The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Finest Spirits München 2013

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Andere zählen die Tage bis Weihnachten, ich zähle lieber weiter bis zum Februar, wenn die Finest Spirits ansteht, die sich inzwischen zur größten deutschen Messe für Whisky und Spirituosen entwickelt hat. Das hat man auch schon am Einlass gemerkt, denn obwohl wir schon sehr früh da waren, standen wir sowohl an der Kasse wie auch an der Garderobe in einer ansehlichen Schlange. Dank der professionellen Arbeit des Personals ging es dann aber doch letztlich einigermaßen flott, bis wir endlich drin waren.

Auch drinnen war noch einmal mehr los als im Vorjahr, aber noch kann das MVG-Museum die Besuchermassen aufnehmen. An den meisten Ständen hat man auch immer noch Zeit für Gespräche über Whisky und anderes gefunden, auch wenn es für viele Aussteller inzwischen doch ein ziemlich anstrengendes Wochenende sein dürfte. Dafür geht der Daumen klar nach oben.

Von den angebotenen Master Classes und Tastings haben wir diesmal keins besucht, da die für uns interessanten an den anderen Messetagen waren. Die Zeit hat aber auch so schon nicht gereicht, um alles abzudecken, was man hätte sehen und vor allem probieren können. Zu einigen Ständen (wie z.B. den der Single Cask Collection) hab ich es leider gar nicht mehr geschafft, obwohl auch dort immer interessante Flaschen zu finden sind.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt bleibt auch dieses Jahr die Sache mit den Gutscheinen. Die Idee, vier davon an die Eintrittskarte zu hängen, um vor allem Neulingen einen Einstiegspunkt zu geben, mag erst mal sinnig klingen. Es ist auch nachvollziehbar (wenn auch schade), dass die Gutscheine dann eher von den großen Anbietern kommen, die andere finanzielle Möglichkeiten zum Sponsoring haben als die kleinen. Aber ob es wirklich zielführend ist, wenn man für diese Gutscheine nur Proben bekommt, die zum absolut uninteressantesten und schwächsten gehören, was die Messe zu bieten hat, halte ich doch für sehr fraglich. Noch dazu, wenn diese Proben einfach nur in Massenabfertigung ins Glas gekippt werden. Ein Lob geht hier an die beiden Mädels, die den Auchentoshan ausgeschenkt haben und dabei wenigstens versucht haben, ein Gespräch aufzubauen, den Kenntnisstand ihres Gegenübers abzufragen und Informationen zum Whisky zu geben. Der Auchentoshan Classic ist zumindest auch ein ordentlicher, wenn auch sehr einfacher Whisky, ähnlich wie der zwölfjährige Singleton of Dufftown. Begeisterung werden beide trotzdem auch bei Neulingen nicht ausgelöst haben, mit dem Singleton wurden sie zusätzlich auch allein gelassen. Noch schlimmer war das beim Kavalan, einem Neuling aus Taiwan, zu dem es auch ein Master-Class-Tasting gegeben hätte. Am Stand gab es allerdings nicht mal auf Nachfrage Informationen dazu und meine Frage, ob ich denn mal die Flasche sehen dürfe, wurde von dem Heini hinter dem Tresen nur mit einem schnippischen „Viel Spaß beim Lesen!“ kommentiert (die Flasche war komplett auf Chinesisch beschriftet). So macht man sich natürlich Freunde und Kunden. Hat aber zum Whisky gepasst, der ebenfalls nur einen kurzen wie unspektakulären Auftritt hingelegt hat.

Der letzte Gutschein war dann für einen zwölfjährigen Chivas Regal und wurde von uns allen weggeworfen. Blends für den Massenmarkt mögen ihre Berechtigung haben, aber ich gehe doch nicht auf eine Whiskymesse um da Chivas zu trinken! Hallo?

Nun aber genug gemeckert, denn der Rest des Tages war mehr als erfreulich. Chronologisch kann und will ich das nicht wiedergeben, denn wir sind mehrfach zwischen denselben Ständen hin- und hergewechselt, haben ständig wieder andere Leute getroffen, andere Tipps bekommen, weitere Gespräche geführt, usw. Ich gebe das hier als in komprimierter Form für die Stände weiter, an denen wir uns länger aufgehalten haben:

Bruichladdich

Kaum ist die Destillerie an Rémy Cointreau verkauft, schon ist sie auch wieder auf der Messe vertreten. Wenigstens ein gutes hat das also schon mal. Als bekennende Fans mussten wir da natürlich hin und Unbekanntes testen. Das waren erst mal die Cuvees, bei denen die Laddies in verschiedenen mehr oder weniger ausgefallenen Fässern gereift sind. Meine Wahl war der Cuvee 640: Eroica, 21 Jahre alt und gelagert im Aquitaine-Cognacfass. Beim Micro Provenance aus dem Chateau d’Yquem Fass finde ich das absolut phantastisch, weil es eine ganz andere Süße als aus Sherryfässern hinzufügt. Und auch der Eroica kann durchaus überzeugen. Komplexe Noten aus Pfirsich, Kaffee und Orange, sehr gut eingebaut und nicht zu dominant, absolut ohne Muffigkeit oder übertriebene Schwere. Sehr schön. Ich hätte die anderen auch noch probiert, aber nachdem ich durch Gespräche am Stand erfahren musste, dass einer meiner Lieblinge, der Organic, wohl Ende des Jahres ausläuft, hab ich mich dann doch für die beiden Barleys entschieden, die ein bisschen die Nachfolge antreten. Für den Bere Barley wird eine alte Gerstenart verwendet, die ihm auch den Namen gibt. Bruichladdich stellt die Vermutung in den Raum, dass es sich dabei um die Originalgerste gehandelt haben könnte, die zu Anfangszeiten für Whisky auf Islay verwendet wurde. Farbe und Geruch gehen tatsächlich in Richtung des Organic, allerdings ohne die massiven Kokos- und Bananennoten, die diesen auszeichnen. Ebenfalls sehr jung zeigt der Bere Barley zwar ebenfalls in erster Linie fruchtig, aber auch kräftiger, herber und frischer. Für mich kommt er nicht ganz an den Organic ran, auch wenn er durchaus gelungen ist. Ähnliches gilt für den Islay Barley, den zweiten Vertreter der Reihe und destilliert aus Gerste, die auf Islay angebaut wurde. Das Ziel ist hier „Terroir“. Der Islay Barley ist gefälliger als der Bere Barley und geht eher in Richtung des Laddie Ten, für sein ebenfalls noch sehr junges Alter zeigt er sich schon erstaunlich erwachsen. Die Fruchtnoten sind nicht ganz so deutlich, das Bourbonfass kommt deutlicher heraus. Ebenfalls gut, aber leider auch ebenfalls kein ganz gleichwertiger Ersatz für den Organic.

Andy McNeill

Immer für ein gutes (und meist extrem unterhaltsames und witziges) Gespräch zu haben und auch immer für sowohl interessante, wie auch bezahlbare Abfüllungen. McNeill nimmt sich Zeit für jeden in unserer zwischendurch auf 7 Frauen und Männer angewachsenen Truppe und versucht, für jeden den passenden Whisky zu finden. Da sind mehrere sehr gute Sachen dabei (vor allem ein Bowmore, den meine Frau bekommt und ein stark getorfter Caperdonich). Bei mir wird es ein ziemlicher Exot. McNeill hat einen Single Grain von North British, 20 Jahre alt und in Fassstärke abgefüllt. Hab ich noch nie getrunken und wäre auch keinesfalls darauf gekommen, dass das ein Single Grain sein könnte. Die meisten Grainwhiskys gehen nur in Blends, weil sie geschmacklich nicht viel hergeben. Nicht so dieser hier. Zwar ist er auch sehr mild und süßlich, aber trotzdem mit einem intensiven Geschmack, Vanille und Marzipan, und einem überraschend langen Abgang. Der muss sich nicht hinter Single Malts verstecken und allein das ist schon eine Überraschung.
Hier hätten wir auch den Bowmore gekauft, der mit einer wunderbaren Mischung aus Torf und Frucht glänzen konnte, aber leider war keine Flasche mehr da. Vielleicht beim nächsten Mal.

Tasting Fellows

DIE positive Überraschung waren die Tasting Fellows ein Tipp von Munich Spirits. Lorenz Schreier hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht und kauft inzwischen nicht nur für den eigenen Bedarf und den seines Freundeskreises, sondern verkauft auch seine wenigen Abfüllungen weiter. Dabei handelt es sich ausschließlich um fruchtige Whiskys aus dem Bourbonfass, ohne Torf, Rauch und Sherry. Also genau mein Ding, womit wir schon mal sehr interessiert sind. Als besonderes Schmankerl hat er zwei Fettercairns dabei, die am Abend vor der Messe von den jeweiligen beiden Fässern in die Flaschen gekommen sind. Der gleiche Whisky, zwei unterschiedliche Fässer zum Vergleich, die auch nun leer am Stand stehen. In eines der beiden können alle Besucher den Kopf stecken und mal riechen, wie so ein Fass von innen ist. Sehr schöne Idee, die auch einige Leute an den Stand bringt, wo sie von Lorenz, seiner Frau und einer Freundin ausführlich beraten werden. Wir probieren alle fünf vorhandenen Abfüllungen aus und sind von allen überzeugt. Jeden hat ihren eigenen Charakter und jede ist wirklich gut gelungen. Zwei stechen allerdings heraus, ein siebzehnjähriger Miltonduff mit Noten von Apfel und Nuss („Apfelstrudel“) und ein zwanzigjähriger Glenburgie mit komplexen Fruchtnoten von Apfel bis Kirschblüte. Beide völlig geil und da der Preis auch mehr als fair ist, gehen sie auch beide mit uns heim. Top!

Cadenhead’s

Bei Cadenhead’s gibt es im Großen und Ganzen nur Überdurchschnittliches und so fällt die Wahl nicht leicht. Letztendlich entscheide ich mich für einen Tamnavulin, 20 y.o. aus dem Chateau Lafitte Faß. (UPDATE: Ich hab mich geirrt, in Wahrheit war das ein Tullibardine 1993 – Februar 2013, 19 y, Chateau Lafitte cask, 48,3 %, Cadenhead´s Wine Cask Serie, 1 of 210 Bottles.) Sehr eigenwillig, mit deutlichen Trauben- , Wein- und Erdbeernoten in der Nase und im Mund. Auch die Farbe geht in Richtung rosé. Ich überlege, ob ich der was für zu Hause wäre, aber letztlich ist er mir dann doch zu speziell. Da hab ich einfach zu selten Lust drauf.

Munich Spirits

glenglassaugh_fsDer Besuch bei Pit und den Monster Malts am Stand von Munich Spirits ist natürlich Pflicht. Hier gibt es High End, bei dem die Flaschen weit jenseits meines Geldbeutels liegen. Aber ein oder zwei Drams gehen schon, man muss ja schließlich auch immer mal wieder schmecken, was möglich ist. Was wir hier probieren, ist alles vom Feinsten, was keine wirkliche Überraschung darstellt. Bei mir ist es ein dreißigjähriger Glenglassaugh von 1976 aus der Cask Strength Collection, Bourbon Hogshead 2381, bottle no 36 of 260. Wunderbarer Tropfen, wenn auch für die Messe eigentlich zu komplex und hintergründig. Perfekt wäre der an einem Abend vor dem Kamin, an dem man sich richtig Zeit für den Whisky nehmen kann. Aber auch hier kann er zeigen, was er kann. Gerne hätte ich noch den Port Ellen aus der Silver Edition probiert, aber in dem Moment, wo ich ihn ordern wollte, hat so ein Schlingel neben mir die restliche Flasche gekauft und mich damit ziemlich bedröppelt da stehen lassen. Sauerei! 😉

pc_elementsAls Absacker am Ende der Messe trinken wir hier noch einen Port Charlotte mit 9 Jahren aus der Elements of Islay Serie. Wie alle Port Charlottes Schinken satt und eine klare Abschlussdram, weil danach einfach nichts mehr durchkommen kann. Aber auch der hier zeigt, dass Torfbomben nicht eindimensional sein müssen, sondern durchaus auch noch andere Noten zulassen (auch wenn ich nicht mehr sagen kann, welche das waren ;-)).

CREW Ale Werkstatt

OK, kein Whisky, aber trotzdem interessant. Die Münchner CREW Ale Werkstatt macht ziemlich eigenständiges Ale mit viel Hopfen und Aroma. Das IPA mit seinen starken Cassis-Noten kenne ich schon, hier probiere ich das „normale“ Pale Ale zum Essen. Nicht so extrem wie das IPA, aber dafür auch sehr viel süffiger und trotzdem sehr aromatisch. Tolles Bier, das sich angenehm von dem ganzen Mainstreamquark in unseren Supermarktregalen abhebt.

Das war es dann, nach sechs Stunden Messe schwanden die Kräfte langsam und wollten bei einem hervorragenden Schnitzel im Roecklplatz wieder aufgefüllt werden.

Slàinte Mhath und ganz sicher bis zum nächsten Jahr!

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