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Skeptizismus, Whisky und Politik

Schottland IV – Pitlochry – Loch Ness

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Am Vormittag machen wir uns auf zum Damm am River Tummel. Von hier aus kann man um den Stausee herum durch die Wälder wandern. Zurück durch Pitlochry und auf der anderen Seite des Orts weiter zu Fuß zu Edradour, Schottlands kleinster Distillery. Lediglich 3 Angestellte arbeiten in der Produktion, hergestellt werden knapp 90.000 Liter pro Jahr (zum Vergleich: Arbeg, die kleinste Distillery auf Islay, produziert 1.500.000 Liter jährlich). Da hier alles recht übersichtlich ist und die Führung obendrein erstaunlicherweise umsonst, beschließen wir hier eine Tour mitzumachen.

Leider trifft allerdings gleichzeitig mit uns ein Reisebus mit einer Gruppe älterer Herrschaften ein und auf eine Tour im Gerontentroß haben wir eher wenig Bock. OK, Führungen sind halbstündlich und das Wetter ist auch OK. Warten wir also auf die nächste. Zu der trifft allerdings wieder passend der nächste Bus ein. Wir wittern eine Verschwörung. Zu recht, wie sich herausstellt. Da Edradour ein beliebtes Touristenziel ist und die Kapazitäten der kleinen Distille eher beschränkt, müssen Busse sich vorher anmelden und werden dann in einen Zeitplan gepackt, der sie einzeln halbstündlich vorfahren lässt. Also doch unterwegs im Altherrenrudel. Es ist dann aber doch ganz interessant, auch wenn es wenig wirklich neues zu erfahren gibt, man andererseits schon recht dick mit Eigenwerbung aufträgt und es auch mit den Fakten nicht unbedingt so genau nimmt. Nicht nur, dass der Whisky hier eben nicht „komplett handgemacht“ ist, denn statt selber zu Mälzen kauft man aus Kostengründen das Malz fertig an und in den Großmälzereien wird mal gar nichts von Hand gemacht, auch die Behauptung, man würde als einzige Distille noch von Hand arbeiten während alle anderen inzwischen automatisiert und wären, ist an sich schon eine ziemlich dreiste Lüge. Bis auf die geringere Menge unterscheidet sich der gesamte Herstellungsprozess nicht im geringsten von vielen anderen Distillerien. Wie auch? In der Whisky-Herstellung gibt es eben auch nicht viel, was sich wirklich automatisieren lassen würde. Aber sei’s drum, das Ganze hat schon Charme. Und neben der Standard – 10y – Abfüllung probieren wir dann nach der Führung auch noch ein paar andere, die in der Tat nicht übel sind.

Nach dem Ausnüchterungs-Fußmarsch zurück nach Pitlochry ging es dann weiter nach Norden Richtung Loch Ness. Da das Wetter unterwegs so richtig beschissen wird, beschränken wir die Besichtigungen auf einen kurzen Phototermin bei Dalwhinnie und betrachten die Gegend ansonsten vor allem aus dem Auto. Was aber auch nicht so dramatisch ist, dann so viel sehenswertes gibt es eh nicht. So ziemlich jede andere Region, die wir in Schottland gesehen haben, lässt Loch Ness ziemlich alt aussehen. Von dem her ergibt das mit Nessie schon Sinn, irgendwie muss man die Touristen ja herbekommen.

Unterkunft finden wir im Aylsham B&B, einem sehr schnuckligen kleinen Häuschen in Drumnadrochit. Zwar erklimmt der Kitsch in diesem Haus eindrucksvoll den Höhepunkt der Reise (und das war wahrhaftig nicht einfach), aber die Besitzer Jeanette und George sind mehr als herzlich und die Ausstattung lässt auch keine Wünsche offen. Darüber hinaus ist Jeanette eine sehr gute Köchin, die uns klar das beste Frühstück der Woche serviert, und George ein sehr geselliger Gesprächspartner. Vor allem, wenn das Thema Whisky ist.

Essen fassen wir in der Sportsbar im Ort. Einfach wäre für die Ausstattung noch übertrieben und das Essen ist auch ziemlich mau, aber zum Ausgleich kann man hier die Eingeborenen in ihrer natürlichen Umgebung beobachten, was ja auch durchaus spannend sein kann.

Wir beschließen den Abend in der guest lounge des B&B, die ich gar nicht erst zu beschreiben versuche. Das übersteigt meine literarischen Fähigkeiten bei weitem.

Whiskies Of The Day:

Bei Edradour hatten wir den 10y (nicht spektakulär, aber ein durchaus angenehm), den cask strength aus dem Sherryfass (deutlich besser und für einen Highland-Whisky ziemlich mächtig), den un-„chill filtered“ (eine Spur interessanter als die normale Abfüllung), den getorften, der unter dem Namen Ballechin verkauft wird (hat mich nicht so richtig überzeugt, das mit dem Torf sollte man vielleicht anderen überlassen) und einen „straight from the cask“ mit bordeaux-finnish (nette Variante zum regulären).

Ach ja, und in der Lounge hatten wir natürlich wieder unseren Glenlivet.

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