The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Schottland XVI – Islay – Glasgow – München

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Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von unseren Vermietern und blicken noch mal sehnsüchtig auf das Cottage zurück. Bis zur Abfahrt der Fähre bleiben noch ein paar Stunden, in denen wir ein paar Ecken der Insel mitnehmen, die wir noch nicht gesehen haben.

Wir beginnen auf der Rockside Farm, die nicht nur Islays beste Böden hat, sondern auch einen Hofladen, ein Café und die jüngste der Distillen auf der Insel. Vor 3 Jahren hat man hier Kilchoman eröffnet, eine Farm Distillery, die ganz traditionell den Whisky so braut, wie er früher auf der Insel hergestellt wurde. Das betrifft den gesamten Ablauf. Die Gerste wird selber angebaut, im Herbst gemälzt und über den Winter destilliert. Gerade mal 30.000 Liter ergibt das im Jahr und viel mehr will man auch gar nicht herstellen. Das ganze soll ein reines Nebengeschäft bleiben, damit man komplett unabhängig ist. Das klingt ziemlich sympathisch und lässt auf ein weiteres Highlight von Islay hoffen. Fertigen Whisky gibt es natürlich noch nicht, aber man kann den „New Spirit“ probieren, von dem ein Teil nicht in Fässer gefüllt wurde, sondern in kleinen Fläschchen zum Verkauf steht und durchaus sehr vielversprechend schmeckt. In guter Islay-Tradition sehr torfig, aber doch mit einer ganz eigenen Note, die ihn klar vom Spirit von Laphroaig unterscheidet. Ich bin extrem gespannt auf den fertigen Whisky.

Die Rockside Farm ist außerdem einer der wenigen Orte auf Islay, wo man Fleisch von Rindern und Schafen auf der Insel kaufen kann (als besondere Spezialität u.a. auch in Whisky eingelegtes), was wir aber leider zu spät erfahren. Die Woche über hätten wir das gerne probiert, aber nun stehen 2 Tage Heimreise an, die es wohl kaum frisch bleiben dürfte. Ärgerlich.

Der zweite Anlaufpunkt ist die Islay Woollen Mill, die weit über die Insel hinaus berühmt und geschätzt ist. Nicht nur große Marken wie Prada lassen hier weben und Muster erstellen, auch für Hollywood-Produktionen wie Braveheart und Rob Roy hat man hier die Tartans entworfen und gefertigt. Man möchte es kaum glauben, wenn man das kleine, versteckte Gebäude betritt, in dem sich 2 antike Webstühle und eine nicht minder alte Spinnerei befinden, die von einem älteren Ehepaar betrieben (und stolz präsentiert) werden. Die Erzeugnisse, mit denen das Erdgeschoss vollgestopft ist, sind aber auch wirklich vorn hervorragender Qualität und auch wir lassen uns die Einkaufsmöglichkeit nicht entgehen.

Dann wird es langsam Zeit für die Fähre. Glücklicherweise sind wir aufgrund des schon wieder einsetzenden Regens früher dran als nötig, denn vor Ort stellen wir fest, dass die Fähre nicht wie eigentlich angekündigt von Port Ellen aus, sondern von Port Askaig auf der anderen Seite der Insel abfährt (wo der Pier eigentlich wegen Umbauarbeiten geschlossen ist). Zum ersten Mal seit 2 Wochen Hektik. Wir haben 40 Minuten, was bei den Straßenverhältnissen mehr als knapp ist. Letztlich reicht es aber doch noch und wir reihen uns in die Schlange am Pier ein.

Da das Wetter genauso beschissen ist wie bei der Hinfahrt, verbringen wir auch diese Überfahrt größtenteils in einer der Lounges. Zwar stehe ich nach dem Ablegen noch eine Weile an Deck und schaue zurück auf die Insel, letztlich vertreiben mich Wind und Regen aber doch.

Auf dem Weg nach Glasgow legen wir noch mal einen kurzen Stopp in Inveraray ein und genehmigen uns ein weiteres Abendessen im George, bevor wir uns wieder auf die Straße schwingen. In Glasgow geht dann die Suche nach dem Hotel los. Eigentlich wäre die Wegbeschreibung schon richtig gewesen, aber wir stellen uns nach einem Tag Fahrerei einfach zu doof an. Schließlich weist uns aber ein Taxifahrer den richtigen Weg und wir treffen endlich am Hotel ein, dass sehr malerisch direkt an der Landebahn des Flughafens liegt. Auch ansonsten übertrifft es alle Erwartungen. An der Rezeption findet man unsere Reservierung nicht, die wir einen Tag vorher von Islay aus per Internet abgeschickt (und bestätigt bekommen) hatten. Dazu spricht der Heinz an der Rezeption furchtbaren Dialekt und gibt sich auch nicht die geringste Mühe, verständlich zu sprechen. Schließlich bekommen wir aber doch noch Zimmer.

Wir beschließen, an der Hotelbar noch einen Abschiedsdrink zu nehmen. Die ist zwar (passend zum Hotel) beschissen sortiert und schließt um 12 (!), wir bekommen aber gerade noch so ein Gläschen Highland Park (den einzigen Single Malt), mit dem wir uns quasi von Schottland verabschieden.

Am nächsten Morgen versuchen wir ein Frühstück zu bekommen (das nicht im Preis enthalten ist), was tatsächlich auch klappt. Allerdings handelt es sich hierbei um das widerwärtigste Essen, dass ich seit langem sehen (und riechen und schmecken) durfte. Allein das Eiermassaker mit einer Schale gehäufter Schalen den ganzen Morgens und einer Pfanne, in der in 5 cm hohem Fett ein paar Eier vor sich hinschwimmen hätte gereicht, um jedem Inspektor des Gesundheitsamts den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Überflüssig zu sagen, dass die anwesenden Engländer alles genussvoll in sich reinstopfen. Irre.

Danach geht es munter weiter, den man wisse nicht, ob wir das jetzt auf unsere Zimmer schreiben können (das wäre hier nicht üblich) oder bar zahlen müssen, was sich aufgrund mangelnden Bargelds als schwierig erweist. Nach 15 Debatte zwischen Restaurantchefin und Empfangshiwi können wir tatsächlich alles mit der Zimmerrechnung begleichen. Die geht zwar auf den falschen Namen, aber das stört auch niemand mehr.

Den letzten Spaß im Hotel haben wir dann, als wir unsere Koffer holen. Wir müssen nämlich feststellen, dass die Aufzüge inzwischen den Geist aufgegeben haben und auch der Putzmann, der sich zu uns in den Aufzug stellt und wild an ihm zu rütteln beginnt, kann selbigen nicht dazu bringen, sich nach unten zu bewegen. Also schleppen wir unsere Koffer durchs Treppenhaus und sind dann tatsächlich endlich raus und im Auto. Allerdings durch das ganze Theater später als geplant, so dass wir schon wieder aufs Gas drücken müssen.

Ab über die Autobahn nach Edinburgh, bei strömendem Regen in den Carpark der Autovermietung und mit dem Shuttlebus zum Terminal, Einchecken, Restgeld im Duty Free verballern und ab in den Flieger.

Nach einem reichlich unsanften Flug erreichen wir München. Und werden bei den Temperaturen in der Heimat fast ohnmächtig. 25°, wer ist denn so eine Affenhitze gewohnt?

Whiskies Of The Day:

Die Zeiten sind wieder vorbei! Na gut, ich bin jetzt auch nicht gerade abstinent zu Hause, aber die tägliche Dram in gemeinsamer Runde wird mir schon fehlen. Wie die Insel überhaupt …

2 Kommentare

  1. och glaswegian hotels – hoer mir auf…..das ist schon manchmal eine zumutung…..

    wenn ihr mal wieder was sucht, ich kenn ein schnuckeliges B&B zu vernuenftigen preisen….

    ja teilweise ist hier um 12 uhr schicht im schacht – auch in unserem liebsten whisky pub dem pot still……da muss man manchmal schneller trinken….

    und der glaswegian dialekt ist so eigen das den z.t. nicht mal andere schotten verstehen, ganz zu schweigen von englaendern (sassenachs!) und von kontinentaleuropa wollen wir mal gar nicht anfangen……..

    wie gesagt, wenn ihr mal wieder hier rueber kommt und einen tag in glasgow habt kann ich euch ein paar schoene ecken und pubs zeigen, glasgow ist besser als sein ruf…….

  2. Eigentlich hätten wir gerne ein B&B genommen. Aber da wir nicht wussten, wann wir in Glasgow eintreffen (war letztlich nach 22 Uhr) und auch sehr früh wieder los mussten, war ein Hotel einfach die sicherere Wahl.

    Ich will auf alle Fälle noch mal nach Islay, da könnte man da sicher mit einem Aufenthalt in Glasgow verbinden.

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