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Skeptizismus, Whisky und Politik

28. Whiskytasting von Munich Spirits

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Mit etwas Verzögerung, die ich zu entschuldigen bitte, folgt nun der Bericht zum ersten Tasting von Munich Spirits nach der Sommerpause. Leider war der Anlass nicht nur ein fröhlicher, denn vor ein paar Wochen ist Tommy, einer der Mitbegründer von Munich Spirits, im Alter von 43 Jahren plötzlich und unerwartet an einer seltenen Gefäßkrankheit verstorben. Das Tasting fand also auch im Gedenken an Tommy statt, der von allen nicht nur als Whiskykenner, sondern auch einfach als Mensch geschätzt wurde. Im Hintergrund lief eine Diashow mit Bildern von ihm ab und ich hatte so manches Mal seine wunderbar dreckige Lache im Kopf, die mir noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird.

Unter dem Aspekt war es wohl auch nicht schlecht, dass diesmal die Jungs der Single Cask Collection aus Linz zum zweiten Mal zu Gast waren und einen Teil der Moderation des Abends übernehmen konnten. Denn dass Käfer und den anderen Vertretern von Munich Spirits die Sache ziemlich nah ging, war kaum zu übersehen.

Beim ersten Besuch der Österreicher war mein Fazit eher zurückhaltend. Ihre Abfüllungen waren zwar gut, aber letztlich konnte mich doch keine so richtig überzeugen (zumindest nicht zu dem jeweiligen Preis). Insgesamt hatte ich mich auch eher skeptisch zu Einzelfassabfüllungen geäußert. Beides muss ich spätestens nach diesem Abend revidieren (OK, das mit den Einzelfassabfüllungen eigentlich schon deutlich früher), so viel kann ich schon mal vorwegnehmen.

Zu Beginn gab es kein Einzelfass, ja noch nicht mal einen Single Malt, sondern einen Blend. Die Idee dahinter ist, für den österreichischen Markt einen einfachen Einsteigerwhisky anzubieten, da Einzelfassabfüllungen dem einen oder anderen meist doch etwas zu heftig sind. The Scottish Blend erfüllt genau diese Kriterien, liegt im unteren Preissegment und kann mit der Supermarkt-Konkurrenz locker mithalten. In der Nase sind Leder und Vanille zu finden, der Geschmack ist ausgewogen und weich, wenn natürlich auch nicht besonders spektakulär und ohne große Entwicklung im Mund. Aber einfacher, ehrlicher Whisky kann er wie gesagt gut bestehen und muss sich hinter Ballantines und Co. ganz sicher nicht verstecken.

Auch Nummer 2 war kein Single Cask, sondern ein „normaler“ Single Malt und auch eher für den Einstieg gedacht. The Highlander erinnert vom Geruch her spontan an Holzleim, aber wenn man ihm ein bisschen Zeit im Glas gibt, finden sich Südfrüchte, Geleeorangen und eine mentholartige, ätherische Frische. Der Geschmack erinnert an Kraut und Leder, mit leicht bitteren Noten und hinterlässt einen recht trockenen Mund. Nicht übel.

Das erste Einzelfass ist dann wiederum kein Malt Whisky, sondern ein Single Grain – Invergordon, 55,5%, Bourbon Barrel, 22.2.1988-22.8.2012, 188 Flaschen, Cask No 18589. Ziemlich interessant, hatte ich bislang noch nie im Glas. Trotz 24 Jahren im Fass ist die Farbe sehr hell und auch der Geruch recht durchdringend, aber doch eher dünn. Der Geschmack ist überraschend mild und sehr süß, allerdings auch ein wenig flach. Grainwhisky reagiert offensichtlich weit weniger mit dem Holz als Maltwhisky. Mit etwas Wasser kommt intesiver Getreidegeruch heraus, geschmacklich verliert er aber leider völlig. Die Süße geht verloren und dafür wird er sehr scharf und eintönig. Spannend, würde ich mir aber doch eher nicht ins Regal stellen.

Das ändert sich dann mit dem nächsten Tropfen, einem Glen Moray, 55%, Bourbon Cask, 15.5.1990-2.3.2012, 21 y.o., 109 Flaschen, Cask No 4560. Sehr schöner Speysider mit tiefgründigem Geruch, der an Waldboden erinnert. Ganz leicht muffig, moosig, mit Malz und Honig. Dahinter ist noch eine andere Note, die ich nicht ganz rausbekomme. Ich habe kurz Tamarinde im Kopf, aber das ist es auch nicht ganz. Der Geschmack ist erst bitter, entwickelt sich dann aber zu einer malzigen Süße. Im Gegensatz zum Highlander hinterlässt der Glen Moray dabei reichlich Speichel im Mund. Sehr überzeugend, aber ich stehe auch nach wie vor auf die „reinen“ Speyside-Whiskys.

Nach der Essenspause gab es außer der Reihe eine Flasche in Gedenken an Tommy, die von einer guten Freundin zu diesem Zweck gestiftet worden war. Ein Clynelish, 51,8%, 7.6.1989-13.2.2012, 22 y.o., Bourbon-Cask No 3843 aus den Abfüllungen des Scotch Single Malt Circle.

Dieser Clynelish war diesem Anlass völlig angemessen. Intensive Frucht in der Nase, Zitrus und Banane. Im Geschmack neben der Frucht eine leichte, malzige Süße. Insgesamt sehr wärmend (was bei den Temperaturen im La Tavola an diesem Abend ganz sicher nicht nötig gewesen wäre). Sehr geiler Tropfen!

Weiter ging es dann auch auf hohem Niveau und meinem Tagessieger. Ein Aberlour, 55,9%, refill Sherry Hogshead, 21.2.1995-1.3.2012, 17 y.o., 265 Flaschen, Cask No 940. Der Geruch ist schon mal eine Überraschung. Wie schon in der Farbe findet sich kein Hauch von Sherry, sondern ein frischer Geruch nach grünen Früchten, Birnen und Äpfeln. Am Tisch kommt die schöne Assoziation „wie der Winter, wenn er gerade angefangen hat“. Auch im Geschmack kommt der Sherry nur ganz dezent heraus, mit einer leicht malzigen Süße im Abgang. Davor eine leichte Schärfe und ebenfalls ein frischer Geschmack nach Obst mit Holz- und Vanillenoten, die eher an ein Bourbonfass erinnern. Sehr sehr geil, den muss ich wohl auf der Messe noch kaufen.

Der Nächste kam aus einer Distillerie, die ich sehr schätze – erkannt hätte ich sie in diesem Fall aber nicht. Bunnahabhain, 49,1%, Bourbon Hogshead, 2.12.1991-22.8.2012, 21 y.o., 290 Flaschen, Cask No 5468. Ein tiefer, wuchtiger Geruch mit Beeren und schweren Fruchtnoten. Im Geschmack dann aber eher leicht krautig und würzig, insgesamt überraschend „klassisch“. Sehr gut, muss aber gegen den Aberlour schon recht deutlich den kürzeren ziehen (auch wenn er bei uns am Tisch ansonsten ziemlich begeistert hat).

Der Abschluss aus der diesmaligen Range war dann nochmal ein harter Konkurrent für den Aberlour. Macduff, 50%, Sherry Hogshead, 28.11.1980-22.8.2012, 31 y.o., 191 Flaschen. Dass die Sherrynoten so schön und rund eingebaut sind, hab ich bislang nur selten erlebt. In der Nase kein Hauch von Schwefel, dafür Rosinen, Trauben und noch eine Note, auf die wir nicht kommen. Im Mund kommt der Sherry zwar schön raus, überdeckt den Whisky aber nicht, wie man es bei dem Alter im Fass hätte vermuten können. Erst ganz leichte Bitterkeit, dann eine wunderbare Mischung aus bitteren und süßen Noten. Ein wenig Zitrus findet sich auch noch drin. Super!

Nach dem offiziellen Teil gab es eine weitere Flasche, die einer der Anwesenden mal für Tommy besorgt hatte, die dieser aber damals nicht entgegennehmen konnte. Auch diese wurde also in Gedenken an ihn geöffnet und gelehrt. Ein Glenglassaugh aus der Old Train Serie, 20 y.o., Sherry Cask. Das war nun Sherry aus allen Rohren. Nicht übel, aber für mich kein Vergleich zu dem Macduff, bei dem der Sherry einfach besser eingebaut war. Aber darum sollte es ja auch nicht gehen.

Auch die Österreicher ließen mit einem Clynelish, 56,8%, 14.7.1997-13.2.2012, 14 y.o., refill Sherry Hogshead noch eine Flasche kreisen, von der ich aber nur noch genippt habe und die gegen die Sherryattacke des Glenglassaugh nicht ankam.

Alles in allem ein sehr guter, wenn auch teilweise kein einfacher Abend mit sehr guten Tropfen, der wohl nicht nur bei mir Lust auf die Abfüllungen der Linzer gemacht hat.

In diesem Sinne,

Slàinte Tommy!

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