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Skeptizismus, Whisky und Politik

27. Whiskytasting von Munich Spirits

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Dieses Tasting von Munich Spirits war an sich als Sommertasting gedacht und deswegen mit eher leichten Whiskies bzw. Cocktails bestückt. Das Einzige, was fehlte, war der Sommer, der sich dieses Jahr eher durch Regen, Gewitter und kurze schwüle Phasen hervortut, anstatt Strandfeeling zu verbreiten. Da es aber im La Tavola aufgrund der Platzverhältnisse schnell mal kuschlig wird, war zumindest die Temperatur drinnen doch annähernd wie im Hochsommer. Die Drinks waren demnach auch nicht ganz deplatziert.

Um die Organisation kümmert sich in Marcos Abwesenheit (Grüße an den Weltreisenden an dieser Stelle!) nun Frank, was aber keine wahrnehmbaren Unterschiede bedeutet. Auch dieses Tasting lief so reibungs- wie auch zwanglos und gutgelaunt wie üblich ab und dies ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

Nun aber zum Line Up. Den Anfang machen zwei Cocktails auf Whiskybasis. Der Erste ist der Dallas, bestehend aus Bourbon, Apricot Brandy und Maracujasaft. Angenehmer, nicht zu süßer Geschmack, aber auf Dauer wäre es mir eine Spur zu aufdringlich – den Geschmack hätte ich dann doch recht schnell über.

Der Nächste, ein Capitano, trifft eher meinen Nerv. Trotz der Tatsache, dass der mit der Kombination Bourbon, Southern Comfort und verschiedene Säfte deutlich mehr Alkohol enthält, ist er ziemlich süffig, ist dabei aber alles andere als ein Durstlöscher. Gefährliche Kombination, mit dem kann man sich ziemlich leicht ins Off schießen, wenn das Wetter entsprechend ist. Hier kommt auch der Bourbon sehr viel deutlicher raus als beim Dallas, was mir ganz gut gefällt.

Beide Cocktails fand ich OK, wenn auch nicht mit der Raffinesse gemixt, die einen wirklich großen Barkeeper ausmacht. Sorry, aber da ich inzwischen ein paar Bars kenne, die einen solchen beschäftigen, bin ich da wohl zu anspruchsvoll geworden. Auch Barkeeper ist eben ein Job, bei dem man es zur Meisterschaft bringen kann und dessen Ergebnisse unterscheiden sich dann doch spür- bzw. schmeckbar von den „nur“ Guten.

Aber Coktails sind hier ja auch nicht die Hauptsache; die bleibt der Whisk(e)y. In der folgenden Runde stehen zwei Bourbons an, die sich oft eh besser für den Sommer eignen als die schottischen Vertreter. Auch beim Whisky gilt, dass er meist am besten unter den klimatischen Bedingungen schmeckt, unter denen er auch entstanden ist. Da ist Kentucky natürlich sommerlicher als die Destillerien nördlich des Tweed. An einem heißen Abend auf der Terrasse (soll es gerüchtehalber früher mal gegeben haben) kann man mit einem Bourbon auch im Tumbler mit Eiswürfeln Spaß haben – was ich einem Scotch niemals antun würde.

Mitcher’s US°1 Unblended American Whiskey, Kentucky, 41,7% nennt sich der erste Vertreter aus den USA. Dunkle Farbe, in der Nase viel Holz und natürlich Vanille, ganz leicht modrig aber nicht unangenehm. Am Gaumen finden sich ebenfalls deutliche, schwere Holznoten, die aber nicht muffig oder beißend sind (so wie man sie ab und an in Whiskys findet, die zu lange im Fass waren). Eine leichte Bitterkeit kommt dazu und natürlich auch etwas vanillige Süße. Sehr angenehm, würde man auch vielleicht nicht unbedingt als Bourbon erkennen, wenn man es nicht wüsste. Es gibt auch europäische Whiskys, die in diese Richtung gehen.

Nummer zwei ist ein Kentucky Vintage, Kentucky Bourbon Distillery, 45%. Der ist vom Geruch her etwas schärfer und leichter, außerdem finden sich ein paar florale Noten. Der Geruch gefällt mir deutlich besser als beim Mitcher’s. Dafür kann er geschmacklich nicht ganz mithalten. Ich finde ihn etwas typischer, gewöhnlicher und auch kürzer. Vanille und Holz sind sehr präsent, verpuffen aber auch recht schnell.

Schon sind vier Drinks konsumiert, analysiert und diskutiert. Zeit, dem Magen etwas Pause und Gegenwehr zu verschaffen. Die gibt es wie immer in Form italienischer Antipasti und belegten Broten.

Im zweiten Teil sind dann die Schotten an der Reihe. Auch hier die eher leichten Vertreter, alle aus dem Bourbonfass und ohne Torf.

Den undankbaren Auftakt nach dem Essen übernimmt ein GlenDronach, OA, Alte Abfüllung aus den 80ern, 12 Jahre, 43%, der es zusätzlich noch schwerer hat, da er aufgrund seines Alters in der Flasche schon an Intensität verloren hat. Hier sind große Schlucke statt Nippen angesagt, wenn überhaupt etwas kommen soll. Damit kann er mich aber durchaus überzeugen und wird trotz der ungünstigen Position mein Tagessieger. In der Nase viel Zitrone und dazu ein Geruch, der mich an diese leicht bröseligen Sahnetoffees mit der Kuh auf dem Einwickelpapier erinnert, die ich in meiner Kindheit hin und wieder bekommen hab. Ganz dezent meinte ich auch grüne Bananen zu erriechen, aber da war ich nicht sicher. Im Mund ist er zwar wie erwähnt etwas zurückhaltend, hat aber nichtsdestotrotz eine wunderschöne Entwicklung. Erst krautige Noten, dann etwas Bitterkeit, die an Zitronenschale erinnert, und nach einem mittellangen Abgang zum Abschluss eine schöne, malzige Süße. Ich steh ja insgesamt im Moment sehr auf die „reinen“ Bourbonfassabfüllungen und das hier ist eine sehr gelungene.

Der mittlere Schotte kommt aus Österreich, von den Linzern der Single Cask Collection, die ihre Einzelfassabfüllungen schon mal bei einem Tasting präsentiert haben. Dieser hier ist ein Linkwood 1984, 27 y.o., 57%, Single Cask Collection, Bourbon Cask. Der Geruch ist ziemlich scharf. Meine erste Assoziation ist Holzleim, dann aber schnell Aprikose oder vielleicht auch Quitte. Mit Wasser eindeutig getrocknete Aprikosen. Der Geschmack ist scharf, schwer und wuchtig. Ledernoten lassen sich ausmachen, insgesamt geht es fast ein wenig in Richtung Sherryfass. Dieser Whisky verträgt durchaus Wasser (allerdings vorsichtig, denn zu viel lässt ihn stark verlieren). Dann kommen Traubenschalen und Marzipan dazu und insgesamt wird er deutlich verträglicher, wenn auch weniger komplex. Die Beschreibung spricht zusätzlich von Rumtopf, Zimt, kandierten Früchten und Sandelholz, aber das kann keiner von uns am Tisch erriechen oder erschmecken. Zimt und Sandelholz finde ich sogar ziemlich absurd. Alles in allem ein guter Tropfen, der aber nicht ganz meinen Geschmack trifft. Um Stefan mit am Tisch zu zitieren: „Eher ein Whisky zum Studieren als zum Genießen.“

Zum Abschluss gibt es einen Glen Garioch 1991-2010, Batch 38, 54,7% aus der Small Batch Vintage Edition, die vor Ort im Destillierieshop vertrieben wird. Jetzt geht es wieder in die Richtung des GlenDronach, mit sehr viel Frucht (Orangenschale) in der Nase und ebenfalls einem leicht krautigen Geschmack, der letztlich in einen süßlichen und cremigen Abgang übergeht. Dazu gibt es hier aber ein paar leichte Rauchnoten. Mit Wasser wird er deutlich schmelziger und cremiger. Aufgrund der Fassstärke ist er natürlich deutlich dominanter als der GlenDronach, verliert bei mir aber trotzdem im direkten Vergleich, wenn auch nur sehr knapp. Jedenfalls aber auch ein sehr schöner und gut trinkbarer Whisky.

Damit waren wir auch schon wieder am Ende angelangt. Viel Zeit zum Austausch im Anschluss blieb diesmal nicht, da ich meinen Zug erwischen musste. Aber da wir während des Tastings schon mehrfach draußen beim Luftschnappen waren, hatten sich entsprechende Gelegenheiten schon vorher geboten.

Was mir dieses Mal sehr gut gefallen hat war die breite Streuung. Ich mag Abwechslung, auch beim Whisky, und die Kombination Cocktail -. Bourbon – Single Malt fand ich deswegen auch sehr gelungen. Gerne öfter was in der Richtung! Wir sehen uns eh beim nächsten Mal wieder.

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