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Skeptizismus, Whisky und Politik

Schottland VI – The Trossachs – Inveraray

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Nachdem wir uns noch ein wenig Oban im Sonnenschein gegeben haben, geht es wieder Richtung landeinwärts. Aufgrund des guten Wetters machen wir eine Schleife nach Osten zu den Trossachs, einem Nationalpark nördlich von Glasgow. Hier laufen wir ein kleines Stück auf dem West Highland Way, einem Wanderweg von Glasgow nach Fort William, dessen Begehung laut Reiseführer der heimliche Traum eines jeden Schotten ist (ich wage es, leichte Zweifel anzumelden). Der Weg ist aber tatsächlich recht schön und die insgesamt 95 Meilen Wanderweg könnte man tatsächlich mal irgendwann in ganzer Länge gehen (ich mache das jetzt mal zu meinem heimlichen Traum, auch ohne Schotte zu sein).

Das Wetter wird leider im Laufe des Tages wieder schlechter und wir fahren zurück an die Küste. Endpunkt der heutigen Etappe ist Inveraray, der Sitz des Duke of Argyll. Selbiger hat die komplette Stadt im 18. Jahrhundert abreißen und nach seinen Vorstellungen wieder aufbauen lassen. OK, so groß ist Inveraray auch nicht, eher das Gegenteil. Die meisten Gebäude der Old Town stammen aus dieser Zeit. Allerdings klingt das spektakulärer, als es tatsächlich ist. Inveraray ist ein ziemliches Kaff, das im wesentlichen aus einer Straße besteht, um die sich die historischen Häuser drängen. Und auch bei denen würde die Historie kaum auffallen, wenn man es nicht wüsste. Ein nettes schottisches Städtchen eben. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören neben dem Schloss des Duke (dass der heutige noch bewohnt), dem Glockenturm und dem Marinemuseum ein historisches Gefängnis, das weithin beworben wird. Das besichtigen wir heute noch und es ist in der Tat ganz interessant. Nach einem blutrünstigen Einstieg über Strafen und Folter im Mittelalter gibt es eine Reise durch das schottische Justizsystem bis zum heutigen Tage. Dazu kann man die Gefängnis- und Gerichtsräume besichtigen, die mit Puppen und Figuren ausgestattet sind. Weiterhin sind zwei reale Personen unterwegs, die einen mit Infos versorgen und ein wenig Gefängnisalltag spielen. Interessant ist hierbei vor allem der ziemlich konsequente Schwenk von menschenunwürdigen Haftbedingungen hin zu humaner Unterbringung im frühen 19. Jahrhundert. Etwas anstrengend hingegen die Dame, die in historischer Gewandung die Besucher mit Infos versorgt. Die macht ihre Sache zwar an sich gut, ist aber leider etwas übermotiviert und nur noch schwer zu bremsen, wenn sie einmal in den Redefluss gekommen ist. Wir treffen mehrere andere Besucher, die versuchen, ihr zu entkommen und einen Weg durch das Jail zu finden, der sie möglichst an ihr vorbeiführt.

Als Unterkunft finden wir ein vergleichsweise teures, aber auch sehr komfortables (und geschmackvolles) B&B im neuen Teil der Stadt. Nicht nur, dass die Zimmer hier gehobenen Hotelstandard aufweisen, vor allem das Kaminzimmer mit richtigem brennenden Kamin und schweren Ledercouchen hat es uns bei dem Wetter angetan (typischerweise gibt es zwar in einigen B&Bs Kamine, meist sind die aber zugemauert und mit einem mässig überzeugenden elektrischen Feuerimitat versehen, weswegen uns der Raum hier besonders erfreut). Eigentlich wollten wir hier vor dem Feuer ein wenig lesen, kommen aber schnell in ein längeres und angeregtes Gespräch über Schottland und die Welt mit einem älteren schottischen Ehepaar, das hier gerade seinen Urlaub verbringt. Sehr nett.

Auf deren Tipp hin nehmen wir unser Abendessen im The George ein, einem (natürlich ebenfalls historischen) Hotel in der Altstadt, das sowohl einen sehr urigen und gemütlichen Bar- / Restaurantbereich aus dunklem Holz wie auch eine ganz ordentliche Küche hat. Danach treffen wir im Kaminzimmer wieder auf die beiden Schotten und führen weitere Gespräche, vor allem über Whisky.

Whiskies Of The Day:

Im Kaminzimmer gibt es unseren Glenlivet, der langsam zur Neige geht (obwohl es eine Literflasche ist). Aber wir sind ja bald auf Islay.

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