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70. Whiskytasing von Munich Spirits – Weihnachtstasting mit der Single Cask Collection

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Es weihnachtet sehrSpät, aber immer noch besser als nie reiche ich den Bericht zum 70. Whiskytasting von Munich Spirits nach. Es hat sehr geweihnachtet und Wolfi von der Single Cask Collection aus Linz hat zwar keinen Bart, darf uns aber trotzdem schon mal bescheren. Die Single Cask Collection gehört zu meinen absoluten Favoriten bei den unabhängigen Abfüllern und damit war das definitiv ein Pflichttermin für mich. Wie an anderer Stelle schon erwähnt finde ich hier eigentlich immer was, was ich unbedingt haben muss. Da macht – so viel sei schon mal vorweg genommen – dieser Abend keine Ausnahme.

Zur Organisation muss ich nicht mehr viel schreiben, ich gehe also direkt zu den verkosteten Whiskys über.

Glen OrdGlen Ord, 8 Jahre, 60,7%, Bourbon Hogshead

In der Nase dunkle Frucht, Kompott und Malz, was mich schon mal spontan anspricht. Der Geschmack ist wie beim dem jungen Alter zu erwarten ziemlich kräftig und wärmend, ebenfalls mit Fruchtnoten, der Abgang lang mit leicht bitteren Note. Das alles ist nicht besonders komplex, aber sehr angenehm zu trinken. Mit Wasser wird er ziemlich würzig.

MacduffMacduff, 10 Jahre, 56,5%, Bourbon Barrel

Obwohl nur 2 Jahre älter, wirkt der Macduff schon deutlich reifer. Auch hier hat man Frucht in der Nase, aber auch Marzipan und Streusselteig. Auch der Geschmack ist ähnlich kräftig, aber dabei runder und mit mehr Tiefe, mit einem leicht adstringierenden Ausklang. Wie schon der Glen Ord ist auch der Macduff ein schöner Trinkwhisky mit typischem Highland-Charakter, hier allerdings mit spürbar mehr Charakter.

CraigellachieCraigellachie, 11 Jahre, 53,6%, Bourbon Barrel

Weg von den klaren Fruchtnoten, hin zu Schokolade, Nüssen und Kirsche, im Mund schmelzige Süße, die an Butterscotch erinnert. Der Abgang könnte vielleicht einen Tick länger sein. Insgesamt deutlich weicher als die beiden Whiskys davor, könnte ich mir gut als Digestiv vorstellen.

DumbartonDumbarton, Single Grain Whisky, 30 Jahre, 52,1%, Bourbon Barrel

Single Grains sind eine Ausnahme, vor allem mit diesem Alter. Bislang waren meine Erfahrungen mit Grain nicht so berauschend, aber dieser hier ist die große Überraschung. Der Geruch ist sehr getreidig und mit viel Süße, dabei mit viel Frucht, im Mund kommt das Boubonfass mit viel Vanille sehr stark durch, aber ohne irgendwelche unangenehmen Holznoten. Auch hier ist viel Süße vorhanden, die auch im Abgang lang erhalten bleibt. Dahinter sind viele Nuancen, aber für die braucht er seine Zeit im Glas. Mit der wird er aber so richtig toll. Mit knapp 200 € nicht im eigentlichen Wortsinn billig, aber in Anbetracht dessen, was inzwischen für 30jährige Whiskys für Preise aufgerufen werden, immer noch ein ziemliches Schnäppchen. Mich interessiert der sehr eigene Geschmack aber mehr als der Handelswert und der reicht mir, um den mit nach Hause zu nehmen.

ArranArran, 21 Jahre, 51%, Sherry Hogshead

Der Sherry kommt mit deutlichen Rosinennoten raus, im Mund dann deutlich Orange und Kuchen, gefolgt von einem mächtigen und süßen Abgang. Toll!

InvergorndonInvergordon, Single Grain Whisky, 26 Jahre, 57,4%, Bourbon Hogshead & Rum Cask

Nochmal eine Single Grain, bei dem die Nachreifung im Rumfass schon in der Nase deutlich hervortritt. Der Geschmack ist verwirrend, der Single Grain kann dem Rum wenig entgegensetzen. Bei einer Bildverkostung hätte ich wohl keine Idee, was ich im Glas hätte. Insgesamt sehr süß, und für einen Rum fände ich das auch nicht schlecht. In der Kategorie Whisky für mich aber eher interessant als überzeugend.

CroftengeaCroftengea, 10 Jahre, 53,8%, Bourbon Hogshead

Unter dem Label Croftengea bringt Loch Lomond getorfte Abfüllungen heraus. In der Nase bekommt man hier weniger Rauch als vor allem Salz und Jod. Auch im Mund dominiert der Rauch nicht, sondern lässt Raum für eine fruchtige Würze und einen süßen Abgang. Ein bisschen erinnert mich das an Ardbeg. Mein Bedarf an rauchigen Abfüllungen ist im Moment nicht so hoch, aber der hier ist bombig, weil der Rauch hier nicht alles erschlägt, sondern zur Komplexität beiträgt. Klasse!

Balmenach, 8 Jahre, 55%, Bourbon Barrel & Rum Cask

Noch eine Nachreifung im Rumfass. Auch hier hat man die Rosinen, dazu ungebackenen Teig. Im Mund eine Mischung aus bitteren und süßen Noten, der Abgang ist trocken und zieht Speichel. Ganz überzeugt bin ich hier nicht, das wirkt auf mich ein bisschen unfertig.

Dalmore, 13 Jahre, 56,3%, Bourbon Hogshead & Willi Opitz Homok Cask

Nachgelagert im Süßweinfass erinnert diese Abfüllung an Sherry, mit viel schwerer Süße in der Nase und im Mund, dazu Gewürze und ein langer, schwerer Abgang. Muss man in seiner Mächtigkeit schon mögen, der Whisky tritt hier auch etwas in den Hintergrund. Ich würde das trotzdem unter gelungen ablegen.

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