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Skeptizismus, Whisky und Politik

46. Whiskytasting von Munich Spirits – Messehighlights Finest Spirits 2015

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Während sich glückliche Menschen Ende Februar auf der Finest Spirits vergnügen durften, stand ich in alten Klamotten auf einer Leiter in meiner alten Wohnung und habe Wände gestrichen. Kein guter Ersatz, vor allem da einem heutzutage von Wandfarbe nicht mehr schwummrig im Kopf wird. Umso gespannter war ich deswegen auf die Messenachlese von Munich Spirits. Bislang hatten die Mädels und Jungs immer eine ziemlich gute Nase (in jeder Hinsicht) und damit war das die Möglichkeit, zumindest ein wenig der Messe nachzuholen.

Die Rahmenbedingungen waren die gleichen wie immer, ich komme also direkt zu den Whiskys:

20150326_183232Die Eröffnung machte eine ungewöhnliche Abfüllung des Scotch Single Malt Circle. Eigentlich bringt Maggie Miller nur Abfüllungen in Fassstärke heraus. Aber auch sie bekommt inzwischen wie alle unabhängigen Abfüller den Mangel an Fässern, deren Inhalt sowohl trink- wie auch bezahlbar ist, deutlich zu spüren. Das einzige, was beim Broker in dieser Kategorie in Frage gekommen ist, war ein bereits auf Trinkstärke verdünnter Glenburgie, Scotch Single Malt Circle, Bourbon Barrel, 19 Jahre, 46%. Bevor sie nun mit komplett leeren Händen wieder gehen musste, wurde es dann der. Das kann ich nachvollziehen, denn der geht genau in die Richtung, die ich seit einiger Zeit bevorzuge. In der Nase kommt hinter einem Hauch von Lösungsmittel sofort Fruchtkompott durch, bei dem Birne im Vordergrund steht. Sehr fein und vielversprechend. Der Geschmack ist im ersten Moment eher würzig, die Frucht kommt nicht so dominant durch, wie man durch den Geruch erwarten würde. Im Abgang wird wird er leicht adstringierend und es kommen rote Pefferbeeren dazu. Leider klingt er nicht allzu lange nach, was wahrscheinlich am Alkoholgehalt liegt. Extrem schade, dass der bereits verdünnt war. In Fassstärke wäre der richtig groß gewesen, so reicht es letztlich nur zu einer Zwei mit Sternchen. Was aber natürlich immer noch ziemlich respektabel ist.

20150326_183240Nummer zwei wurde als der überzeugendste Vertreter dieser Destillerie auf der Messe angekündigt: Benriach, Anam na h-Alba, Refill Sherry 1990, 24 Jahre, 59,7%. Schon die Farbe sieht nicht nach Sherry aus, der Geruch hat auch nichts damit zu tun. Ganz im Gegenteil findet sich da mit Vanille ein recht deutlicher Hinweis auf Bourbonfässer. Auch ansonsten hat er nichts von sherryähnlicher Schwere oder Muffigkeit, sondern wirkt ganz im Gegenteil sehr frisch und klar, mit Zitrusnoten. Die Assoziation ist eher Bergfühling als Ledersofa. Im Geschmack kommt der Alkohol sehr deutlich raus, aber auch hier ist von Sherry keine Spur. Inzwischen stellt sich mir die Frage, ob der nicht vielleicht falsch deklariert war. Das schmeckt alles nach straightem Bourbonfass. Im Abgang gibt es noch ein wenig Toffee. So richtig überzeugt mich das aber alles nicht. Wenn das der stärkste Benriach der Messe war, dann spricht das nicht gerade für die anderen Abfüllungen.
Mit Wasser verändert er sich ziemlich deutlich, da kommen auf einmal Birnen- und Apfelnoten durch. Insgesamt erinnert er mich an da an einen Obstbrand, der im Holzfass nachgelagert wurde. Vor ein paar Jahren gab es mal einen „Alten Apfel“ der Brennerei Ziegler. An den musste spontan denken. Trotzdem für mich der schwächste Vertreter im LineUp.

20150326_183245Mit der nächsten Runde wurde dann aber spontan alles wieder gut. Die Abfüllungen der Scotch Malt Whisky Society sind den Mitgliedern vorbehalten und auch für diese nicht immer leicht zu bekommen. Vor allem die richtig guten sind schnell weg, was auch bei dieser der Fall war: Cragganmore, SMWS 37.60, „Oranges, spices and London honey“, 29 Jahre, 52,4%. Alter Whisky braucht gern Zeit im Glas und das ist hier nicht anders. Die erste Nase ist eher unangenehm und erinnert die einen am Tisch an Uhu, mich an morsches Holz. Aber das ändert sich nach einiger Zeit, es kommen florale Noten durch, dazu der im Namen bereits erwähnte Honig. Leichte Gewürznoten lassen sich auch finden, die Orangen hab ich eher nicht. Geschmacklich ist sehr rund und ausgewogen, mit vielen Nuancen aus denen keine dominant hervorsticht, was eine Beschreibung schwierig macht. Vor allem ist er aber extrem süffig. Den Alkohol schmeckt man gar nicht, das alles ist so angenehm und ausgewogen, dass das Glas sehr schnell leer ist und genau so schnell nachgefüllt werden möchte. Gefährlich, da kann eine Flasche sehr schnell leer werden. Sehr gelungene Abfüllung, insgesamt wohl mein Gewinner des Abends.

20150326_183250Die letzte Abfüllung vor der Essenspause war nun ganz deutlich aus dem Sherryfass: Glen Garioch, Berry’s own selection, 1st Fill Oloroso Sherry Butt, 21 Jahre, 57%. Allerdings bezweifle ich, dass er wirklich die ganze Zeit im 1st fill Fass verbracht hat. Der Sherry war zwar deutlich, aber nicht übermächtig, so dass der Whisky darunter angenehmerweise noch herauskommen konnte. Der Geruch voller Wurzelwerk, mit deutlich Sherry und dunklen Beeren. Der Geschmack eine schöne Mischung aus Sherrysüße und Whisky mit einem mächtigen, malzigen Abgang. Für meinen Geschmack hätte es ein Tick weniger Sherry sein können, aber das ist schon Jammern auf ganz hohem Niveau, die Abfüllung ist ziemlich gelungen.

20150326_183257Sowohl mit Sherry wie auch gelungen ging es nach der Pause weiter: Caperdonich, Single Cask Collection, Sherry Hogshead, 20 Jahre, 53,5%. Hier war der Schwefel in der Nase zu riechen, ausgeglichen aber durch Marzipan. Im Mund eine schöne, ausgewogene Süße, die mir noch besser gefallen hat als beim Glen Garioch. Leider konnte der recht kurze und fast etwas wässrige Abgang aber nicht mithalten und hat die Note dann letztlich etwas gedrückt, weswegen es dann nur einem Gut gereicht hat.

20150326_183302An vorletzter Stelle dann ein etwas ungewöhnlicher Vertreter, weil sowohl aus Irland wie auch getorft. Die Iren beginnen nach einer längeren Tiefphase langsam endlich wieder Boden zu gewinnen. Neue Destillerien werden gebaut und neue Abfüllungen kommen auf den Markt. Darunter auch diese, ein Cooley, Irish-Whiskeys.de, Bourbon Hogshead, 13 Jahre, 51,6%. Der Geruch leicht rauchig, mit Vanille und Banane. Der Geschmack gefällig, aber etwas unspektakulär, mit Fruchtnoten im Abgang. Insgesamt ein schöner, gut trinkbarer Alltagswhisky, bei dem der Torf nicht alles zudeckt, sondern noch andere Aromen zulässt. Aber trotzdem – für diese Abfüllung werden im Laden 80 € abgerufen. 80 €? Seriously? Das zeigt das Problem, das wir aktuell haben. Die Preise haben – vor allem bei den Unabhängigen – deutlich angezogen und sind inzwischen in Bereichen, die ich einfach nicht mehr zu zahlen bereit bin. Sehr schade.

20150326_183309Ähnliches gilt auch für den Abschlusswhisky: Laphroaig, Glen Fahrn Germany, Cask 7981, 14 Jahre, 54,1%. Mit einem Einatmen über dem Glas ist klar, dass hier ein Laphroaig drin ist. Die medizinischen Noten zum deutlichen Torf sind völlig typisch. Nicht ganz so typisch sind die buttrigen Fruchtnoten, die noch dazu kommen und ihm eine eigene Note geben. Der Geschmack ist wie erwartet kräftig und wuchtig mit Schwarzgeräuchertem im Vordergund. Dann kommt aber wieder Frucht durch, dann wieder der Schinken, zum Schluss klingt alles in einer cremigen Süße aus. Fraglos ist auch das eine gelungene Abfüllung. Aber für über 100 € bekomme ich auch einen 18jährigen Standardabfüllung (an der dieser Laphroaig für mich trotz aller Klasse nicht vorbei kommt) plus einen 10jährigen obendrauf (mit dem ich nach wie vor Spaß habe). Deswegen bleibt mein Fazit auch hier: klasse Whisky, aber nicht zu diesem Preis.

Aber dafür hat man ja Tastings, bei denen man in schön geselliger Runde auch die Whiskys genießen kann, die nicht im eigenen Regal landen. So wie dieses, das einmal mehr sehr gelungen war und eine Menge Spaß gemacht hat.

Bis zum nächsten Mal!

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