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Skeptizismus, Whisky und Politik

Schottland XIV – Laphroaig – Ardbeg – Kildalton (Islay)

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Ich verehre ja alle Whiskies von der Insel, aber die großartigsten kommen für mich von den drei Distillen in Kildalton. Fast direkt nebeneinander liegen hier Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg direkt an der Küste. Alle drei sind berühmt für ihre stark getorften und mächtigen Whiskies. Zwei davon, Laphroaig und Ardbeg, stehen heute auf unserem Programm.

Am Vormittag Laphroaig, wo sowohl Flo wie auch ich zu den „Friends of Laphroaig“ gehören und somit das Anrecht haben, einmal im Jahr vor Ort die „Miete“ in Form einer kleinen Flaschen 10y zu beziehen, die man für den Quadratfuß Torf erhält, den jeder Friend symbolisch besitzt. Und am Nachmittag dann bei Arbeg, Petras erklärtem Lieblingswhisky. Gerne hätte ich auch noch Lagavulin besucht, aber man kann ja nicht alles haben. Beim nächsten Mal dann.

Um es gleich vorweg zu nehmen, beide Führungen schlagen die bei Edradour und Bruichladdich um Längen. Was bei den anderen Routine war, ist hier Leidenschaft.

Bei Laphroaig leitet Jack die Tour, der die meisten Zeit seines Lebens hier gearbeitet hat (davor bei Bowmore) und sich seit seiner Pensionierung vor 3 Jahren um die Führungen kümmert. 2 Stunden lang zeigt er uns jeden Winkel der Distillery, nimmt sich für jede Station viel Zeit und versorgt uns mit Massen an Informationen – allerdings immer sehr kurzweilig und unterhaltsam. Der Mann ist einfach mit Herz und Seele bei der Sache. Da Laphroaig zumindest einen Teil der Gerste noch selber mälzt, kann man sich hier auch den kompletten Herstellungsprozess anschauen. Außerdem können wir sowohl das Malz, wie auch die Wash und den fertigen Spirit vor seiner Abfüllung ins Fass probieren. Die Tour ist weit mehr als einfach nur ein Durschschleusen mit ein paar Standardinfos für Touristen. Außer uns sind noch ein schwedisches Pärchen und ein Kanadier mit seinem englischen Freund dabei, es bleibt also auch sehr überschaubar und persönlich.

Am Ende der Tour probieren wir neben dem Quarter Cask, der zum Abschluss gereicht wird, noch den 89er Vintage, den es erst seit einer Woche gibt und von dessen auf 4000 Flaschen limitierter Auflage bereits über 3000 verkauft sind (weswegen wir auch gleich eine Flasche einsacken) und halten noch ein gemütliches Schwätzchen mit Jack und den anderen. Und wir bekommen natürlich noch unsere „Wir-waren-da“-Urkunde und unsere Miete. Leider stehen wir noch nicht in den gebundenen Lederfolianten (da ist man aufgrund des Andrangs ein wenig hinterher) und die eigene Lounge für die Friends ist auch noch nicht fertig. Aber dafür können wir losziehen und unser Land mit einem Fähnchen markieren. Zumindest so ungefähr, denn den genauen Platz muss man abgehen, was bei meiner Position (Reihe 310, Parzelle 569) nicht so ganz einfach ist. Aber der Wille zählt und den haben wir.

Weiter über Lagavulin (kurzes Photo) zu Ardbeg, wo wir im Kiln Café ein deftiges Mittagessen einnehmen, um uns für die nächste Führung zu rüsten. Das Café ist (wie der Name schon sagt) in den alten Trockentürmen der Mälzerei untergebracht und wird zu Recht auf der ganzen Insel gerühmt. Auch diese Tour ist sehr ausgiebig. Da man hier einen anderen Schwerpunkt setzt und auf die Historie der Distillery und der Insel und den Vergleich zur heutigen Zeit eingeht, bleibt auch diese Tour sehr spannend. Ebenfalls sehr empfehlenswert, volle Punktzahl. Beim abschließenden Tasting beschränken wir uns auf ein Glas, da wir von Ardbeg außer dem ziemlich teuren Lord of the Isles bereits alles kennen. Lieber noch eine Tasse Kaffee draußen.

Zum Abschluss fahren wir die Straße von den Distilleries aus weiter nach Norden Richtung Ardtalla. Auch hier zeigt sich Islay wieder von einer komplett anderen Seite. Direkt an der Küste findet sich hier üppige Vegetation, die Straße ist teilweise fast eingewachsen und man teilweise schon eher den Eindruck, durch einen Dschungel zu fahren und nicht über eine Insel in der Nordsee. Kurz vor der Ardtalla Farm stehen die Ruinen der Kildalton Church mit einem weiteren jahrhundertealten und trotzdem sehr gut erhaltenen Celtic Cross. Die letzte Sehenswürdigkeit für heute.

Whiskies Of The Day:

Also, wir hatten den Quarter Cask bei Laphroaig, der im Gegensatz zu seinem zehnjährigen Bruder nach seiner Reifung im Bourbonfass noch eine gewisse Zeit (die Laphroaig geheim hält) in einem kleinen Fass (dem quarter cask) nachreift. Dadurch wird er weicher und wärmer als die normale Abfüllung ohne jedoch den typischen Charakter zu verlieren. Mehr als eine Alternative zum zehnjährigen, den ich ja auch sehr schätze. Noch einen oben drauf setzt der 89er Vintage. Eigentlich mag ich bei Laphroaig die jüngeren Whiskies lieber als die älteren, aber mit dieser Edition eines 17y ist der Distille etwas wirklich besonderes gelungen. Schon die tiefbraune Farbe lässt einiges erwarten. Der Geschmack kombiniert perfekt die torfige Wucht mit einer sehr weichen Tiefe, bislang klar der beste Laphroaig, den ich probieren durfte. Die Flasche ist theoretisch bei der Stückzahl auch eine gute Geldanlage, aber bei dem Geschmack dürfte sie bei mir wohl kaum älter als ein Jahr werden.

Bei Ardbeg hatten wir den Airigh Nam Beist, den man dort scherzhaft als Frauenwhisky bezeichnet. Obwohl auch er den typischen Ardbeg-Geschmack hat, ist er vom Charakter her das genaue Gegenteil des Uigeadail. Während dieser wild und extrem im Mund auf alle Geschmacksnerven eintritt, präsentiert sich der Airigh Nam Beist sehr leicht und elegant, ja fast ein wenig süß. Ardbeg ist es hier gelungen, zwei völlig unterschiedliche Whiskies zu kreieren, die trotzdem beide den Stil des Hauses perfekt wiedergeben. Faszinierend.

Abends gab es dann noch die Miete im Sonnenuntergang. Auch wenn er der einfachste Whisky ist, den ich heute getrunken habe, der zehnjährige Laphroaig bleibt einfach ein solider Klassiker.

2 Kommentare

  1. Quarter Cask zaehlt auch zu meinen Lieblingen – einfach toll!

    Habt ihr die Schritte echt abgezaehlt?? ich habs versucht aber irgendwann mal geschaetzt…bin fast an der strasse, richtung der baeume…..

  2. Naja, die ersten haben wir gezählt, dann wurde es natürlich auch immer mehr zu schätzen. Ich denke, ich war letztlich ungefähr in der richtigen Ecke 😉

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