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Skeptizismus, Whisky und Politik

Schottland XII – Bruichladdich (Islay)

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Nach zwei wunderschönen Tagen ist der Himmel heute bedeckt, wodurch es gleich spürbar kühler ist. Also planen wir für heute mal eine Distillery-Besichtigung. Bruichladdich liegt nahe und so vereinbaren wir telefonisch einen Termin (auf Islay muss man sich in allen Distillen für die Führungen voranmelden).

Außer uns nimmt nur noch eine ältere Dame aus England an der Führung teil, was die Sache schon sehr viel persönlicher macht als bei der Massenabfertigung in Edradour. Unter anderem haben wir hier auch die Möglichkeit, verschieden stark getorfte Malzsorten zu probieren und zu vergleichen. Dabei ist auch das Malz für den Octomore, den mit weitem Abstand am stärkste getorften Single Malt überhaupt, der in ein paar Jahren fertig sein wird. Wenn der nur halbwegs so krass werden wird wie das Malz, dann dürfte die Ankündigung von Produktionschef Jim McEwan, dass er das „ultimate Islay beast“ werden wird, der einem mit seinem Torf den Kopf abschraubt, wohl kaum übertrieben sein. Ich bin gespannt. Im Shop gibt es ein Bier, das von Islay Ales mit dem Octomore-Malz gebraut wird. Da können wir natürlich nicht widerstehen. Allerdings erweist sich das als absolut untrinkbar. Schon beim Öffnen der Flasche meint man, eine Räucherkammer zu betreten. Der Geschmack hat mit Bier rein gar nichts mehr zu tun, das hat eher was von Räucherschinkensaft. Alle Exotik in Ehren, aber ich gieße mein restliches Glas dann doch in den Ausguss.

Ansonsten wäre die Führung eigentlich ganz nett, wäre das Mädel, das uns durch die Distillery führt ein wenig mehr bei der Sache (und an der Thematik an sich interessiert). Insgesamt eher ein geht so.

Gehen wir also zum Verköstigen über.

Der Shop von Bruichladdich hat die Besonderheit, dass man sich hier seinen eigenen Whisky aus dem Fass abfüllen kann. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Zwei Whiskies stehen zur Auswahl. Flo nimmt „The Vatican“, eine auf 4300 Flaschen limitierte Abfüllung, die zu Ehren des kürzlich wiedereröffneten „Warehouse 12“ in dessen Namen trägt.

Ich nehme den First Cut 07, einen nur sechsjährigen Whisky, der zwar in Bruichladdich distilliert, dann aber in den alten Lagerhäuser der ehemaligen Distillery in Port Charlotte eingelagert wurde. Bruichladdich hat das Gelände aufgekauft und plant, die Distillery als zweites Standbein wieder in Betrieb zu nehmen. Im Mai diesen Jahres war der Spatenstich und zur Feier des Tages wurde dieser Whisky aus den Lagerhallen geholt, der trotz seines sehr jungen Alters eine erstaunliche Reife besitzt. Das lässt für Port Charlotte doch schon mal hoffen. Natürlich gibt es beide Whiskies nur direkt in der Distille aus dem jeweiligen Fass.

Inzwischen hat auch das Wetter wieder aufgerissen und es ist angenehm sonnig. Wir fahren weiter nach Süden an die andere Spitze der Insel nach Protnahaven und erkunden dort die Gegend.

Abendessen gibt es diesmal im Port Charlotte Hotel, das als eines der besten der Insel gilt. Die Preise sind auf alle Fälle schon mal entsprechend, trotzdem sind alle Tische schon belegt. Wir bekommen gerade noch so ein Plätzchen in der Lounge und sind schon sehr gespannt auf die vielgerühmte Küche. Die bleibt allerdings leider ziemlich deutlich hinter den Erwartungen zurück. Da gibt es mal sicher keinen Michelin-Stern für.

Sehr eindrucksvoll hingegen ist das Whisky-Sortiment in der Hotelbar, das sich war auf die Islay-Whiskies beschränkt, von denen aber eine wirklich unglaubliche Auswahl und besonderen Abfüllungen anbietet. Leider sind auch die Preise ziemlich unglaublich so dass wir schweren Herzens auf eine geschmackliche Erkundung verzichten und uns aufs Staunen zu beschränken. Ich mag gar nicht dran denken, welche Schätze uns da entgangen sind, aber das war einfach jenseits unserer finanziellen Möglichkeiten.

Anstelle dessen wenden wir uns also lieber zu Hause unseren Flaschen zu, was ja auch nicht grundsätzlich verkehrt ist.

Whiskies Of The Day:

Neben unserem Infinty haben wir in der Distillery den 12jährigen getrunken, der mich immer wieder positiv überrascht. Wir haben natürlich die beiden Fässer probiert. „The Vatican“ ist ein recht typischer Laddie, der First Cut hingegen ist natürlich mit Fassstärke und gerade mal 6 Jahren auf dem Buckel schon ein ziemlich wilder Kerl. Überraschend dunkle Farbe, sehr intensiver Geruch nach den Bourbonfass, und eine Schärfe, wie man sie von Bruichladdich nicht gewöhnt ist, die sich aber sehr schnell in eine feurige Wärme wandelt. Ein durchaus würdiger Vertreter.

Außerdem hatten wir noch den 3D3, den einzigen getorften Laddie. Der kann meiner Meinung nach zwar nicht ganz mit den Konkurrenten aus den 3 Kildalton-Distillen mithalten, kommt aber doch verdammt nah ran. Aber für mich bleibt der typische, schwach getorfte Bruichladdich einfach der elegantere und wahre Laddie.

3 Kommentare

  1. ja die verschiedenen Malzsorten waren sehr interssant. Hast du inzwischen den octomore probiert? ich finde den fast zuuuu peaty…..da hauts eim echt die knie weg schon beim riechen……und die karte mit den whiskies – da mussten wir auch widerstehen

    mist, haette ich das eher gelesen haett ich mir das geld fuer das single malt ale gespart, ich fands auch grausig und habs Dan gegeben, der mit Laura bei unserer Tour dabei war und als wahrer schotte quasi alles trinkt 🙂

  2. Ja, ich hab ihn auf der Whiskymesse probiert und fand ihn überraschend trinkbar. War allerdings nur ein kleiner Schluck, von dem ist das nur so halb repräsentativ.

  3. Nachtrag: Egal wie abgedreht die Idee dahinter ist, ich habe letztlich noch keinen Whisky von McEwan getrunken, der nicht gut gewesen wäre. Der Mann hat nicht nur die Leidenschaft, sondern auch ein absolutes Händchen für Whisky. Ich bin extrem gespannt, was da noch alles kommen wird. Die spannenden Jahrgänge (vor allem von den Port Charlottes) kommen ja erst noch.

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