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Skeptizismus, Whisky und Politik

31. Whiskytasting von Munich Spirits – Berry Bros. & Rudd

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Traditionell gibt es am Vorabend der Finest Spirits ein Tasting mit einem der Aussteller auf der Messe. Dieses Mal war das Andreas Hailer vom Whiskykeller, der die Abfüllungen von Berry Bros. & Rudd in Deutschland vertreibt. Eine Auswahl dieser Abfüllungen stand heute auf dem Programm.  Mit Ausnahme des ersten Whiskys des Abends alles Einzelfassabfüllungen in Fassstärke, nicht gefärbt und nicht kältegefiltert. Dazu gab es mehr oder weniger amüsante Anekdoten und einiges Wissenswerte aus Andreas Whiskyalltag.

Caperdonich 1992, 20 y.o., 46%, cask 121125

caperdonichZum Einstieg etwas Leichteres. Helle Farbe, Bourbonfass. In der Nase finden sich Zitrusfrüchte, erst sehr frisch, dann etwas dunkler in Richtung Orange. Nach ein paar Minuten erinnert der Geruch an die Soft Cakes mit Füllung aus Orangengelee. Der Alkohol verschwindet völlig, zum Schluss kommt noch Granny Smith dazu. Im Mund ist der Caperdonich sehr mild, die Fruchtnoten stehen auch hier im Vordergrund. Eine ganz leichte Bitterkeit kommt dazu, bevor er in einem mittellangen Abgang einen leichten Schmelz bekommt. Eigentlich sehr fein und auch genau meine Richtung, aber hier hätte Fassstärke sehr gut getan. Mit seinen 46% wirkt er fast etwas wässrig, der Geschmack kann nicht ganz halten, was der Geruch verspricht. Trotzdem ein schöner Opener.

Longmorn 1992, bottled 2012, 20 y.o., refill hogshead, 50,2%, cask 149094

longmorn_bbrDie Farbe ist sehr schön golden, in die Nase steigen würzige und krautige Noten, Waldhonig, ein kein wenig Sherry und Holztöne. Das alles ist deutlich wärmer und tiefgründiger als beim Caperdonich. Später kommt noch Marzipan durch. Auch der Geschmack ist schwerer, ebenfalls mit würzigen und bitteren Noten. Der Longmorn zieht Speichel und hinterlässt einen sehr trockenen Mund. Der Abgang ist ebenfalls mittellang und endet in einer ganz leicht cremigen Süße. Bei diesem Whisky sind große Schlucke angesagt, beim Nippen passiert nicht viel. Nicht ganz meine Richtung, aber schon sehr gelungen.

Auchroisk 1991, 19 y.o., 54,6%, cask 16022

auchroisk_bbrMit dem Auchroisk geht es nun steil nach oben. Trotz seines Alters ist er extrem hell. Auch in der Nase wirkt er anfangs stechend und durchdringend, mit viel Alkohol. Dahinter ist unreife Frucht, vielleicht grüne Banane. Auch im Mund ist erst der Alkohol dominant, dann ebenfalls grüne Frucht. In einem langen Abgang kommen dann verschiedene Fruchtnoten durch, der Alkohol weicht einer wunderschönen Süße. Sehr toll und macht Lust auf mehr. Sobald der Geschmack verschwunden ist, möchte man direkt wieder ansetzen. Insgesamt eher ein Sommerwhisky, aber die Temperaturen im A Tavola haben inzwischen eh nichts mehr mit Winter zu tun.

Tormore 1992, bottled 2012, 20 y.o., sherry butt, 55,7%, cask 100154

tormore_bbrDem Tormore sieht man die Jahre im refill sherry butt deutlich an, die Farbe ist tiefdunkel. In der Nase hat er eine sehr dominante Note, die aber niemand von uns am Tisch eindeutig greifen kann. Kein typischer Sherrygeruch, sondern sehr eigenständig. Mit etwas Wasser kommt Rosine durch. Auch im Mund findet sich dieselbe eigenwillige und deutliche Note (und bleibt genauso unbekannt), der restliche Geschmack kreist quasi um sie herum. Ich hab die Assoziation eines grauen Blechdachs, aber wirklich weiter bringt mich das auch nicht.
Alles in allem gefällt mir der Tormore aber extrem gut, eben weil er nicht die typischen Sherrynoten hat und der Whisky auch nicht vom Sherry erschlagen wird. Toll.
An der Stelle ist es nun Zeit für die Essenspause, die wie immer an mehreren Platten italienischer Antipasti bestritten wird. Frank verkauft derweil ein kleines Kontingent an Tickets für die Finest Spirits, von dem ich gerade noch das letzte ergattere.
Nach dem Essen nehm ich noch mal einen Schluck von dem Tormore, den ich mir aufgehoben hatte. Eine große Veränderung kann ich aber trotz der verstrichenen Zeit nicht wahrnehmen. Das mag aber auch am Essen gelegen haben.

Bunnahabhain 1990, 21 y.o., 53,1%, cask 18

bunnahabhain_bbrEs bleibt beim Sherryfass, diesmal first fill und damit ist auch die Farbe genau so tiefdunkel wie beim Tormore. In der Nase ist der Sherry sehr viel deutlicher und typischer, keine Schwefelnoten, Trockenfrüchte, Datteln, Feigen, zum Schluss Kaffee. Auch der Geschmack ist typischer, schwer, nach Leder und dunkler Schokolade, mit einem langen und sehr angenehmen Abgang. Wer auf massive Sherrybomben steht, der sollte hier glücklich werden. Mir ist der Sherry allerdings zu dominant, von Bunnahabhain kommt nichts mehr raus. Letztlich könnte das irgendein ungetorfter Whisky sein und das finde ich dann etwas schade. Dem Tormore muss er sich deswegen geschlagen geben.

Bowmore 2003, 8 y.o., 57,9%, cask 20059

bowmore_bbrWo wir gerade bei Torf sind. Bowmore finde ich oftmals etwas unterbewertet, die stehen zu Unrecht in der zweiten Reihe hinter Laphroaig, Ardbeg und Lagavulin, den Torfgranaten von der Südküste Islays. Aber auch von Bowmore gibt es sehr schöne Abfüllungen. Die hier fällt meiner Meinung nach aber etwas ab, was natürlich auch am Alter liegen mag. Als achtjähriger Whisky mit lauter Gegnern in den Ring zu steigen, die gute zwei Dekaden im Fass verbracht haben, ist nun mal nicht leicht. Wir sind zurück beim Bourbonfass, die Farbe ist damit sehr hell. In der Nase mischen sich Frucht und Torfnoten, sehr frisch und durchdringend. Der Geschmack ist sehr kräftig, mit viel Torf aber wenig Rauch. Die Frucht bleibt da leider etwas im Hintergrund und wird von Alkohol und Schinken überdeckt. Der Abgang ist ziemlich kurz, die Fruchtnoten bleiben übrig. Insgesamt nicht übel, aber meiner Meinung nach hätten ihm weitere Jahre im Fass gut getan, der wirkt noch nicht richtig fertig.

Caol Ila 1982, 29 y.o., 53,1%, cask 6510

caol_ila_bbrDer Caol Ila zum Schluss zeigt, wo es hingeben kann. Die Farbe ist nach der Lagerung im Bourbonfass ebenfalls recht hell. In der Nase findet sich viel Zitrus, Pomelo, nur wenig Rauch und etwas Torf dazu. Insgesamt sehr ausgewogen und harmonisch und richtig, richtig gut! Harmonisch beschreibt auch den Geschmack am besten. Kräftig, komplex und mit einer völlig ausgewogenen Mischung aus Zitrusfrüchten, leicht würzigen Ledernoten und eben Torf, ohne dass irgendwas sich mit dem anderen beisst oder zu sehr in den Vordergrund tritt. Auch der Abgang bleibt komplex und sehr lang, zur Frucht kommt eine schöne, leicht cremige Süße. Eines der klaren Highlights heute!
Damit waren wir auch schon wieder durch, aber da die Whiskys heute doch alle recht kräftig Umdrehungen hatten, hat das auch gereicht. Mit dem Auchroisk, dem Tormore und dem Caol Ila waren dann direkt auch drei Kandidaten dabei, die ich für die Messe ins Auge gefasst hab. Keine schlechte Ausbeute.
Dass der Abend neben Whisky auch viel Spaß, gute Gespräche und somit eben insgesamt eine sehr gute Zeit gebracht hat, sei hier der Vollständigkeit halber noch erwähnt – aber das ist inzwischen bei den Tastings von Munich Spirits auch zur angenehmen Selbstverständlichkeit geworden. Dann mal bis zur Finest Spirits!

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