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Skeptizismus, Whisky und Politik

Dram in a Tram – Whiskytasting von Slowdrink

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Whisky ist eine Frage des Stils. Zumindest wenn es ein guter ist, verunstaltet man ihn nicht mit Cola oder Eis. Man kippt ihn sich auch nicht in Eile hinter die Binde, sondern genießt seine Dram in Ruhe und vorzugsweise mit guten Freunden in der richtigen Umgebung. Die eine richtige Umgebung gibt es dabei nicht, es kann ein Ledersessel vor einem Kamin sein, eine Terrasse im Sonnenuntergang, eine Bar oder vielleicht auch eine Tram. Eine Tram? Natürlich nicht im Berufsverkehr, aber wenn man sich eine eigene zur Sonderfahrt mietet und damit in geschlossener und guter Gesellschaft whiskytrinkend kreuz und quer durch München fährt, dann kann das in der Tat die goldrichtige Umgebung sein.

Ebendieses hat Pit Krause von Slowdrink in Zusammenarbeit mit Munich Spirits letzten Samstag organisiert. Bei bestem Wetter und mit einem absolut hochklassigen Line-Up, bei dem alle Tropfen ebenbürtig um die Spitzenposition gekämpft haben. 4 Stunden durch München fahren, guten Whisky trinken, dazu noch ein paar Informationen über die Münchner Straßenbahn bekommen und vielen armen Menschen ohne Whisky draußen zuprosten. Man kann sagen, wir hatten jede Menge Spaß!

Nach dem Einsteigen am Ostbahnhof, ein paar Informationen zum Ablauf und zur Straßenbahn und der Feststellung, dass wir einen blinden Passagier an Bord hatten, der das Sonderfahrt-Schild übersehen hatte (aber dann doch keinen Whisky wollte und bei der nächsten Gelegenheit entlassen wurde), ging es an die erste Runde.

Dieser Samstag war nicht nur der bislang heißeste Tag in diesem Jahr, sondern auch Hitzerekord für einen 28. April in München. Da nun Spirituosen unter den klimatischen Bedingungen am besten schmecken, unter denen sie auch hergestellt wurden, traf es sich ziemlich gut, dass der Opener des Tages kein Whisky, sondern ein Rum war. Genauer gesagt ein 12 Jahre alter Single Domain Guyana Rum (Caribbean Distillers), bottled 2004 by Rum Nation, Rossi & Rossi Imp. (Italy), 43%. Eigentlich ist Rum ja nicht so mein Geschmack. Pit hat es zwar schon mehrfach versucht, konnte mich aber auch nicht mit richtig guten vom Gegenteil überzeugen. Bis heute. Vielleicht war es der Temperatur geschuldet, aber der hier ging mir richtig gut rein und war der Erste, der mich nicht an Backaroma erinnert hat (Entschuldigung an alle Rum-Fans, in der Hinsicht bin ich einfach Banause!). Ganz im Gegenteil ein eigener, aber sehr angenehmer Geschmack. Vielleicht muss ich in die Thematik doch mal intensiver einsteigen.

Dazu vielleicht ein andermal mehr, jetzt soll es wieder um Whisky gehen. Der erste in dieser Runde war ein Glenglassaugh 22 y.o., Hart Bros., 1974, 43%. Glenglassaugh ist viele Jahre kaum beachtet worden, ich hatte aber schon ein paar Mal sehr gute im Glas. Da macht dieser hier keine Ausnahme. Intensiver Fruchtgeruch, erinnert stark an Gummibären. Geschmacklich ein typischer Speysidewhisky aus dem Bourbonfass, aber auch hier mit extrem viel Frucht, malziger Süße und ganz leicht bitteren Noten dahinter. Sehr fein und im Moment genau mein Geschmack. An dem hätte ich mich schon festtrinken können.

Nummer 2 war dann direkt Kontrastprogramm. Ein Tomatin 33 y.o., Duncan Taylor (Rare Auld), Dec 1976 – Feb 2010, Sherry Cask 6816, 264 btl., 51,6 %. In der Nase hat mich der Tomatin ein wenig an den Rum erinnert. Eingelegte Früchte und Leder sind dominant. Geschmacklich dann auch hier viel Frucht (Maracuja), aber auch eine deutlichere Bitterkeit, die den Speichel im Mund zieht. Ebenfalls sehr gut, aber für mich knapp hinter dem Glenglassaugh.

Inzwischen waren wir über den Max-Weber-Platz am Giesinger Stadion vorbei nach Harlaching gefahren, wo wir an der Wendesstelle eine kurze Pause einlegen konnten. Die war durchaus willkommen, denn in der alten Straßenbahn waren die Temperaturen inzwischen doch ganz leicht tropisch. Unter den Bäumen war es somit schon angenehmer, zumindest bis die Mücken ihren Anteil vom Whisky haben wollten.

Also wieder zurück in die Stadt und über Nymphenburg zum Olympiapark, unserer nächsten Haltestation. Auf dieser Etappe gab es nach einer kurzen Debatte über die beste Reihenfolge erst mal einen Springbank 21 y.o. OB (Old Parchment Label, distilled in the 1960ies), 75cl dumpy bottle, 46%. Ganz großer Tropfen, wenn auch für die Tram vielleicht ein wenig zu feingeistig. In der Nase Kokos und Salz, im Geschmack quasi alles, was man in Whisky finden kann. Irre komplex, Passionsfrucht und Mandelöl dabei am deutlichsten. Pit hat noch Serranoschinken mit Melone drin gefunden und noch einiges andere. Wahnsinnsteil!

Eigentlich sollte noch vor ihm der Auchentoshan 29 y.o. OB, distilled 12.03.1973, Sherry Butt 793, 55,8% kommen, aber der wurde völlig zu Recht nach hinten geschoben, denn der hätte alles im Springbank überdeckt. Extrem dunkel und massiv, eine richtig fette Schnecke. Dunkle Schokolade, Malaga-Eis – Pits Beschreibung als „Dark-Fruit-Smoothie-Orgasm“ hat es schon recht gut getroffen. Sehr geil, wenn auch sicher kein Whisky für jeden Tag, schon gar nicht für einen so warmen. (Dass das Bild leider unscharf ist, lag nur am Wackeln der Tram und keinesfalls am Alkohol!)

Nummer 3 und schon an unserem Rastplatz, der stillgelegten Haltestelle Olympiapark Süd, ausgeschenkt war ein Glendronach 1. May 1992 – 4. Feb. 2009 OB for King’s Court Society, Sherry Butt 39, 200 btl., 58,7%. Leider hatte der nun das Problem, nach dem Auchentoshan zu kommen und auch noch in eine ähnliche Richtung zu gehen. Für mich hat er deswegen ein wenig verloren, was er eigentlich nicht verdient hat, denn auch das hier war an sich ein richtig großer Tropfen mit mächtigem Sherry und Kaffeelikörnoten. Als Einziger an diesem Abend hat dem ein bisschen Wasser sehr gut getan. Inzwischen wurden auch die Assoziationen etwas eigenwilliger. Von Blumentopferde über „diese Pinguinstäbchen“ (gemeint war Guano) bis hin zu „Gaddafi unter den Achselhöhlen“ war der Alkohol doch schon etwas anzumerken.

Nach der Pause und den Sherrybomben ging es für die letzte Etappe in Richtung Islay. Bowmore 1994 – 2008 Berry Bros. & Rudd, Cask 1681, 56,3%. Großartiger Bowmore aus dem Bourbonfass. In der Nase deutlich Rauch, aber nicht zu massiv, dazu Mandarine und Pomelo. Geschmacklich eine sehr angenehme und leichte Mischung aus Torf und fruchtiger Süße, perfekt kombiniert und irre süffig. Ein sehr eigenständiger und richtig toller Bowmore! Eigentlich stehe ich seit einiger Zeit nicht mehr so sehr auf die torfigen Whiskys, aber dieser hier war mein Gewinner des Abends.

Nur um Haaresbreite dahinter der zweite Islaywhisky und Abschluss des Abends – ein Port Ellen 26 y.o., Three Rivers (Tokyo), 13. Oct. 1982 – 17. Aug. 2009, Sherry Butt 2473, 200 btl., 55,7%. Der Sherry war sehr weit im Hintergrund, sowohl in der Farbe wie auch im Geruch und im Geschmack. Alles in allem eine sehr elegante, komplexe und ausgewogene Mischung aus Torf, Würzigkeit, Leder, Jod und Frucht. Großer Tropfen, der bei den meisten auch der Tagessieger geworden ist.

Eine Reihenfolge über den Gewinner hinaus ist allerdings kaum möglich. Hier war alles auf höchstem Niveau und kein einziger Tropfen dabei, der auch nur in die Nähe einer Enttäuschung gekommen wäre. Top!

Wieder am Ostbahnhof war es inzwischen 22 Uhr und immer noch warm genug, um draußen einen kleinen Snack einzunehmen – würde man in München um diese Uhrzeit draußen noch etwas zu Essen bekommen. So mussten wir uns dann doch zum Italiener rein setzen. Aber der Sommer geht ja erst los, von dem her war das zu verkraften.

Danke an Pit und Klaus für die Organisation, war einmal mehr ein feines Tasting, bei dem diesmal nicht nur genossen, sondern auch noch mehr gelacht werden konnte als sonst. Gerne wieder!

2 Kommentare

  1. Es freut mich sehr, das es Ecuh gefallen hat – Gaddafi war nur noch geil 😉 Sehr schöner Artikel!

  2. Pingback: Slow Drink Premium-Tasting im historischen Irish Pub | The Mindmachine

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