The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Schottland VIII – Essen und Trinken

| 1 Kommentar

An dieser Stelle wird es mal Zeit für einen kleinen Einschub über die kulinarische Seite des Urlaubs. Nachdem man auf die Insel fährt, rechnet man ja schon mit dem schlimmsten. Aber Schottland ist da glücklicherweise nur zum Teil englisch. Richtig mieses Essen oder irgendwelche Schweinereien in Pfefferminzsauce findet man dann doch eher selten.

Das Essen in den Pubs oder Restaurants (die deutlich teurer sind aber auch eine umfangreichere Speisekarte besitzen) war eigentlich immer ordentlich bis sehr gut. Einziger Kritikpunkt hierbei ist, dass die Auswahl auf Dauer etwas einseitig ist. Es finden sich meist die gleichen 5-10 Gerichte auf den Karten und die sind auch oftmals gleich zubereitet. Fisch, Lamm, Wild und Rind dazu die Klassiker Haggis (Schafsinnereien und Getreide im Schafsmagen gekocht – klingt furchtbar, kann aber durchaus sehr lecker sein) und Black Pudding (Blutwurst) finden quasi immer auf der Speisekarte. Für jemand wie mich, der die Variation schätzt, nicht gerade das Paradies. Für ein wenig Abwechslung sorgen lediglich ein paar Inder und ab und an ein Italiener. Im Großen und Ganzen ist die Dinner-Situation aber schon OK.

Deutlich schlechter sieht es für den Snack zwischendurch aus. Hier steht für den Schotten leider das allgegenwärtige labbrige Sandwich relativ allein auf weiter Flur. Mit etwas Glück gibt es eine Soup Of The Day, ansonsten bleibt einem außer Süßkram eigentlich nur Obst. Zumindest letzteres ist wenigstens eine Alternative, aber oft auch recht teuer.

Ganz schlimm ist letztlich die Frühstücks-Situation. Es ist ja leider generell so, dass etliche Nationen dieser Mahlzeit eher wenig Aufmerksamkeit schenken. In Schottland herrscht hier ganz klar der schlechte britische Geschmack. Spiegeleier mit fettem gebratenem Speck, eine gebackene Tomate, die (von Kontinentaleuropäern völlig zu Recht gefürchteten) Sausages, weiße Bohnen in Tomatensauce und dazu Toast mit gesalzener Butter und bitterer Orangenmarmelade sind der Standard. Als Variation gibt es zusätzlich den bereits erwähnten Haggis, Black Pudding und Porridge (Haferbrei). Das kann ja mal ganz OK sein, aber täglich wird das sehr schnell zum absoluten Horror. Am Ende der ersten Woche musste ich mich wirklich dazu zwingen, wenigsten noch die Eier zu essen. Glücklicherweise bekommt man in den meisten B&Bs wenigstens noch Corn Flakes, das entspannt die Situation etwas. Trotzdem war ich heilfroh, dass wir uns in der zweiten Woche selber versorgt haben. Auch wenn das Frühstück gut gemacht ist (Jeanette hat im Aylsham B&B ein wirklich hervorragendes „Nessie’s Nest“ zubereitet – Haggis in Whiskycreme mit einem Ei in der Mitte), auf Dauer kann man es einfach nicht mehr sehen (oder riechen oder gar schmecken).

Gruslig ist (wie in vielen Ländern) auch die Brotsituation. Bäckereien gibt es kaum, das meisten ist abgepacktes und todlangweiliges Weißbrot aus der Fabrik, dass es im Supermarkt gibt. Wie nach vielen Urlauben war es mal wieder eine Wohltat, zu Hause die erste Scheibe richtiges Brot zu essen.

Zwei weitere Bereiche müssen noch (negativ) erwähnt werden. Der erste ist nicht so dramatisch. Da ich eh vorzugsweise Wasser trinke, wäre mir kaum aufgefallen, dass ausnahmslos alle Softdrinks völlig überzuckert und mit künstlichen Aromen vollgeballert sind. Das kann ich also verkraften. Aber der zweite Bereich ist mir als Bayer dann doch ein Anliegen. Das Bier. Liebe Schotten, ihr habt wirklich sehr viel Ahnung von Whisky. Aber was Bier angeht, da müsst ihr noch sehr viel lernen. Prost. *g*

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.