem sehr gern. Highland Park hat einfach zu seinen rauen Charakter eine ganz eigene Note, die ich sehr schätze.

Runde 6: Bruichladdich-Stand
Flo möchte auch noch zu Jack Daniels, wir gehen derweil zu Bruichladdich. Ãœber diese kleine Islay-Distille hab ich einiges sehr sympathisches gelesen und der Besuch hier ist für mich der Pflichtpunkt des Abends. Der Eindruck, den ich im Netz hatte, bestätigt sich auch am Stand. Hier ist Jim McEwan, der Production Director der Distillery mit 3 Mitarbeitern anwesend und da die 4 sich nicht auf Wasser beschränken, ist die Stimmung ziemlich ausgelassen. McEwan erklärt uns aber trotzdem gern ausführlich die verschiedenen Jahrgänge. Man merkt, wie seine Augen zu strahlen beginnen, wenn er von seinem Whisky redet. Dazu gibt es Witzchen und Albereien mit den anderen. Was ein Spaß. Petra muss dann auch ihre Probe gar nicht zahlen und nach der ersten Runde „Laddie“ schenkt er mir dann aus seinem persönlichen (und ziemlich vollen) Glas einen ordentlichen Schluck Glenfarcas Special Reserve 1974 ein und meint grinsend „now try this one, that’s what I prefer“. Der hat es dann auch in sich. Tougher Whiskey mit langem und sehr intensiven Nachgeschmack. Wobei ich den beiden Bruichladdichs (15 und 20 Jahre) den Vorzug geben würde. Nicht ganz so torfig wie die anderen Islays und auch sonst ein bisschen „feiner“, aber halt schon der typische raue Inselgeschmack.
Hier hatten wir auf alle Fälle richtig viel Spaß.

Runde 7: Hart Brothers-Stand
Hart Brothers ist ein unabhängiger Abfüller, der eingene, spezielle Abfüllungen ausgewählter Sorten anbieten. Einer der Gutscheine auf der Eintrittskarte ist von denen und so lassen wir uns einfach mal überraschen. Ich entscheide mich für einen 9jährigen Caol Ila, die anderen trinken verschiedene Highlands (deren Namen ich aber nicht mehr weiss). Der Caol Ila ist Torfattacke pur, aber sehr sehr geil, trotz seines vergleichsweise geringen Alters. Ich bin beeindruckt.

Runde 8: Classic Malts of Scottland
Die anderen wollen unbedingt noch Dalwhinnie trinken und wer bin ich, mich dem zu widersetzen. *g* Jan, Flo und ich trinken die 90er Special Edition – leider eine ziemliche Enttäuschung, die nicht ansatzweise an den normalen 15jährigen rankommt und schon gar nicht an die 89er Special Edition (vielleicht geben aber auch unsere Geschmacksnerven nicht mehr genug her). Petra wählt die 12jährige Distiller’s Edition von Talisker (ihre bevorzugte Marke) und die überzeugt dann schon eher.
Dann verballern wir an dem Stand noch unseren letzten Gutschein (Clynelish – 12 Jahre – OK aber nicht besonders spannend) und beschliessen dann, den Abend langsam ausklingen zu lassen.

Runde 9: Scapa-Stand
Zum Abschluss noch einen Absacker – was bekanntes und gutes. Scapa ist einer meiner Lieblingswhiskies und das soll dann auch der letzte für heute sein. Der geht mir zum Schluss dann auch noch mal richtig gut rein. Wir verziehen uns mit den Gläsern in einer der Sitzecken. Kurze Zeit später müssen wir dann aber leider die gerade angefangenen Diksussionen beenden, weil die Messe schliesst (was, schon 4 Stunden vorbei? *g*).

Hat sich auf alle Fälle wieder sehr rentiert und war auch ziemlich informativ. Auf die Einkaufsliste kommen Bruichladdich und Highland Park. Und ich freu mich schon wieder aufs nächste Jahr …

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