The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

4. Whiskytasting von Munich Spirits, The Arc Pub

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Diesmal traf man sich im The Arc Pub in Schwabing, der einen deutlich angenehmeren Rahmen für die Veranstaltung bot als das die letzten Locations konnten. Karte, Wirt und Ambiente sind rein English (bzw. Irish), in den Fernsehern läuft Rugby und an der Bar findet sich eine Whisky-Auswahl, die sich nicht zu verstecken braucht. Aber die lassen wir heute links liegen, denn wir sind ja zum Tasting da. Zum Blind Tasting um genau zu sein.

Wobei das nicht ganz straff durchgezogen wird, da wir ja vorher die Beschreibungen zu den Whiskies haben, die in Frage kommen, jeder Durchgang am Tisch eifrig diskutiert und danach direkt aufgelöst wird. Dadurch wird es vor allem zum Schluss hin natürlich zunehmend einfach, da die Auswahl ja immer kleiner wird. Trotzdem bin ich ziemlich stolz auf mich, da ich bei den 9 Durchgängen nur 1x daneben liege, da aber dafür kräftig. Trotzdem, unter „harten“ Bedingungen wäre die Quote mit Sicherheit sehr viel niedriger gewesen. Aber wir sind ja zum Spaß hier und nicht zum Wettbewerb. Und Spaß haben wir mehr als genug. Außerdem geht man in der Tat einfach unbefangener an eine Dram heran, wenn man Namen und Preis vorher nicht weiß.

Nun aber zu den Whiskies. Der Abend stand unter dem Motto „Great affordable drams“, es ging also nicht um Raritäten, sondern um besondere Whiskies, die nicht nur erhältlich, sondern auch bezahlbar sind:

1. Auchentoshan OB 16 y.o. ‚Finest Bourbon Matured‘, limited to 4800 bottles, 53,7%

Unser Essen kommt leider sehr sehr spät, nämlich gleichzeitig mit dem ersten Whisky. Wir schlingen also unsere Burger herunter, schieben zwei Scheiben Weißbrot zum neutralisieren nach und wenden uns dann dem Whisky zu. Nicht ideal, aber nicht zu ändern, da wir eh schon eine Stunde im Verzug sind.

Ob es nun am direkten Essen liegt oder einfach doch am Whisky – überzeugen kann uns der Auchentoshan nicht so richtig. Ich bin generell kein übermäßiger Freund der Lowland-Whiskies und der hier macht keine Ausnahme. Man schmeckt vor allem Alkohol und ein wenig Bourbonfass, aber mehr ist da leider nicht. Immerhin kann ich ihn damit ziemlich eindeutig identifizieren, er bleibt aber für mich bei den Whiskies der Verlierer des Abends.

2. Royal Brackla ‚The Companion‘ 25 y.o., Fino Sherry Cask, Alba Import GbR, 46%

Ein ganz anderes Kaliber ist der nächste Durchgang. Die Identifikation fällt hier extrem leicht, denn der Royal Brackla hat die hellste und blasseste Färbung aller Kandidaten und da auf unsere Übersicht die Flaschen abgebildet sind, gibt das schon einen ziemlich eindeutigen Hinweis. Geruch und Geschmack tun ihr Übriges. Zwar kann ich weder moosig noch beerig identifizieren, aber die leichte Salznote unterstützt die Vermutung dann doch recht deutlich. Interessant ist auch die Pfirsichnote. Ich hätte sie zwar nicht als solche erkannt, aber ein herumgereichter Teebeutel mit aromatisiertem Pfirsichtee riecht tatsächlich ähnlich. Insgesamt ein sehr schöner Whisky, der zwar recht dezent schmeckt, aber alles andere als langweilig, sondern ganz im Gegenteil einiges an Komplexität besitzt. Mein persönlicher Gewinner des Tastings, auch wenn ich damit zu einer Minderheit gehöre.

3. Ben Nevis OB, 37 y.o., June 1967 – June 2004, Sherry Hogshead 2219, 225 bottles for Alambic Classique, 54,4%

So, jetzt ist es soweit. Ich liege völlig daneben. So daneben, wie man nur sein kann. Der 37 Jahre alten Ben Nevis, der keine Spur Torf enthält, erinnert mich auf den ersten Riecher und Schluck aus irgendeinem seltsamen Grund an den Port Charlotte, den ich zu Hause habe und der eigentlich wirklich komplett anders schmeckt (und nur 6 Jahre alt ist, was allein schon zu einem völlig anderen Geschmack führt).

Wie auch immer, der Ben Nevis schmeckt sehr sehr eigenwillig. In der Beschreibung steht was von Waldameisenhaufen und von Fichtennadeln und Zedernholz (zumindest die beiden letzten werden von Petra ganz eindeutig identifiziert, weswegen sie hier völlig richtig liegt). Dieser Whisky ist auf alle Fälle was besonderes und ist für die meisten die Nummer 1 im Tasting. Bei mir zündet er allerdings nicht so wie beim Rest und landet eigentlich eher im hinteren Drittel. Vielleicht aber auch nur, weil ich so derbe daneben lag. 😉

4. The Macnab (Ledaig) Single Malt from Mull, 15 y.o. December 1972 – April 1988, 75cl, 43%

Ein Zufallsfund in einem Warehouse in England. Knapp 300 Flaschen, die meisten davon ohne Label, die sich dann als besagter Ledaig identifizieren lassen.

Insgesamt auch von uns relativ einfach zu erraten. Unter den getorften bleiben nur der Port Charlotte, der Lagavulin und der Macnab und die beiden ersten sind es ganz sicher nicht. Auch die in der Beschreibung erwähnte Nähe zum Talisker ist ein klarer Hinweis, auch wenn ich diesem jederzeit den Vorzug geben würde. Obwohl Pit den als Highlight preist, überzeugt er mich nicht so richtig. Eigentlich bin ich ja Fan der torfigen Gesellen aber die hier unterstellte hohe Komplexität erschließt sich mir einfach nicht. Ich finde ihn ganz im Gegenteil relativ eindimensional und unspektakulär. Vielleicht ist er zu hintergründig für meinen Gaumen. Jedenfalls bei mir unter den Whiskies auf dem vorletzten Platz knapp vor dem Auchentoshan.

Pause

Eigentlich bin ich gar nicht hungrig (der Burger liegt auch noch nicht weit zurück und zwischen den Whiskies gab es ja auch noch Weißbrot) aber ein paar Scheiben Schinken, Speck und Lachst passen schon noch rein.

5. Highland Park ‚Villa Konthor‘ 25 y.o., 1981 – 2007, 43%

Der ist recht einfach, weil doch mit seiner Kräuternote sehr schnell als Highland Park zu identifizieren. Wobei er mich nicht ganz so begeistert, wie das die Highland Parks sonst tun. Natürlich hat er es als erster nach dem Essen auch wieder schwerer, aber dem hier fehlt zusätzlich ein wenig das Sherryfass, in dem die Highland Parks normalerweise noch ein wenig nachreifen. Das hier ist eine Einzelfass-Abfüllung (nur Bourbon Cask). Das unterscheidet ihn dann doch (leicht zu seinem Nachteil) von den üblichen HP, deren Besonderheit für mich gerade ist, dass sie alle Eigenheiten der verschiedenen Regionen Schottlands in einem Whisky vereinen. Trotzdem ein sehr guter Tropfen. Vor allem in Verbindung mit einem Stückchen weißer Schokolade, die Pit uns noch reicht, nachdem er die Identität aufgelöst hat. Die bringt den Whisky noch mal so richtig nach vorne und lässt das für den Highland Park typische Heidekraut richtig deutlich rauskommen.

6. Tamdhu Signatory ‚Vintage 1970‘ 26 y.o., 14.1.1970 – 15.10.1996, Sherry Butt 373, 390 bottles for V.E.L.I.E.R., 51,5%

Dieser ist ebenfalls simpel, denn unter den verbleibenden gibt es einen, der als Sherrymonster beschrieben wird und das ist ganz offensichtlich dieser. Eigentlich bin ich kein großer Fan der sherrylastigen Whiskies, aber der hier hat auf alle Fälle was. Sehr schwere und wuchtige Süße, ziemlich sättigend, wie eine Nachspeise mit reichlich Kalorien. Der Tamdhu wärmt gehörig den Magen auf und bleibt sehr lange im Mund präsent. Gehört für mich auf alle Fälle zu den Highlights dieses Tastings.

7. Islay (Lagavulin) The Auld Alliance (Chieftain’s Choice) 16 y.o., 12.1990 – 10.2007, Casks 90961 & 90962, finished in Chateauneuf du Pape Casks, 684 bottles, 46%

Ein recht ungewöhnlicher Lagavulin, den ich nur deswegen erkannt habe, weil in der restlichen Auswahl eigentlich nichts anderes mehr möglich war. Ohne Hilfsmittel wäre ich keinesfalls auf Lagavulin gekommen. Durch das Finish im Rotweinfass bekommt dieser Whisky eine sehr eigene Note, die viel von dem überdeckt, was Lagavulin normal auszeichnet. Was sich aber insgesamt nicht übel macht. Eine dezente Schinkennote bleibt erkennbar und auch der Torf kann sich noch durchsetzen. Pit riecht Blauschimmel-Käse heraus, aber den finde ich nicht im Glas. Gefällt mir, wobei ich im Zweifelsfall doch den normalen Lagavulin vorziehen würde.

8. Hampden Estate, Cadenhead ‚HLCF‘ Pot Still Jamaican Rum, 13 y.o., 1992 – 2006, 66,2%

Mit den letzten beiden ist die Zeit des Ratens endgültig vorbei. Dass das hier kein Whisky, sondern ein Rum ist, riecht man schon wenn man nur in die Nähe des Tabletts kommt. Und genauso wuchtig wie der Geruch ist auch der Geschmack. Für Rumtrinker sicher das höchste, aber ich kann damit schlichtweg gar nichts anfangen. So leid es mir tut, aber diese Dram muss ich ausleeren, das bekomme ich beim besten Willen nicht runter, sonst rebelliert mein Magen. Nicht meine Welt.

9. Port Charlotte OB ‚PC6 – Cuairt-Beatha‘, 6 y.o., 2001 – 2007, 18.000 bottles, 61,6%

Zu Raten gibt es nichts mehr, es bleibt nur noch der PC6. Ganz davon abgesehen reicht ein flüchtiges Schnuppern am Glas für die peinliche Erkenntnis, wie weit von der Realität mein Fehltipp beim Ben Nevis war. Den hier nicht zu erkennen ist eigentlich unfassbar. Torfattacke pur, hier werden keine Gefangenen gemacht. Ohne Wasser ist der PC auch eigentlich nicht trinkbar (was natürlich auch an Stärke und Alter liegt), aber mit Wasser offenbart er, welches unglaubliche Potential in ihm steckt. Ich bin extrem gespannt, wie die späteren Jahrgänge hier ausfallen werden, sowohl dieser wie auch der PC in meinem Regal daheim versprechen sehr sehr viel. Mit dem entsprechenden Finish und Alter könnte da was ganz Großes auf uns zukommen.

Und schon ist der Spaß wieder vorbei. Natürlich nicht ganz, denn einige bleiben noch zum gemütlichen Zusammensein und Fachsimpeln. Und vielleicht noch zur einen oder anderen Dram außerhalb des Tastings. Bei mir ist das:

Bruichladdich Legacy I, 36 y.o.

und der setzt dem Abend die Krone auf. Sowohl Geruch wie auch Geschmack sind einfach unglaublich rund, ausgewogen und wunderbar. Mir fehlen die Worte, das zu beschreiben. Einfach nur einer der ganz ganz großen Whiskies. Zum Niederknien.

Fazit: Einmal mehr ein feines Tasting mit schönen Whiskies, netten Tischkollegen und sehr viel Spaß. Absolut gelungener Abend und herzlichen Dank an Pit und die Kollegen von Munich Spirits, die das mit viel Hingabe aufgezogen haben!

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